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Ostkreis Altes Haus vor ungewisser Zukunft
Landkreis Ostkreis Altes Haus vor ungewisser Zukunft
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19:44 12.01.2010
Das „alte Amtsgericht“ stammt aus dem Jahr 1608. Ob es eine Zukunft hat, lässt sich nicht vorhersagen. Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Experten des Instituts für Bauforschung und Dokumentation untersuchen im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege in Marburg die Historie des „alten Amtsgerichts“. Für viele Kirchhainer ist das äußerlich heruntergekommene Gebäude an der Ecke der Borngasse ein „Schandfleck“, besonders, nachdem gleich gegenüber ein Einkaufszentrum entstanden ist. Aus historischer Sicht hat das „alte Amtsgericht“ dagegen erheblichen Wert. Es war unter anderem Burgmannensitz und von 1850 bis zur Jahrhundertwende Gerichtsgebäude. Das Haus stammt nach den Forschungen der Marbuger Experten aus dem Jahr 1608 (die OP berichtete).

Seit Jahren ist klar, dass eine Sanierung des Hauses nur mit hohen Zuschüssen möglich wäre. In der jüngsten Vergangenheit, seit dem Eigentümerwechsel, hatte sich auch die Stadt KIrchhain vehement um Gelder bemüht. Zum Jahresende erklärte die Firma Schoofs Immobilien, dass sie keine Möglichkeit mehr sieht, genügend öffentliche Gelder für eine Sanierung zusammenbekommen wird. Deshalb will das Unternehmen voraussichtlich in diesem Jahr einen Abrissantrag stellen. Eine weitergehende Stellungnahme, was dann mit der Fläche passieren soll, war vom Unternehmen bisher nicht zu erhalten.

Käme es zu einem weiteren Abrissantrag, dann wäre es wohl mittlerweile der dritte. In den 70-er Jahren hatte gar schon einmal eine Abrissgenehmigung für das Haus gegeben, diedann allerdings wieder verfiel. Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) „ist gespannt, wie es dort weitergehen wird.“ Bisher hat die Stadt die Linie verfolgt, das Gebäude zu erhalten. Doch jetzt werde wohl umgedacht werden müssen, sagt Kirchner.

Theoretisch ließe der gültige Bebauungsplan auf der dortigen Fläche beinahe alles zu: Einzelhandel ebenso wie eine Wohnbebauung. „An weiteren Gewerbeflächen haben wir in Kirchhain im Moment allerdings keinen Bedarf“, schränkt Kirchner ein.

Bevor an eine Neuplanung gedacht werden könnte, müsste ein Abrissantrag aber zunächst einmal genehmigt werden. Zuständig ist letztlich die Kreisverwaltung mit ihrer Baubehörde. „Ein Abrissantrag würde in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege entschieden“, betont Dr. Markus Morr, Pressesprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage der OP. Die Genehmigung oder Ablehnung eines solchen Antrags erfolge dabei im Einvernehmen zwischen den beiden Behörden. Ganz entscheidend für ein Ja oder Nein zu einem Abrissantrag ist die wirtschaftliche Zumutbarkeit einer Sanierung. Dabei stellten die Behörden die Kosten eines Neubaues denen einer Sanierung gegenüber. „Die Differenz, die dazwischen liegt, müsste über Zuschüsse finanzierbar sein“, erläutert Markus Morr.

In der Vergangenheit war zuletzt von einer Sanierungssumme von rund 1,8 Millionen Euro die Rede und von benötigten Zuschüssen von etwa 600.000 Euro. Zuletzt hatte Schoofs Immobilien versucht, aus einem Fördertopf der EU Gelder für die Sanierung zu bekommen. Doch diese Gelder wären nur bei gewerblicher Nutzung geflossen.

Wenn ein Abrissantrag tatsächlich anstünde, dann muss auch die Stadt Kirchhain ihr Einvernehmen erteilen, ähnlich wie beim Bauantrag. „Falls eine solche Entscheidung ansteht, werden wir angesichts der Bedeutung im Magistrat darüber entscheiden“, kündigt Kirchner an. Welches Votum dabei herauskäme, will er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht vorhersagen.

von Michael Rinde

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