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Angeklagter ist in Freiheit eine Gefahr

Aus dem Gericht Angeklagter ist in Freiheit eine Gefahr

Ein Leben in Freiheit wird es auf unbestimmte Zeit für den zu einer dauerhaften Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilten Angeklagten nicht mehr geben.

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Stadtallendorf. Der 45-jährige Langzeitarbeitslose wurde nicht nur wegen versuchten Mordes an der besten Freundin seiner geschiedenen Frau verurteilt (die OP berichtete ausführlich), sondern auch wegen einer weiteren Würge-Attacke in Stadtallendorf, die die Schwurgerichtskammer als Körperverletzung würdigte.

Diese Tat hatte sich bereits im Juli 2011 in einer Stadtallendorfer Diskothek ereignet und wurde am Montag im Schwurgerichtssaal erörtert. Der 45-jährige griff in der Discothek eine 21-jährige Frau, die am Ausgang eine Zigarette rauchte, unvermittelt und völlig grundlos an. „Plötzlich fasste er mir an den Hals und drückte zu“, berichtete die junge Frau dem Gericht. Nur durch heftige Gegenwehr und die mit Hilfe anderer Disco-Besuchern und der Türsteher hatte sie sich von dem Würgegriff des Mannes befreien können. Die Würgemale waren noch längere Zeit am ihrem Hals zu sehen. Bei diesem Vorfall war der Mann mit 1,83 Promille stark alkoholisiert gewesen, wie später bei seinem versuchten Mord an der Freundin seiner Ex-Frau. Bei dieser Tat in einer Stadtallendorfer Bäckerei wies er eine Alkoholkonzentration von 1,50 Promille im Blut auf. Der Angeklagte hatte für beide Taten kein Motiv angegeben.

Seit dem Mordversuch befindet sich der Mann auf Antrag der Staatsanwaltschaft in der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik in Haina. Dort fühlt sich der Angeklagten nach eigenem Bekunden wohl. Die Fachärztin für Psychiatrie, die den Angeklagten über einen langen Zeitraum in Haina begutachtete, leistete mit ihrem Gutachten den vermutlich entscheidenden Beitrag zur Urteilsfindung.

Sie attestierte dem Angeklagten unter anderem eine kombinierte organische Persönlichkeitsstörung, eine Spielsucht und eine starke Alkohol- und Nikotinabhängigkeit. Seine Steuerungsfähigkeit sei bei beiden Taten durch den Alkoholgenuss erheblich herabgesetzt gewesen. In Freiheit seien bei ihm durch die mehrfache Suchtgefährdung in Verbindung mit der organische Persönlichkeitsstörung in Zukunft erneut Übergriffe ähnlicher Art zu erwarten.

„In Freiheit wird er wieder Alkohol in erheblichen Mengen konsumieren. Wir sehen deshalb keine Alternative zur Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt“, stellte die Gutachterin fest.

Die Staatsanwaltschaft sah nach dem Gutachten und der Anhörung von 16 Zeugen alle Anklagepunkte als erwiesen an. „Der Angeklagte ist nicht in der Lage, einsichtig zu handeln. Unter Alkohol ist seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt“, stellte die Staatsanwältin fest. Auch die Merkmale des versuchten Mordes sowie einer Körperverletzung hielt sie für erfüllt. Wie von der Ärztin vorgeschlagen, beantragte sie anstelle eines Gefängnisaufenthaltes die dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Die Verteidigung schloss sich im Wesentlichen der Einschätzung der Staatsanwaltschaft an. Rechtsanwalt Carsten Dalkowski sah allerdings die Merkmale für einen versuchten Mord nicht als gegeben an.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Carsten Paul hatte keinen Zweifel an der Richtigkeit der Ermittlungen und Zeugenaussagen. „Die Merkmale des versuchten Mordes sind erfüllt. Sie haben allerdings für das Urteil keine Bedeutung. Eine Aussetzung zur Bewährung kam für das Gericht keinesfalls in Betracht. Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt war unbedingt anzuordnen“, stellte Richter Dr. Paul in seiner Urteilsbegründung fest.

Da alle Beteiligte Rechtsmittelverzicht erklärten, erlangte das Urteil sofort Rechtskraft.

Ein Leben in Freiheit wird es auf unbestimmte Zeit für den zu einer dauerhaften Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilten Angeklagten nicht mehr geben.

von Alfons Wieber

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