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Ostkreis Angeklagter fährt schwarz zum Schwarzfahrer-Prozess
Landkreis Ostkreis Angeklagter fährt schwarz zum Schwarzfahrer-Prozess
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18:52 19.12.2013
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Stadtallendorf

In dem Prozess ging es um Leistungserschleichung, wie die Juristen Schwarzfahren nennen. Und zu seiner Verhandlung fuhr der inzwischen 38-Jährige - man glaubt es kaum - ohne Fahrkarte mit dem Zug. Dabei wurde er um 8.52 Uhr in Stadtallendorf erwischt.

Deshalb stand er erneut vor dem unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagenden Amtsgericht. Der ehemalige Schweißer schilderte seine desaströsen Lebensverhältnisse. Geschieden, zwei Kinder, arbeitslos, Hartz IV. Und die neue Freundin sitzt in Haft. Gleichwohl sei er an dem fraglichen Tag zahlungskräftig gewesen. Er habe aber nur einen 50-Euro-Schein gehabt, den der Fahrkartenautomat nicht annehme, rechtfertigte sich der Angeklagte.

Diese Ausrede wiederum wollte Joachim Filmer nicht gelten lassen. „Sie wissen ganz genau, dass der Automat 50-Euro-Scheine nicht annimmt und hätten das Geld in einem Geschäft wechseln müssen. Außerdem hätten Sie mit dem Geld auch eine Taxifahrt bezahlen können“, stellte der Richter fest.

Amtsanwalt Peter Heinisch, der die Anklage vertrat, sprach von einem dreisten Vorgehen und mit Blick auf das üppige Vorstrafenregister des Mannes von einem Fall für eine Freiheitsstrafe. Der Angeklagte war bereits neunmal verurteilt worden: Zweimal wegen Diebstahls und dreimal wegen Drogendelikten. Für diese verbüßte er zwei lange Haftstrafen, zuletzt ab 2005 zweieinhalb Jahre. Danach trat er viermal als Schwarzfahrer in Erscheinung. Und das so massiv, dass er eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen à 10 Euro erhielt. „120 Tagessätze sind eigentlich die letzte Vorstufe vor einer Freiheitsstrafe“, erklärte Richter Filmer. Gleichwohl sei der Angeklagte am 12. März noch einmal mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 10 Euro davongekommen.

Allein weil der Angeklagte die jetzt verhandelte Tat unmittelbar vor der jüngsten Verurteilung begangen hatte, hielt Peter Heinisch noch einmal eine Geldstrafe für vertretbar. Er beantragte eine Verurteilung wegen Leistungserschleichung zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen à 10 Euro.

Diesem Antrag folgte das Gericht, wobei Joachim Filmer das Strafmaß als „vorweihnachtlichen Gnadenakt“ wertete. „Ich sperre ungern Leute wegen Leistungserschleichung oder Ladendiebstahls ein, aber beim nächsten Mal sind sie dran“, versicherte der Richter.

Das Urteil erlangte durch Rechtsmittelverzicht sofort Rechtskraft.

Ein weiterer notorischer Schwarzfahrer zog es vor, zu seiner Verhandlung nicht zu erscheinen. Der junge Stadtallendorfer war abgetaucht und hatte sich so der vom Gericht vorsorglich angeordneten polizeilichen Vorführung entzogen.

Verhandelt wurde trotzdem, weil Rechtsanwalt Ralf Luthe als Pflichtverteidiger seines Mandanten erschienen war. Und was bei dieser Verhandlung rauskam, sprach nicht für den einschlägig vorbestraften Bewährungsversager.

Abwesenheit schütztvor Strafe nicht

Kontakt zu seinem Verteidiger? Fehlanzeige. Kontakt zur Gerichtshilfe: Nur auf Druck. Zum Abschlussgespräch nicht erschienen. Urteil der Bewährunsghelfer: Beratungsresistent, neuerliche Betreuung nicht sinnvoll. Angeklagt: 11 Schwarzfahrten, sowie laut einer taufrischen Anklage, die mit Zustimmung der Verteidigung mit der ersten Anklage verbunden wurde, acht weitere Schwarzfahrten. Peter Heinisch reichte das, um einen Haftbefehl ins Gespräch zu bringen.

Dem stand jedoch die vorweihnachtliche Mildes des Gerichts im Wege. Auf Antrag der Anklage verurteilte das Gericht den Abwesenden mit einem Strafbefehl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Monaten, deren Verbüßung es zur Bewährung aussetzte. Bewährunsauflage: 100 Arbeitsstunden nach Weisung der Gerichtshilfe.

von Matthias Mayer

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