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Alte Wehrmauer bekommt wieder Halt

Sanierungsarbeiten Alte Wehrmauer bekommt wieder Halt

Mit viel Geschick und größter Vorsicht stemmen Bauarbeiter zentimeterdicke Fugen an der jahrhundertealten Wehrmauer der Kirche St. Katharina frei.

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Ein Bauarbeiter stemmt eine Fuge in der alten Wehrmauer frei. Foto: Karl Weitzel

Stadtallendorf. An der Hofstraße ist es deutlich zu sehen, wie dicht Mauer und Wohnhäuser beieinanderstehen. Ein Gerüst umgibt das mit Sicherheit mehrere Jahrhunderte alte und teilweise deutlich über vier Meter hohe historische Bauwerk. Mitarbeiter einer Fachfirma aus Weimar arbeiten mit Meißel und Kelle. Vor allem stemmen sie die alten Fugen aus. Zahlreiche historische Steine werden auch ganz ersetzt werden müssen.

Feuchtigkeit und Wurzelwerk haben der Mauer über Jahrzehnte zugesetzt. Zwischen dem Entfernen des Bewuchses an der Wehrmauer und dem Baubeginn sind drei Jahre vergangen, in denen die Mauer intensiv untersucht und die Arbeiten geplant worden sind, blickt Elisabeth Nasemann, Kuratorin der Kirchengemeinde St. Katharina zurück. Ein Gutachter hat den Handlungsbedarf an der südlichen Seite der Wehrmauer eindeutig festgestellt. Neben der Standfestigkeit gab ein weiteres Problem den Anstoß für die Sanierung: Teile der Mauerkrone sind von der Kirche St. Katharina aus betrachtet einfach zu niedrig. „Es besteht dort ein Unfallrisiko“, sagt Pfarrer Diethelm Vogel.

Warum die Mauerkrone an diesen Stellen nicht hoch genug ist, weiß niemand ganz genau. Die Mauer grenzt an der Seite der Kirche an den früheren Friedhof, der vor mehr als 40 Jahren aufgegeben wurde. Möglicherweise wurde seinerzeit Boden aufgeschüttet, lässt sich spekulieren. Klar ist allerdings, dass ein kleiner Teil dieses südlichen Mauerabschnitts auch schon einmal komplett einstürzte. Ein Zeitzeuge erinnert sich, dass das genau am Tag des Angriffs von Nazideutschland auf Russland geschah, am 22. Juni 1941, genau während der Zeit, als in der Kirche die Messe gelesen wurde.

Vor Jahrhunderten diente die Mauer dem Schutz der Dorfbewohner vor herumziehenden Horden. Schießscharten auch im nördlichen Mauerabschnitt belegen, dass dieses Bauwerk vor allem zu Verteidigungszwecken errichtet worden ist.

Der nördliche Mauerabschnitt gilt als unproblematisch. Dort ist keine Sanierung geplant.

Neue Steine werden mitDenkmalpflege ausgesucht

In den nächsten Wochen steht eine „Steinprobe“ an. Dann wird zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege festgelegt, welche neuen Steine aus welchem Steinbruch verwendet werden. Sie müssen den kaputten Originalen so ähnlich wie nur möglich sein. Auf einigen Metern Länge braucht das historische Gemäuer zusätzlichen Halt. „Dort werden Erdnägel verbaut, um die Standsicherheit zu gewährleisten“, erläutert Kuratorin Nasemann. Am Ende erhält der sanierte Mauerabschnitt auch eine vollständig neue Mauerkrone.

Das gesamte Projekt bedarf allerdings einiger finanzieller Kraftanstrengungen. Elisabeth Nasemann geht aktuell von einer Bausumme von 170000 Euro aus. Es gibt Zuschüsse vom Bistum Fulda wie auch vom Landesamt für Denkmalpflege.

Die kleine Kirchengemeinde St. Katharina bringt nach jetzigem Stand 50000 Euro auf. „Doch es ist jetzt schon klar, dass die Gesamtsumme am Ende höher ausfallen dürfte“, sagt Nasemann. In der Bausumme fehlen auch die Planungs- und Gutachterkosten, die die Gemeinde teilweise bereits im Vorfeld bezahlt hat. Bei der Finanzierung ihres Eigenanteils hofft die Gemeinde auf Spenden. „Wir haben uns seinerzeit gegen die Gründung eines Fördervereins, der auch geführt und verwaltet werden muss und für einen Spendenauf entschieden“, erläutert Nasemann. Und die Gemeindekasse könnte noch weitere Spenden gut gebrauchen, wie Pfarrer Vogel betont.

Wer die Gemeinde mit einer Spende für die Arbeiten an der Wehrmauer unterstützen möchte, kann sich an das Pfarramt St. Katharina, Telefon 06428/1323, wenden.

von Michael Rinde

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