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Ostkreis Plus bei Besuchern, aber auch beim Verbrauch
Landkreis Ostkreis Plus bei Besuchern, aber auch beim Verbrauch
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07:56 04.02.2018
Der im Vergleich mit dem alten Bad gestiegene Gasverbrauch der Heizung hat einige aufhorchen lassen. Allerdings wurde das „Alldomare“ auch deutlich vergrößert. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Wie vom Parlament gefordert, haben die Stadtwerke einen ersten Rechenschaftsbericht zum sanierten Stadtallendorfer Hallenbad „Alldomare“ vorgelegt. Über die erfreulich hohen Besucherzahlen hatte es bereits im vergangenen Herbst einen Zwischenbericht gegeben. Jetzt sind die Monate Februar bis Dezember 2017 ausgewertet.

Spannend sind die ersten Angaben zu den Energieverbräuchen, wobei diese Zahlen vorläufigen Charakter besitzen. Denn die Dezemberabrechnung steht noch aus. Erst dann wollen die Stadtwerke ein erstes Fazit ziehen.

Sanierung

Das Hallenbad wurde in der Zeit von Sommer 2013 bis Februar 2017 saniert, erweitert und modernisiert. Rund 10,7 Millionen Euro wurden letztlich in dieser Zeit verbaut. Zur energetischen Sanierung gehörten Dach und Fassade, neue Heiztechnik, aber auch Doppelverglasung und neues Blockheizkraftwerk samt zwei Gasthermen.

Aber: Auffällig bei den bisher bekannten Zahlen ist der Gasverbrauch. Denn der liegt in den zehn Monaten 421.000 Kilowattstunden über dem Vergleichszeitraum 2013 – also noch beim alten Hallenbad. Das ließ am Dienstagabend manchen Stadtverordneten während der Ausschuss-Sitzung aufhorchen. Dieter Erber (CDU) hakte bei Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) nach. Der räumte ein: „Wir wissen noch nicht, wie dieser Verbrauch zustande kommt.“ Die Stadt habe das Ingenieurbüro, das die Heizungstechnik für das neue „Alldomare“ geplant habe, kontaktiert.

Darüber hinaus gibt es noch mehr Neuigkeiten bei den Verbräuchen während der ersten Monate. Beim Strom haben die Stadtwerke ein deutliches Minus zu verzeichnen, 95.440 Kilowattstunden. Doch was macht das für die Stadtwerke in Euro und Cent aus? Auf Nachfrage der OP bedeutet der gestiegene Gasverbrauch wohl Mehrausgaben von 27.000 Euro gegenüber dem Vergleichsjahr. Beim Strom haben die Stadtwerke 12.000 Euro eingespart.

Ingenieurbüro rechnet jetzt nach

Es stellt sich die Frage, worin mögliche Ursachen für den hohen Gasverbrauch bei einem energetisch sanierten Gebäude begründet liegen? Zumal die Stadt laut Bürgermeister Somogyi aufgrund der vorherigen Berechnungen der Ingenieure von anderen Zahlen ausgegangen war. Genaue Antworten vermag Betriebsleiter Giselher Pontow zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu geben. Ein technisches Problem beim Blockheizkraftwerk schließt er derzeit aus.

Besucherzahlen

Das Interesse am Hallenbad ist nach wie vor ungebrochen hoch, wie die Besucherzahlen zeigen, die die Stadtwerke dem Parlament vorlegten. Unter dem Strich bleibt zum Vergleichsjahr 2013 ein Besucherplus von 25 289. Im vergangenen Jahr kamen von Februar bis Dezember 87.717 Badegäste – eine hochgerechnete Zahl auf ein ganzes Jahr. Effektive Zahlen gibt es logischerweise nur für die tatsächlichen Betriebsmonate von März bis Dezember. Das waren effektiv 73.753. In den Besucherzahlen sind auch die Vereinsschwimmer von DLRG und Schwimmabteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf und die Schüler enthalten. Laut einer separaten Statistik der Stadtwerke muss man 14.187 von der Gesamtzahl der Badegäste abziehen.

Pontow wartet auf die Schlussabrechnungen und die Analyse des Ingenieurbüros. Im Gespräch mit der OP weist der Betriebsleiter aber darauf hin, dass das Bad nicht nur saniert, sondern auch vergrößert wurde, etwa um die Flächen für die Liegen und durch Anbauten, einschließlich eines offenen Eingangsbereichs. Hinzu kommen ein zusätzlicher Whirlpool und die Dampfsauna. Pontow mahnt im Umgang mit den Zahlen auch zur Vorsicht. „Es sind die allerersten Kennzahlen und die ersten Monate nach einer Wiedereröffnung, in denen auch noch keine Normalität herrschte“, sagt er.

Energieersparnis war neben der Modernisierung eine Triebfeder für die Stadt, ihr in die Jahre gekommenes Hallenbad von Grund auf zu sanieren. Technisch gesehen entspricht das „Alldomare“ einem Neubau, sowohl die Heizungs-, Lüftungs- und Badetechnik ist neu.

Die Stadt zahlt das Defizit für Hallen- und Freibad aus ihrem laufenden Haushalt, sprich, sie überweist den entsprechenden Betrag an den Eigenbetrieb Stadtwerke. Dieser Betrag fällt dank kaufmännischer Buchführung bei den Haushalten per se höher aus, weil nunmehr auch die Abschreibungen für das „Alldomare“ steigen. Einschließlich Abschreibungen lag der Zuschussbedarf laut Wirtschaftsplan im vergangenen Jahr bei 1,2 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sind 1,1 Millionen Euro veranschlagt.

Mit der Wiedereröffnung hatte die Stadt für das „Alldomare“ darüber hinaus eine neue Preisstruktur einschließlich Geldwertkarten eingeführt. Bei den Erwachsenen war ganz deutlich der Zwei-Stunden-Tarif der
Renner während des vergangenen Jahres. 30.774 Badegäste wählten diesen Tarif. Verschwindend gering war dagegen der Anteil der Kunden, die sich für einen Tagespass entschieden. Gerade einmal 391 wählten diese Option.

von Michael Rinde