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Ostkreis „Ab Montag rocken wir Rekruten“
Landkreis Ostkreis „Ab Montag rocken wir Rekruten“
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19:32 14.10.2011
Wehrpflichtige bereiten sich in Schwarzenborn auf eine Geländeübung vor. Rekruten in Neustadt fühlten sich im Herbst 2010 vor einer solchen Übung entwürdigend behandelt. Quelle: Frank May

Neustadt. „Meine Order lautet, alle Schlappschwänze auszusondern, die nicht kräftig genug sind für mein geliebtes Korps! Habt ihr Maden das verstanden?“

Die Worte von Gunnery-Sergeant Hartman aus Stanley Kubricks Meisterwerk „Full Metal Jacket“ kamen den Zuschauern einer Amtsgerichtsverhandlung am Freitag spätestens in den Sinn, als Richter Joachim Filmer vorlas, was ein Ausbilder aus der Neustädter Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne einem ebenfalls als Ausbilder fungierenden Kameraden auf dessen Homepage hinterlassen hatte: „Ab Montag rocken wir wieder Rekruten.“

Besonderen Stellenwert erhält die Aussage vor dem Hintergrund, dass sich kurz zuvor 36 von 50 Rekruten nach einer Woche „Military Fitness“ krank gemeldet hatten.

Allerdings war der am Freitag angeklagte Oberfeldwebel für diese besonders harte Sportwoche nicht verantwortlich – das war der eben angesprochene befreundete Oberfeldwebel. Dieser kassierte kürzlich eine Strafe von sechs Monaten auf Bewährung, weil er Untergebene „entwürdigend behandelt“ hatte: Er hatte Rekruten bis nachts um 3 Uhr Ausrüstung reinigen lassen. Für die „Military Fitness“ setzte es lediglich eine Ermahnung.

Nichtsdestotrotz musste sich nun auch der 30-Jährige Oberfeldwebel aus Trier wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht verantworten. Die hinterlassene Nachricht auf der Homepage bereute er: „Ich gebe zu, es war dumm umschrieben. Eigentlich wollte ich nur mitteilen, dass wir Ausbilder nach meiner Krankheit ab Montag wieder vollzählig sind.“ Sein Anwalt sprach von einem „markigen“ Umgangston, der zwischen den langjährigen Freunden herrsche.

Richter Joachim Filmer stimmten dem Vorschlag des Staatsanwaltes zu und stellte das Verfahren gegen Zahlung von 1.500 Euro an das Soldatenhilfswerk vorläufig ein.

von Florian Lerchbacher

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.

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