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Altlasten beschäftigen Bund noch Jahre

Altlastensanierung Altlasten beschäftigen Bund noch Jahre

Einzelne Rüstungsaltlasten hat der Bund im Laufe der Jahre auf dem früheren Wasag-Gelände saniert. Doch der Handlungsbedarf bleibt groß.

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Diese Foto zeigt ein sogenanntes Laborierungsgebäude des Werks Herrenwald der Wasag. Das Gebäude wurde zum Schutz vor Fliegerangriffen getarnt.Archivfotos

Stadtallendorf. Der Bund steht unter Zugzwang: Er muss die giftigen Hinterlassenschaften der Sprengstoff- und Munitionsfabrikation der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff Aktiengesellschaft (Wasag) auf seinen Flächen sanieren. Großflächige Erkundungen gab es schon im Jahr 2003. Das Grundwassernetz im Wasag-Gebiet lässt der Bund in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Gießen nach eigenen Angaben überwachen.

Bei der Truppe steht der Standortübungsplatz im Fokus. Das hebt auch der Standortälteste Brigadegeneral Volker Bescht auf Anfrage dieser Zeitung hervor. „Der größte Handlungsbedarf besteht aus Sicht der Soldaten beim Standortübungsplatz“, sagt Bescht. Derzeit werde ein Konzept erarbeitet, nach dem in den nächsten Jahren ein erheblicher Geldbetrag sowohl in die Sanierung des Standortübungsplatzes, als auch des Wasag-Restgeländes fließen solle. Der Standortübungsplatz gehört nicht zum früheren Werksgelände, diente aber nach dem Zweiten Weltkrieg als „Munititonsmüllhalde“ für Alliierte wie Deutsche. Schätzungen aus den fünfziger Jahren gehen von bis zu 30000 Tonnen dort entsorgter und weitgehend verbrannter Munition aus.

Aktuell kann die Bundeswehr die befestigten Fahrbahnen des Standortübungsgeländes nutzen, mehr allerdings nicht. Das Gelände des früheren „Werks Herrenwald, der „Wasag“, umfasst rund 400 Hektar. Etwa die Hälfte davon ist Fläche, die von der Bundeswehr genutzt wird. Beim Begriff Rüstungsaltlasten geht es auch bei den Wasag-Flächen um zweierlei: um Munitionsreste wie auch um chemische Rückstände bis hin zu Sprengstoffresten im Boden.

Sechs Millionen Eurosind schon ausgegeben

Das frühere Werksgelände der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG) ließ seinerzeit das Land für einen dreistelligen Millionenbetrag sanieren. Wie viel Geld der Bund als Inhaber wie auch Nutzer der Flächen noch investieren muss, um das militärische Wasag-Gelände altlastenfrei zu bekommen, vermag die Wehrbereichsverwaltung West noch nicht zu beziffern. Bis zur Gegenwart hat der Bund sechs Millionen Euro für Erkundungen und Sanierungen von Rüstungsaltlasten ausgegeben.

Die Wehrbereichsverwaltung wie auch das Regierungspräsidium Gießen als Aufsichtsbehörde in Sachen Bodenverunreinigungen verweisen auf das von General Bescht erwähnte Gesamtkonzept für Rüstungsaltlasten.

Von der Wehrbereichsverwaltung kommt ein klares Bekenntnis zur Sanierung der weiteren Rüstungsaltlasten auf Bundesgelände - allerdings immer mit Blick auf die zukünftige Nutzung. Das Gesamtkonzept soll nunmehr bis Mitte nächsten Jahres vorliegen. Dann wird auch der Sanierungszeitplan klar sein.

An einigen Punkten auf dem Bundeswehrgelände hat der Bund auch bereits saniert. So erwähnt das Regierungspräsidium Gießen das Gelände rund um die frühere Panzerwaschanlage. Und auch bei der Standortschießanlage soll laut Wehrbereichsverwaltung eine Rüstungsaltlast beseitigt worden sein. Der Bund saniert zurzeit die Schießanlage am alten Standort. Im Wasag-Gelände, mitten im abgesperrten Bundeswehrareal, muss beispielsweise rund um eine Füllstelle saniert werden. Jene Füllstelle I war die erste, die das Werk Herrenwald Ende 1939 in Betrieb nahm. Vorher will der Bund allerdings seine Grundwassermessungen ausbauen.

Klar ist, dass ähnlich wie bei der DAG auch bei der Wasag das rund fünf Kilometer lange Kanalnetz untersucht und gegebenenfalls „gesäubert“ werden muss.

Auf dem Gelände der Hessenkaserne befindet sich ein früherer Brandplatz. Dort wurden nach Kriegsende Munition und Sprengstoffreste verbrannt. Erste Bodenuntersuchungen hätten höhere Belastungen in zwei bis drei Metern Tiefe ergeben.Rund um frühere Lagerbunker, die 1948 gesprengt wurden, soll es noch weitere Untersuchungen geben.

In den beiden Kasernen gebe es durch Rüstungsaltlasten glücklicherweise keine Einschränkungen, äußert auch der Standortälteste Brigadegeneral Bescht.

von Michael Rinde

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