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AWO will für Dienstzentrale kämpfen

Stadtallendorf AWO will für Dienstzentrale kämpfen

Der AWO-Vorstand fürchtet, dass Menschen mit Handicaps besonders darunter zu leiden hätten, wenn der ärztliche Bereitschaftsdienst nur noch in Marburg angesiedelt sein sollte.

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Ein Schild weist deutlich auf die ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale hin, die seit 2010 in der Straße Am Scheidfeld angesiedelt ist. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Mit seinen etwa 300 Mitgliedern ist der Stadtallendorfer Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) der größte im Kreisgebiet. Hessenweit gilt er als einer der aktivsten. Der Vorstand der AWO Stadtallendorf hat schnell auf die durch die OP öffentlich gemachten Planungen für den künftigen ärztlichen Bereitschaftsdienst reagiert.

„Wir sehen uns nicht alleine als AWO, sondern wollen für alle Bürger Stadtallendorfs sprechen“, betont Ortsvereinsvorsitzender Helmut Heyn. Die Resolution, die gestern der Kassenärztlichen Vereinigung übermittelt wurde, ist auch als Unterstützung für die politischen Gremien gedacht, die sich für den Erhalt der Bereitschaftsdienstzentrale in der Straße Am Scheidfeld einsetzen. Heyn und sein Stellvertreter Bernd Waldheim haben bei der Resolution Bewohner von Kernstadt und Stadtteilen gleichermaßen im Blick. „In einigen Stadtteilen haben wir an Wochenenden auch eine besondere Situation beim öffentlichen Nahverkehr“, nennt Waldheim einen weiteren möglichen Problempunkt. Die OP machte eine Stichprobe. Wer am nächsten Samstagnachmittag von Wolferode mit dem Bus nach Marburg-Wehrda fahren möchte, wäre knapp zwei Stunden unterwegs. Das zeigte sich bei entsprechenden Eingaben auf der Internetseite des Regionalen Nahverkehrsverbands. Abfahrtszeit wäre in Wolferode um 15.50 Uhr, Ankunft an der Haltestelle Wehrdaer Weg wäre um 17.40 Uhr. Fahrgäste müssten zweimal umsteigen. Waldheim spricht noch ein anderes Problem an: „Was wäre denn mit den Notdienstapotheken?“ Dort dürften die Wege für Patienten ebenfalls umständlicher, möglicherweise auch länger werden.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) reagierte gestern auf die Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zum Mietvertrag für die Stadtallendorfer Bereitschaftsdienstzentrale. Der Vertrag läuft noch acht Jahre. Die Stadt hatte das Gebäude für die Dienstzentrale und Rettungswache im August 2010 eingeweiht - und die 1,2 Millionen Euro Baukosten mit Krediten finanziert. Die KV hatte gegenüber der OP erklärt, dass sich Mietverträge auch kündigen ließen, wenn die Bedingungen stimmten. „Wir werden auf Einhaltung des Mietvertrags bestehen. Denn wir als Stadt haben auf die klaren Aussagen der Kassenärztlichen Vereinigung vertraut“, sagt Somogyi. Er werde im Bedarfsfall alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen. Mit der Miete, die die Stadt für die Räume erhält, finanziert sie einen Teil der Darlehenskosten und der Abschreibungen für das Gebäude. Somogyi bedauert es auch, dass es sich bei den Zentralisierungsabsichten der KV keineswegs um einen „Probebetrieb“ handeln wird. Er wolle zwar der angekündigten Initiative der Stadtparlaments-Fraktionen nicht vorgreifen. „Für mich bleibt aber der Wunsch nach einem Pilotversuch. Denn dann könnte es noch eine Einflussnahme geben“, betont Somogyi. Denn für ihn bleibe die Sicherung der Qualität der ärztlichen Versorgung der wichtigste Punkt.

Stadtallendorfer Arzt reagiert „irritiert“

Der Stadtallendorfer Mediziner Dr. Ortwin Schuchardt hatte sich als erster zu den Überlegungen für einen zentralisierten Bereitschaftsdienst geäußert und dabei auch von einem Pilotversuch gesprochen. Er sei irritiert über die Widersprüche, die es zwischen seinen Informationen und den Aussagen gebe, die die KV abgegeben habe, erklärte er gegenüber dieser Zeitung.

„Ich werde mit der KV noch einmal Kontakt aufnehmen, um von dort zu erfahren, welche Vorgaben es für den Bereitschaftsdienst nun geben soll. Wichtig ist auch, ob wir Ärzte überhaupt noch eine Entscheidungsoption haben werden“, sagt Schuchardt.

von Michael Rinde

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