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Abwasserentsorgung kostet eine Million Euro

Gebühren Abwasserentsorgung kostet eine Million Euro

Die getrennte Abwassergebühr wird kommen, Ausnahmeregelungen kann es keine geben. Das ist die Quintessenz der Gespräche, die im Haupt- und Finanzausschuss zum Thema geführt wurden.

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Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Am Montag widmeten sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses den Gebühren für die Abwasserbeseitigung, die ab dem Jahr 2013 getrennt nach Schmutz- und Niederschlagswassereinleitung berechnet wird. Zwei Mitarbeiter eines Wirtschaftsprüfungsbüros, das sich für die Stadt mit den Berechnungen auseinandergesetzt hat, erklärten den Kommunalpolitikern zunächst die rechtlichen Grundlagen: Die Stadt müsse die Gebühren so ansetzen, dass alle Kosten gedeckt werden - dazu gehören zum Beispiel auch jene für Verwaltung, Unterhaltung oder Abschreibungen. Gleichzeitig muss die Stadt die Gebühren so veranschlagen, dass sie keinen Gewinn macht.

Entsprechend mussten sich die Wirtschaftsprüfer mit den Daten und Kosten der vergangenen Jahre auseinandersetzen und unter anderem die Frage klären, wie sich die Abwassermengen auf Kanalisation und Kläranlage verteilten.

Die Gebührenkalkulation ergab, dass in Amöneburg rund eine Million Euro für Abwasserentsorgung anfallen - rund 650000 Euro für Schmutz-, rund 350000 Euro für Niederschlagswasser.

Rund 180000 Kubikmeter an Frischwasser werden verbraucht, woraus sich eine kostendeckende Gebühr von 3,65 Euro pro Kubikmeter ergibt. Die versiegelte Fläche im Stadtgebiet ist derweil rund 750000 Quadratmeter groß - rund 490000 Quadratmeter sind nicht-öffentliche, rund 260000 Quadratmeter öffentliche Fläche. Daraus ergibt sich eine Gebühr von 0,48 Euro, die pro Quadratmeter versiegelter Fläche fällig werden. Diese Regelung gilt auch für die Kommune, die bisher eine Pauschale gezahlt hatte, künftig jedoch wie Bürger abgerechnet wird.

Nach „Entsiegelungen“ wird Neuberechnung fällig

Von Flächenversiegelung wird gesprochen, wenn kein Niederschlag in den Boden mehr eindringen kann. Sollten Bürger oder Stadt Flächen entsiegeln, muss die Kommune entsprechend die Gebühren neu berechnen. Die Kosten pro Quadratmeter steigen dann. Eine Flächen zu entsiegeln heißt, den wasserundurchlässigen Belag zu entfernen und wasserdurchlässig zu machen, zum Beispiel als Grünfläche oder Biotop zu gestalten.

Die Wirtschaftsprüfer hatten außerdem Beispielrechnungen im Gepäck, in denen sie sich vornehmlich Extremfällen widmeten. Am nächsten an ein „normales Einfamilienhaus“ kam folgende Berechnung heran: Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit sieben Bewohnern verbraucht 260 Kubikmeter Wasser pro Jahr und zahlte bisher bei einer Abwassergebühr von 4,10 Euro exakt 1066 Euro. Bei der gesplitteten Berechnung zahlt der Haushalt für die Ableitung der 260 Kubikmeter Schmutzwasser bei einer Gebühr von 3,65 Euro 949 Euro. Hinzu kommen bei einer versiegelten und an das öffentliche Abwassersystem angeschlossenen Fläche von 135 Quadratmetern noch einmal 64,80 Euro - was eine Gesamtgebühr von Abwasser von 1013 Euro ergibt.

Keine Aussprache, keine Empfehlung

Verlierer der neuen Gebührenordnung werden Gewerbebetriebe und große landwirtschaftliche Betriebe mit viel versiegelter Fläche sein, fasste Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg zusammen. Wer nun plane, Flächen zu entsiegeln, müsse berechnen, ob sich dies wirkliche lohne, gaben die Wirtschaftsprüfer den Ausschussmitgliedern mit auf den Weg.

Eine Empfehlung zur Beschlussfassung der neuen Entwässerungssatzung gaben die Ausschussmitglieder am Montag noch nicht ab, da sie in der Sitzung am Montag nicht die Zeit für eine Aussprache fanden. Dies wollen sie am kommenden Montag nachholen.

Separate Abwassergebühren für soziale Härtefälle oder für Bürger, die sich vor wenigen Jahren (wie in Roßdorf) für Trennsysteme entscheiden mussten, um das Abwassersystem zu entlasten und der Stadt Kosten zu sparen, wird es nicht geben. Er habe beim Hessischen Städte- und Gemeindebund und bei den Wirtschaftsprüfern nachgefragt und beide Mal die Auskunft erhalten, dass dies rechtlich nicht möglich sei, erklärte der Bürgermeister.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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