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Im „Höllentempo“ rund um die Pylonen

ADAC-Cup Im „Höllentempo“ rund um die Pylonen

Wieder einmal rasten beim Auto-Slalom in Neustadt rund 100 Fahrer durch den Parcours – und das mit großer Freude: von „Nervenkitzel“ und „viel Adrenalin“ war bei den Beteiligten die Rede.

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Möglichst schnell und fehlerfrei mussten die Teilnehmer die Strecke durch die Pylonen hindurch bewältigen.

Quelle: Yanik Schick

Neustadt. Schon bevor man einen Fuß auf das Gelände der Spedition Geisel setzt, lässt sich die Atmosphäre dort mit allen Sinnen aufsaugen: von Weitem dröhnen Motoren, Benzingeruch dringt in die Nase und vor der Strecke parken bunte, aufgemotzte Oldtimer. Dann ein Blick an die Startlinie: Autos stehen in Reih und Glied hintereinander. Und immer wenn das Startsignal kommt, schießt der vorderste Wagen auf die rund zwei Kilometer lange Strecke, verschwindet dann für etwa ­ eine Minute hinter den Gebäuden der Spedition, sodass nur noch quietschende Reifen und das Aufheulen des Motors zu hören sind. Recht unvermittelt rast das Auto dann irgendwann von der rechten Seite wieder ins Sichtfeld der Zuschauer. Der Fahrer umkurvt im Höllentempo noch ein paar Pylonen und legt direkt hinter der Ziellinie ­eine Vollbremsung hin.

Geschwindigkeit und Stressabbau

Wenn man sich mit einem der Fahrer unterhält, merkt man schnell: Es ist viel Leidenschaft im Spiel. So zum Beispiel bei Helmut Dörfler aus Schwarzenborn. Er ist 67 Jahre alt, aber nach wie vor mit viel Temperament am Werk und kurz vor seinem Start auch ein bisschen unruhig. „Es geht um die Geschwindigkeit und darum, ein bisschen Stress abzubauen. Im Straßenverkehr können wir das ja nicht, aber hier geht das“, erzählt Dörfler.

Für die meisten der rund 100 Teilnehmer an diesem Tag ist nicht nur das Autofahren an sich, sondern auch das Schrauben und Tüfteln an den Fahrzeugen großes Hobby. Viele haben ihre aufgemotzten Wagen mitgebracht, die weit davon entfernt sind, für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen zu sein. Voller Stolz gewährt Daniel Habicht aus Lauterbach einen Blick in sein Auto – ein BMW 318is mit 220 PS.

Nur das Nötigste bleibt im Auto

Im Innenraum hat er bis auf Lenkrad und Schaltknüppel ­eigentlich alles ausgebaut. Nebenelektrik, Isolierungen, Teppiche – alles, was nicht unbedingt zum Fahren gebraucht wird, ist rausgeflogen. Denn das spart Gewicht und bringt Geschwindigkeit. Das Fahrwerk, die Reifen und die Motorsoft­ware hat Habicht verbessert.

Beim Autoslalom macht er mit, um das Ergebnis seiner vielen Arbeit genießen zu können. „Ich mag das Gefühl, in diesem Auto zu sitzen. Ich will einfach so oft wie möglich damit fahren.“ Schon seit einigen Jahren veranstaltet der Motor-Sport-Club (MSC) Stadtallendorf den ADAC-Autoslalom, früher in Stadtallendorf, inzwischen auf dem Gelände der Spedition Geisel.

Die Ergebnisse des Slaloms fließen mit ein in die Wertung des Mittelhessen-Pokals – eine Rennserie, bei der sich auch viele andere Vereine als Ausrichter beteiligen. „Beim Autoslalom ist viel Adrenalin dabei, weil man sauschnell unterwegs ist. Und es strengt körperlich ungeheuer an, das kann man sich von außen gar nicht vorstellen“, erklärt Dieter Glöde, Vorsitzender des MSC Stadtallendorf.

Eine Frage von Konzentration und Tempo

Die Wagen werden vor dem Start noch einmal auf ihre Sicherheit überprüft und in drei Gruppen unterteilt, in G, F oder H. Unter die Gruppe G fallen alle serienmäßigen Fahrzeuge, die auch für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind. Autos in den Gruppen F und H sind stark verbessert, was ihre Leistung betrifft.

Ob ein Fahrzeug nun in F oder H eingeteilt wird, darüber entscheiden Details. Der 67-jährige Helmut Dörfler erklärt für Laien: „Bei F kann man an ein paar Sachen schrauben, aber die Jungs in H können sich eigentlich alles erlauben.“ Neben der Endzeit zählt im Slalom auch, ob die Fahrer eine oder mehrere Pylone umgefahren haben. Dafür gibt es dann Strafsekunden. Lassen sie direkt ein ganzes Tor aus, sind sie disqualifiziert. „Man muss schnell, aber auch konzentriert sein“, sagt Daniel Habicht, „und genau das macht den Nervenkitzel aus“.

von Yanik Schick

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