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Amöneburger setzen auf Hilfsbereitschaft

Bürgerhilfe Amöneburger setzen auf Hilfsbereitschaft

Das Engagement von Mardorfs Bürgerverein ist groß. Nun wollen die Mitglieder ihr Wirkungsfeld ausweiten und eine "Bürgerhilfe" auf die Beine stellen, um Menschen den Alltag zu erleichtern.

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Peter Fischer (von links), Hildegard Kräling, Elisabeth Rhiel-Stempfle und Barbara Benner bilden die Arbeitsgruppe Bürgerhilfe. Walter Wachtel (Roßdorf) und Brigitte Krauskopf (Amöneburg) finden das Projekt, an dem auch Michael Richter-Plettenberg mitwirk

Mardorf. Oftmals sind es alltägliche Aufgaben, die Senioren nicht mehr erledigen können. Daraus resultiert, dass sie ihre Selbständigkeit aufgeben und ins Altersheim ziehen müssen. „Wenn es ein entsprechendes Angebot geben würde, hätten diese Menschen ihre Heimat nicht verlassen müssen“, sagt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg.

Und genau an dieser Stelle wollen die Mitglieder des Bürgervereins „Leben und Altwerden in Mardorf und Umgebung“ ansetzen - wobei Mardorf nur die Keimzelle der Initiative ist, die Bürgerhilfe soll es in der gesamten Gemeinde geben.

Ziel ist es, Helfer zu finden, die „niederschwellige Aufgaben“ für ihre Mitmenschen erledigen - „Dienste, die Pflegedienste nicht anbieten“, hebt Peter Fischer hervor, der den Arbeitskreis „Bürgerhilfe“ leitet. Die Freiwilligen, die für ihr Engagement eine „Aufwandsentschädigung“ erhalten, sollen zum Beispiel Menschen besuchen oder begleiten, sie im Alltag unterstützen oder schlicht das Gefühl vermitteln, dass die Hilfsbedürftigen in ihrer Heimat noch gut aufgehoben sind.

Geplant ist, das Leistungsangebot in kostenfreie „Hilfs- und Betreuungsangebote“ und „verlässliche Dienstleistungen“ zu unterteilen. Die „individuellen Hilfen“ umfassen zum Beispiel die Begleitung auf Spaziergängen oder auf Fahrten, das Spielen, das Vorlesen, die Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen oder das gemeinsame Gedächtnistraining. Zu den „verlässlichen Dienstleistungen“ gehört zum Beispiel die stundenweise Entlastung von pflegenden Angehörigen, die Hilfe beim Aufstehen oder Zubettgehen, das Kochen von Mahlzeiten oder die Unterstützung im Haushalt. „Die individuellen Hilfen bieten wir an, wenn Zeit ist. Die ,verlässlichen Dienstleistungen‘ sind Aufgaben, die wir verbindlich erfüllen - zum Beispiel, wenn Angehörige im Urlaub sind“, erklärt Hildegard Kräling.

„Die Bürgerhilfe versteht sich als Kooperationspartner bestehender Dienste, Einrichtungen, Vereine oder Geschäfte. Sie möchte das vorhandene Unterstützungs- und Pflegeangebot durch ergänzende niedrigschwellige Alltagshilfe komplettieren und einen Beitrag zu deren Vernetzung leisten“, sagt Fischer und ergänzt, zwischen Bürgerhilfe und Sozialstationen müsse auch ein Austausch stattfinden, vornehmlich zu Bedürfnissen der Senioren oder zu Defiziten, die bei der Betreuung aufgefallen sind.

Die Vorbereitungen für das Großprojekt laufen bereits seit Monaten. Unter anderem hatte sich eine Gruppe in Eichstetten am Kaiserstuhl über die dortige Bürgerhilfe informiert. Dort läuft das Projekt bereits seit 15 Jahren - und funktioniert bestens, wie Richter-Plettenberg betont. Wichtig sei, dass die Helfer eine „Aufwandsentschädigung“ bekommen: „Das Konzept funktioniert. Wir müssen es nur auf uns zuschneiden.“

Ein ebenfalls wichtiger Faktor in der Planungszeit war Ruth Schlichting, die Leiterin der Stabstelle Altenhilfe des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Ziel der Bürgerhilfe Amöneburg ist nun vorerst, einen Helferpool aufzustellen. Ab Anfang 2013 sollen die Freiwilligen dann ausrücken, um ihre hilfsbedürftigen Mitbürger bei den kleinen Aufgaben des Alltags zu unterstützen. „Wir zielen ganz klar auf Menschen ab, die gerade aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, aber nicht auf der faulen Haut liegen wollen - die topfitten Bürger in den 60ern, in denen ein hohes Potenzial steckt“, gibt Richter-Plettenberg als Zielgruppe an und fügt hinzu: Nach dem Motto: Heute brauchen wir Sie, morgen brauchen Sie uns.“

Genauso willkommen seien aber alle zwischen 18 und 80 Jahren, die eine zusätzliche Beschäftigung suchen oder schlicht Zeit haben, ergänzt Fischer. Für kleinere Aufgaben eigneten sich auch Jugendliche, die in das Projekt hineinschnuppern wollen.

Freiwillige, die sich beteiligen wollen, bekommen eine kostenlose Schulung, zu der ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Ernährungskurs gehören. Am Ende steht eine „Anerkennung“ als Alltagshelfer.

Der Arbeitskreis stellt das Projekt Bürgerhilfe am Donnerstag um 19 Uhr im Bürgerhaus Mardorf vor. Die Mitglieder hoffen, dass möglichst viele Interessierte kommen und sich informieren lassen.

von Florian Lerchbacher

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