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Ostkreis Amöneburger feiern den Friedensschluss
Landkreis Ostkreis Amöneburger feiern den Friedensschluss
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06:17 13.05.2012
Thomas Kleinschmidt (von rechts), Petra Krohn, Winfried Kaul, Carmen Kliem, Katharina Weber, Michael Richter-Plettenberg und Ulrich Schulist stellten am Friedensstein das Programm für das Festwochenende vor. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

Es wird historisch, informativ, bunt, abwechslungsreich und lecker: Unter Federführung des Verkehrsvereins haben sich die Amöneburger so einiges einfallen lassen, um Ende September ein Wochenende lang „250 Jahre Friedensschluss im Brücker Wirtshaus“ zu feiern.

Der Verein „Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte“ entsendet 30 Mitglieder, die sich als Soldaten aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges verkleiden und mit einem Biwak in der Schlossruine und Einlagen rund um die Veranstaltungen ihre Zuschauer in die alten Zeiten versetzen wollen. Zum Festakt am Friedensstein unter dem Motto „Europäische Verständigung nach dem Siebenjährigen Krieg“ spricht Prof. Dr. Siegried Becker vom Fachbereich Europäische Ethnologie der Uni Marburg. Anschließend führen die Amöneburger Komödianten unter Leitung von Stefan Völker und Ingrid Hintze das von Dr. Alfred Schneider geschriebene Stück „Friedensschluss im Brücker Wirtshaus“ auf. Zu den Zuschauern zählt dann zumindest schon einmal der französische Konsul aus Frankfurt - aus England kam bisher keine Reaktion auf die Einladung.

Anschließend verlegt die Festgesellschaft in die Brücker Mühle, wo gleichzeitig „300 Jahre Friedrich der Große“ gefeiert werden. Dort klingt der Abend mit einem Dämmerschoppen und einem Tabakskollegium - einer Art historischen Raucherclubs - aus.

Am Samstag, 22. September, exerzieren und paradieren die Soldaten über den Marktplatz. Abends heißt es „Tafeln wie zu Friedrichs Zeiten“. Die Gastronome stellen auf der unteren Marktgasse eine festlich gedeckte Tafel auf und bieten Speisen nach Rezepten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts - das Café Kliem sorgt für Süßspeisen, die Gaststätte Weber für einen Hauptgang in Richtung Tafelspitz mit Kapernsoße, der Dombäcker bietet einen rustikalen und einen französisch angehauchten Gang an. In einer Pause tritt wieder die Theatergruppe auf. Für Musik sorgt die dreiköpfige Gruppe „Questwind“, die historisch gekleidet auf alten Instrumenten spielt.

Am Sonntag untermalen die Fahnenabordnungen der Vereine einen Gottesdienst in der Stiftskirche. Danach geht es auf den Marktplatz, wo wieder die Soldaten für Unterhaltung sorgen.

Mittags findet das Programm an der Brücker Mühle seine Fortsetzung, wo wieder eine lange Tafel steht: Dort sorgen die Mühlenbetreiber für Speisen, die an die damalige militärische Verpflegung erinnern, also eher deftig ausfallen. Im Brücker Wirtshaus tritt wieder die Theatergruppe auf. In der Mühle liest Erich Damm aus Schweinsberg aus seinem Roman „Die Prophezeiung des Meisters“, in dem die Schlacht thematisiert wird und dessen Handlung in der Umgebung von Amöneburg spielt. Für Musik sorgt wieder „Questwind“.

Anmeldungen für die Tafeln nimmt Winfried Kaul entgegen, Telefon 06422/2571.

Historischer Hintergrund

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) kämpfte Preußen gegen Österreich, Russland und Frankreich. Unterstützung erhielt das Königreich aus Hannover, Braunschweig, Hessen und England.

Die Schlachten tobten vielerorts auf der Welt. Die Franzosen strebten im Kampf gegen England die Vorherrschaft in Amerika an, entsprechend wollten sie in Deutschland das zu England gehörende Königreich Hannover besetzen.

Auf ihrem Weg nach Norden mussten die Franzosen die Ohm überqueren, über die nur eine aus Stein gebaute Brücke führte: jene am Brücker Wirtshaus. 14 Stunden dauerte das Gefecht am 21. September 1762 – die Franzosen erzielten keinen Durchbruch und gerieten auch in Amerika auf die Verliererstraße.

In Fontainebleau schlossen England und Frankreich einen Vorfrieden, der unter anderem am 15. November 1762 im Wirtshaus in einem Waffenstillstand resultierte. In den Kriegskassen war noch Geld, so dass sich beide Parteien entschlossen, das Wirtshaus auf ihre Kosten wieder aufbauen zu lassen und ein Andenken an die Schlacht zu errichten: Den Friedensstein, der im Frühsommer 1767 aufgestellt wurde.

von Florian Lerchbacher

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