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Alle Jungstörche im Kreis sind gestorben

Tragödie Alle Jungstörche im Kreis sind gestorben

Trauriger geht es eigentlich kaum: Alle Störche, die in diesem Jahr im Landkreis Marburg-Biedenkopf das Licht der Welt erblickten, sind tot. Die vier Jungstörche, die in Rauischholzhausen lebten, starben während des Unwetters am 10. Juni, als der Wind ihr Nest vom Schornstein der alten Molkerei wehte.

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Ende Mai war die Welt noch in Ordnung: Die Störche waren an der Radenhäuser Lache fleißig am Brüten.

Quelle: Archivfoto

Amöneburg. Dort hatten die Störche sogar zwei Mal gebrütet: Nachdem das Männchen früher aus dem Süden zurückgekommen war und sich mit einem anderen Weibchen vergnügte, legte dieses Eier und fing an zu brüten. Dann kam das ursprüngliche Weibchen des männlichen Storches zurück – Störche nisten zumeist jahrelang auf demselben Horst – und es gab einen Kampf zwischen den beiden Weibchen, in dessen Verlauf die Eier aus dem Nest flogen (die OP berichtete). An der Radenhäuser Lache sah die Lage anders aus: Ende Mai waren sie am Brüten (die OP berichtete) – was Vogelexperte Robert Cimiotti als „ziemlich spät“ bezeichnete.

Am 16. Juni schlüpften dann mindestens zwei Jungtiere, die der heimische Vogelkundler beobachtete – das Unwetter hatte zwar die Umgebung verwüstet, das Nest blieb jedoch verschont. Es dauerte allerdings nicht lange, dann endete das hektische Treiben am Nest – ein deutliches Zeichen, dass die Tiere tot sind. Was genau geschehen ist, kann sich Cimiotti nicht erklären. Die Vermutung eines Kollegen, Nilgänse könnten die Störche getötet haben, bezweifelt er: „Die Nilgänse brüteten auf dem Mast, wurden aber später von den Störchen verscheucht. Ich beobachtete einen furchtbaren Kampf, aber danach waren die Nilgänse weg. Störche lassen sich von denen nichts gefallen.“

Eine Erklärung für den Tod der Jungtiere hat er nicht. An Nahrungsmangel könne es nicht gelegen haben. Und aufgrund der Lage des Nestes auf einem Mast sei auszuschließen, dass natürlich Feinde die Tiere getötet haben. „Den Altvögeln ist jedenfalls nichts passiert“, ergänzt er und hofft, dass sie im kommenden Jahr wiederkehren und erneut brüten. In diesem Jahr werden sie es jedenfalls nicht mehr tun, da sie sich zumeist Anfang August auf den Weg gen Süden machen. Die für Sonntag geplante Exkursion des Naturschutz-Informations-Zentrum-Amöneburg zum Storchennest fällt aufgrund der Entwicklung aus.

von Florian Lerchbacher

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