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Ostkreis Nach Messerattacke: 34 Monaten Haftstrafe
Landkreis Ostkreis Nach Messerattacke: 34 Monaten Haftstrafe
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16:59 22.12.2018
Symbolbild: Ein Bild der Justizia, Göttin der Gerechtigkeit. Quelle: Archivbild
Stadtallendorf

Bereits am Vorabend der Messerattacke am 17. Juli dieses Jahres gab es Ärger. Die in einem Doppelzimmer untergebrachten Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien waren wegen Streitigkeiten bezüglich ihrer Religion aneinandergeraten.

Der junge Syrer, einst Moslem, war inzwischen zum Christentum konvertiert. Der hatte offenbar versucht, den Mitbewohner ebenfalls zum Glaubensübertritt zu bewegen, wovon der Afghane nichts hören wollte.
Ob es dabei zu weiteren Beleidigungen gekommen war, blieb während der Hauptverhandlung des Marburger Jugendschöffengerichts umstritten. In jedem Falle eskalierte der Streit so weit, dass die Polizei zu Hilfe gerufen wurde. Diese trennte die Streithähne. Der mit dem Tode bedrohte Syrer wurde über Nacht ausquartiert. Er übernachtete in einem anderen Zimmer der Einrichtung.

"Ich werde auch so sterben"

Am Morgen danach wollte der Geschädigte noch einige Sachen aus seinem Besitz holen und betrat das Zimmer, in dem der Afghane noch auf dem Bett lag. Dieser holte ein Messer hervor und stach dem als Nebenkläger im Prozess auftretenden Syrer in den Unterbauch.Danach ließ er, noch einige Male mit dem Messer herumfuchtelnd, von ihm ab, weil dieser nach eigenem Bekunden sagte: „Ich werde auch so sterben.“ Anders die Aussage des Angeklagten. Er habe sich bei seinem Opfer entschuldigt und habe entsprechend seine Attacken eingestellt.

Der Verletzte, der den Stich zunächst gar nicht bemerkt haben will, sei schnell davongerannt und erst vor dem Gebäude zusammengebrochen, wo er dann ärztlich versorgt wurde. Er habe danach acht Tage im Krankenhaus zubringen müssen, so die Angaben des Geschädigten.

Vorher bereits in psychotherapeutischer Behandlung, würdigte er den Angeklagten bei seiner Befragung durch den Vorsitzenden Jugendrichter Thomas Rohner keines Blickes. Er habe heute noch Angst vor dem Täter, verkündete sein Rechtsbeistand erklärend.

Die Tat selbst wurde vom Angeklagten eingeräumt. Unstimmigkeiten gab es bei der Schreibweise, beziehungsweise beim Namen des Angeklagten, an dem eine Behörde schuld sein sollte. Das ist keine Seltenheit. Unterschiedliche deutsche Schreibweisen für Verfahrensbeteiligte aus dem arabischen Sprachraum gibt es immer wieder.

5.000 Euro Schmerzensgeld

Umstritten waren auch die Angaben zum Geburtstag des Angeklagten. Dieser machte auf alle Beteiligten den Eindruck, mehr als 25 Jahre alt zu sein, obwohl er als Geburtstag den 12. April 1998 angab, ohne sich dabei festlegen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft stufte die gefährliche Körperverletzung nach Erwachsenenstrafrecht ein und forderte drei Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe für die Tat, sowie die Fortdauer des Haftbefehls, weil ansonsten Fluchtgefahr bestehe.

Pflichtverteidiger Peter Thiel sagte, dass sein Mandant wisse, dass sein Traum von Deutschland damit wohl ausgeträumt sei und sah eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monate als schuldangemessen an.
Das Jugendschöffengericht verurteilte den Beschuldigten letztlich nach dem Erwachsenenstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und 10 Monaten. Außerdem wurde der Angeklagte zur Zahlung
eines Schmerzensgeldes in Höhe von 5.000 Euro, zu zahlen an das Opfer, verurteilt. Der Delinquent wurde in Handschellen abgeführt.

von Heinz-Dieter Henkel