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Amöneburger Experte bangt um die Ohmbrücke

Denkmalschutz Amöneburger Experte bangt um die Ohmbrücke

Die Ohmbrücke an der Brücker Mühle hat viel erlebt und viel ausgehalten. „Jetzt ist sie aber in Gefahr“, sagt OP-Leser Manfred Weyhmann und fürchtet um die Zukunft des Kulturdenkmals.

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Amöneburg. Die Sorge ist nicht neu: Mehrfach schon hatten Fraktionen und Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins bei Michael Richter-Plettenberg angefragt, ob eine Sperrung der Ohmbrücke für den Verkehr möglich sei. Dem Bürgermeister Amöneburgs blieb nichts anderes übrig, als gebetsmühlenartig auf die Zuständigkeit des Kreises hinzuweisen.

Mit konkreten Hinweisen trat nun Manfred Weyhmann an diese Zeitung heran, um seine Sorgen zu äußern. „Alle Kriege konnten ihr nichts anhaben“, sagte er über das Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert und verweist darauf, dass amerikanische Panzer über sie rollten oder tausende Tonnen Basalt von Niederofleiden über sie nach Berlin transportiert wurden. „Die Brücke ist unmittelbar mit dem Stadtbild verbunden. Jetzt aber ist sie in Gefahr.“

„Die Brüstungssteine werden nach außen gedrückt. Das kommt daher, dass die Auffüllung über dem Gewölbe unter dem Schwerverkehr Horizontaldruck auf die Brüstungssteine ausübt. Zudem erkannt man Risse entlang des Gewölbes. Auf der Innenseite bröckelt die Verfugung, die nur oberflächlich aufgespachtelt wurde, und einzelne Steine sind schon herausgebrochen. Die gepflasterte Fahrbahn ist uneben, sodass durch den Fahrzeugverkehr Schwingungen erzeugt werden, die den Verbund der Steine lockern. Schon vom Ufer aus erkennt man, dass sich einzelne Kämpfersteine herauslösen und dass die Verbindung zum Fundament nicht mehr überall kraftschlüssig ist.“ So lautet die Analyse Weyhmanns, der vom Fach ist: In Berlin baute der Ingenieur einst selber Brücken. Nun kommt er zu dem Schluss: „Wenn dieser Prozess fortschreitet, ist die Standsicherheit gefährdet. All dies zeigt, dass die bisherigen Sanierungen unsachgemäß durchgeführt wurden“, kritisiert er und hofft, dass der Verkehrsverein eine Fotodokumentation der Schäden beim Denkmalschutz einreicht.

Für ihn gibt es nur eine Lösung: Den Schwerverkehr von der Brücke verbannen. Lastwagen müssten dann eben den wenige hundert Meter entfernten Abzweig nutzen - wo das Land Hessen natürlich noch eine Abbiegerspur aus Richtung Rüdigheim kommend einrichten müsste. „Die Hoffnung, dass etwas geschieht, sollte man nicht aufgeben“, fasst der Amöneburger zusammen.

Allerdings stehen die Chancen, dass die Wünsche Weyhmanns nach einer Sperrung für den Schwerverkehr in Erfüllung gehen, schlecht. Der Landkreis greife bei Fragen zur Brücke auf Experten zurück, die bei Hessen Mobil sitzen, erklärt Sprecher Dr. Markus Morr und betont: „Die Brücke an der Brücker Mühle wird - wie alle Brücken im Landkreis - nach drei Jahren einer einfachen Prüfung und nach sechs Jahren einer Hauptuntersuchung unterzogen. Im Jahr 2008 erfolgte eine Hauptprüfung und im Jahr 2011 eine einfache Prüfung. Dabei wurde ein guter Zustand der Brücke festgestellt.“

In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass die Brücke innen stabilisiert wurde: „Im Rahmen einer umfangreichen Sanierung der Brücke im Jahr 1984 wurde sie durch zusätzliche Betonbögen verstärkt, sodass das sichtbare Mauerwerk kaum noch eine tragende Funktion hat. Derzeit wird die Stand- und Verkehrssicherheit der Brücke als nicht gefährdet eingestuft.“ Sollte es jedoch Anhaltspunkte geben, dass sich am Zustand der Brücke etwas geändert habe, werde der Kreis die Brücke natürlich auch fernab des Drei-Jahres-Turnus einer Prüfung unterziehen.

Am kommenden Freitag finden in unmittelbarer Nähe zur Brücke die Feierlichkeiten anlässlich des Friedensschlusses im Brücker Wirtshaus vor 250 Jahren statt. Schon morgens wird sich Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg mit den Örtlichkeiten befassen: Im Kreistag habe dieser zufällig auch gerade eine Anfrage zur Brücke gestellt, berichtet Morr - einen Einblick in die Antwort will er aber noch nicht geben.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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