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Ostkreis Amöneburgs Museum soll moderner werden
Landkreis Ostkreis Amöneburgs Museum soll moderner werden
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00:19 10.09.2018
Antje Pöschl (rechts) und Dr. Astrid Wetzel hätten gerne ein moderneres Museum und bessere Möglichkeiten, um Exponate wie den bronzenen Wendel- und die Armringe oder die Graburne aus der späten Bronzezeit zu präsentieren. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Der Wunsch nach einer Modernisierung des Amöneburger Stadtmuseums ist nichts Neues. In den 1990er Jahren kam er schon einmal auf. 2011 unternahm die Stadt dann einen neuen Anlauf: Damals gab es die utopische Idee, das Gebäude durch Eigenleistungen der Bürger auf Vordermann zu bringen.

Seit drei Jahren ist Antje Pöschl nun Leiterin des Museums. Gemeinsam mit Dr. Astrid Wetzel, der Leiterin des ebenfalls im Haus angesiedelten Naturschutz-Informationszentrums (Niza), hat sie in dieser Zeit einiges verändert – allerdings nur im Rahmen der Möglichkeiten, die Gebäude und Ausstattung zulassen. Nun möchten die beiden Frauen einen Schritt weitergehen und eine moderne Einrichtung aus dem Stadtmuseum machen. Ein Wunsch, mit dem sie nicht alleine stehen – wobei das liebe Geld einmal mehr ein Hindernis sein dürfte.

Die Mitglieder im Ausschuss nahmen Pöschls Bericht und ihre Wünsche lediglich „zur Kenntnis“. Winfried Kaul (SPD) hatte angeregt, den Magistrat mit der Erstellung eines Finanzplans zu beauftragen. Ein Vorschlag, der zwar zustimmendes Nicken erntete, sich aber letztendlich nicht durchsetzte.

Mit 300.000 Euro hatte die Stadt vor sieben Jahren gerechnet. Dieses Mal präsentierte Pöschl erst gar keine Kostenschätzungen. Sie erklärte nur, was aus ihrer und Wetzels Sicht dringend notwendig sei.

Ein großes Problem ist die fehlende Heizung. Das Museum ist nur zwischen Mai und September geöffnet, da es ansonsten im Gebäude zu kalt ist. Zwar gibt es einige Radiatoren, doch diese spenden nicht ausreichend Wärme – fressen dafür aber jede Menge Strom. „Die Kosten alleine fürs Überwintern sind nicht ohne“, warf Kaul ein und ergänzte, dass die niedrigen Temperaturen auch für die Exponate nicht förderlich seien. Doch das ist noch lange nicht Pöschls einzige Sorge.

Ein Depot für Exponate – gibt es nicht. Platz für Sonderausstellungen – gibt es nicht. Ausreichend Raum für ein museumspädagogisches Programm oder Vorträge mit mehr als einer handvoll Zuschauern – gibt es nicht. Zeitgemäße Toiletten – gibt es nicht. Die Sanitäranlage besteht aus einem kleinen Raum mit einer Toilette. Und auch der Rest ist, gelinde gesagt, alt und überholt. Selbst der einzige Fluchtweg aus den beiden Obergeschossen ist aufgrund des begrenzten Platzes nur schwer zu nutzen.

Ein Büro – gibt es zwar, ist aber klein und vollgestopft mit möglichen Exponaten. „Es wird Zeit für frischen Wind“, sagt Pöschl und wünscht sich beispielsweise neue Vitrinen und moderne Medien – und zwar am liebsten sowohl für das Museum als auch das Niza, die ohnehin Hand in Hand arbeiten und noch weiter zusammenwachsen wollen.

In Sachen Modernisierung der Ausstellung stellt Pöschl heraus, dass der Hessische Museumsverband finanzielle Unterstützung von bis zu 100.000 Euro leisten und auch als Berater fungieren (oder für Beratungskosten aufkommen) würde. Geld für den Umbau beziehungsweise die Sanierung des Gebäudes würde der Verband nicht zur Verfügung stellen.

Die Leiterin spricht sich schließlich nicht nur für den Einbau einer Heizung aus, sondern auch für den Teilausbau der angrenzenden Scheune: „Dass wir sie nicht komplett nutzen können, ist mir schon klar – aber der untere Bereich ließe sich beispielsweise barrierefrei gestalten, man könnte Sanitäranlagen einbauen und den Raum auch als Sitzungssaal nutzen, der in der Kernstadt fehlt.“ Eine weitere Überlegung ist, eine Touristeninformation im Museum unterzubringen und somit auch unter der Woche Öffnungszeiten anzubieten.

Bisher können sich Interessierte im Rathaus den Schlüssel holen und die Ausstellung auf eigene Faust erkunden. Ein kleiner Wunsch in diesem Zusammenhang ist, im Museum WLAN einzurichten.

„Wir müssten ein Rahmenkonzept erstellen. Die Detailplanung würde später folgen“, resümierte Pöschl während der Bauausschusssitzung. Ihre Hoffnung ist, bis 2021 zumindest einen Teilausbau zu erreichen – wobei Bürgermeister Michael Plettenberg einwarf, dass es im Gebäude Stoffe gebe, „die man hier nicht haben will“. Mehr Details teilte er nicht mit, verwies aber darauf, dass zu prüfen sei, was noch zu tun ist.

Ausschussleiter Rainer Schick regte noch an, den Museumsausbau gegebenenfalls über den kommunalen Entwicklungsfonds zu realisieren – wobei es natürlich immer noch die Überlegung gibt, dem Niza ein Gebäude auf dem Atmen-Gelände zu schaffen. Wobei Wetzel und Pöschl den zentralen Standort in der Innenstadt derzeit bevorzugen.

von Florian Lerchbacher

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