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Alte Bausünden rächen sich

Stadtallendorf Alte Bausünden rächen sich

Kurz nach Einweihung des Jugendzentrums im Röntgenweg im Oktober 2005 traten die ersten Probleme mit verstopften Kanalrohren auf. Doch erst jetzt ist die Dimension der Probleme klar geworden.

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Beim Jugendzentrum im Röntgenweg mussten Teile der unterirdisch verlaufenden Kanalrohre mit großem Aufwand saniert werden. Schon 2005 gab es damit erste Probleme in Gebäudeabschnitten. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Als das Problem mit verstopften Rohren in Teilen des Jugendzentrums vor wenigen Wochen überhand nahm, gab es erstmals eine Kamerauntersuchung der Kanalrohre unter dem Gebäude im Röntgenweg. Und erst bei dieser Untersuchung offenbarte sich das Problem: Bei Kanalspülungen war bereits Kies hinausbefördert worden, die Spezialkamera entdeckte Hohlräume und Setzungen von Kanalrohren. Betroffen war der Teil, in dem die Töpferei des Jugendzentrums untergebracht ist.

Der Eigenbetrieb Dienstleistungen und Immobilien (DuI) musste gleich handeln, sollte es nicht zu einer gänzlichen Schließung des Jugendzentrums kommen. Ein Statiker und ein Ingenieurbüro nahmen ihre Arbeit auf. Schnell war klar: Die Kanalrohre mussten erneuert, die Bodenplatte dafür aufgestemmt werden. Inzwischen sind diese Arbeiten weitgehend erledigt, auch wenn die Töpferei noch geschlossen ist. Wie viel diese überraschende Reparatur kostet, ist noch nicht ganz klar. Sigrid Waldheim, Leiterin von DuI, kalkuliert aktuell mit einem Betrag von 72000 Euro. Doch die endgültige Höhe ist noch nicht klar. DuI hatte das Gebäude im Jahr 2004 von der Stadtverwaltung übernommen, also nach dem Umbau der früheren Obdachlosenunterkunft. Wie inzwischen klar ist, sind die Kanalrohre beim Umbau nicht unter die Lupe genommen wurden. Allerdings wurden zusätzliche Küchen und Toiletten an das System angeschlossen.

Erste Hinweise auf ein Problem gab es kurz nach der Eröffnung. Schon 2005 musste DuI investieren. Es gab Rohrbrüche, aufgrund der Feuchtigkeit kam es zur Schimmelbildung. In der Sitzung des Ausschusses für Grundsatzangelegenheiten und Finanzen erinnerte sich Manfred Thierau (Republikaner) daran, dass eine Prüfung des Leitungssystems bereits während der Umbauarbeiten am Gebäude angesprochen wurde.

Versicherung zahlt nur für einen Teil

Warum nichts passierte, war am Dienstagabend während der Ausschuss-Sitzung nicht zu klären. Unklar ist auch, ob die Stadt zumindest einen Teilbetrag von ihrer Gebäudeversicherung zurückerhält. „Wir bekommen nur Geld für Kanäle, die sich innerhalb des Streifenfundaments im Boden befinden, wie uns die Versicherung mitgeteilt hat“, erläuterte Waldheim. Und ein Teil des als „abenteuerlich“ eingeschätzten Kanalsystems liegt unterhalb der Fundamente.

DuI hat noch einen weiteren, teueren Problemfall kurzfristig zu bewältigen: Für die Brandmeldeanlage der Stadthalle gibt es seit 2005 keine Ersatzteile mehr. Ein Anzeigetableau, auf dem die Feuerwehr bei Alarm sieht, wo es brennt, ist komplett ausgefallen. Außerdem hat der TÜV schon 2010 Mängel am Brandschutz entdeckt. Es fehlen automatische Brandmelder bei Kabeltrassen an Flucht- und Rettungswegen im neueren Teil des Rathauses. Auch dort muss gehandelt werden. Die Brandmeldeanlage ist durch die Baugenehmigung vorgeschrieben. In der Summe erwartet DuI derzeit zusätzliche Kosten von rund 75000 Euro. Ob alle Arbeiten noch in diesem Jahr geschafft werden können, steht noch nicht fest. Winand Koch (FDP) wies im Ausschuss angesichts dieser Ereignisse, die die Stadt teuer kommen werden, noch einmal auf die Frage der Gewährleistung hin. „Eigentlich sollten solche Arbeiten wie für eine Brandmeldeanlage zumindest vom Architekten abgenommen worden sein“, betonte Koch.

von Michael Rinde

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