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Amöneburg investiert Millionenbetrag

Wasserversorgung Amöneburg investiert Millionenbetrag

Rund zwei Millionen Euro wird die Stadt bis zum Jahr 2021 in die Wasserversorgung der Kernstadt gesteckt haben. Dann sollten aber auch alle Mängel beseitigt sein.

Diese Grafik gibt einen Überblick über das Gesamtprojekt und den Zeitplan.

Quelle: Kolmer & Fischer

Amöneburg. „Wir stellen das Rückgrat der Wasserversorgung auf neue Füße“, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg über das Millionenprojekt, in dessen Umsetzung die Stadt Amöneburg sich bereits befindet. 600000 Euro hat sie in den vergangenen Jahren bereits in die Erneuerung der Steigleitung von der Wilhelm-Schick-Straße bis zum Brücker Tor und in Vorarbeiten für den weiteren Verlauf investiert.

Bis zum Jahr 2021 muss sie allerdings weitere 1,4 Millionen Euro berappen, um sämtliche Probleme zu beheben: angefangen bei der maroden Druckleitung vom Pumpwerk in der Kesselgasse bis zum Hochbehälter über den sanierungsbedürftigen Zustand des Hochbehälters in der Burgruine an sich bis zu den unzureichenden Druckverhältnissen des Wasserleitungssystems. Noch dazu ist die Löschwasserversorgung bisher eigentlich unzureichend (die OP berichtete mehrfach).

Experte: "Ein äußerst komplexes System"

„160 Meter Höhenunterschied auf einer kleinen Fläche und daraus resultierenden verschiedenen Druckzonen - das ist nicht ohne“, kommentiert Plettenberg und bekommt Bestätigung vom Experten: „Die Amöneburger Wasserversorgung ist ein äußerst komplexes System“, sagt Andreas Löffert von der Planungsgesellschaft „Kolmer & Fischer bR“, die sich seit dem Jahr 2015 mit dem Projekt beschäftigt. Ausgangspunkt waren erhebliche Wasserverluste an der Steigleitung gewesen - daraus ergab sich, dass ein Blick auf das Gesamtkonzept notwendig ist.

Mehrfach berieten die Stadtverordneten in der Folge das Thema, wälzten die fünf vorgeschlagenen Varianten hin und her und holten sich schließlich Rat von Prof. Dr. Ing. Ralf Mehler von der Hochschule Darmstadt - einem weiteren Experten. Dieser präferierte eine Lösung mit zahlreichen Pumpen, die zwar bei den Baukosten vergleichsweise günstig, bei der Unterhaltung aber letztlich den Amöneburgern zu aufwändig und teuer war. So entschieden sich die Stadtverordneten nun doch für eine von Löffert vorgeschlagene Variante, in der sie den alten Hochbehälter sanieren und mit einer nachgeschalteten Druckerhöhungsanlage ergänzen lassen.

Zudem kommt an den Anfang der Haingasse auf eine städtische Parzelle ein weiterer Hochbehälter, in den 350 Kubikmeter Wasser (inklusive Löschwasserreserve) für die Versorgung der sogenannten Mittel- und Tiefzone passen - zudem fungiert er quasi als Transportüberbrückung auf dem Weg zur Spitze des Berges. „Die Notwendigkeit von Pumpanlagen und Druckerhöhungsanlagen für die Hoch- und Mittelzone sowie eine Druckminderstation für die Tiefzone bleibt aber bestehen“, betont Löffert.

2019 gibt es einen neuen Hochbehälter - ab sofort Wasser teurer

Im Jahr 2018 steht zunächst die Erneuerung von Wasserleitungen und der Einbau weiterer Pumpen auf dem Programm. Für das Jahr 2019 ist dann der Bau des neuen Hochbehälters vorgesehen, von dem, wie Plettenberg hervorhebt, nur das Eingangsportal sichtbar sein soll - der Rest wird mit Erde bedeckt. Über ihn läuft dann im Jahr 2020 auch die Versorgung der Hochzone, denn dann muss die Stadt den Hochbehälter in der Ruine sanieren. Ob das mit einer Kunststoffverkleidung und Edelstahlelementen oder in einer zementgebundenen Variante erfolgt, lasse sich erst sagen, wenn die Wasserkammer leer ist, erläutert Löffert: „Erst dann kann man die Zugfestigkeit der Wände erkennen.“ Früher sei dies nicht möglich, da der Hochbehälter nur aus einer Kammer besteht, ergänzt er. Nach der Sanierung werden es zwei sein, sodass bei einer Reinigung oder Inspektion jeweils nur eine Hälfte vom Netz genommen werden kann.

Des Weiteren werden 2020 ein Pumpwerk zur Druckerhöhung in der Hochzone gebaut und weitere Leitungen erneuert, ehe 2021 dem Ringschluss einiger Leitungen in der Unterzone das Gesamtprojekt „Wasserversorgung“ zum Abschluss kommt. „Das ist wichtig für die Versorgungssicherheit und die Daseinesvorsorge“, sagt Plettenberg - auch mit Blick auf die Löschwasserversorgung, die dann auch in Extremfällen gesichert ist. Allerdings geht mit dem Millionenprojekt auch die Wasserpreiserhöhung einher, die die Stadtverordneten zum 1. Januar beschlossen hatten.

Gegebenenfalls wird in einigen Privathäusern durch den erhöhten Druck in Zukunft der Einbau von Druckmindergeräten notwendig - darüber wollen Stadt und Fachbüro dann jedoch in Bürgerversammlungen explizit informieren.

von Florian Lerchbacher

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