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38 Jahre dauernde Geschichte endet

IhrPlatz-Schließung 38 Jahre dauernde Geschichte endet

Alle acht bisherigen Mitarbeiterinnen der seit Dienstag geschlossenen Stadtallendorfer IhrPlatz-Filiale haben neue Stellen im Unternehmen gefunden. Sie gehen mit Wehmut.

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Geschenkpapier verhängt die geschlossene IhrPlatz-Filiale. Sie bestand seit 1980 an diesem Standort.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Rosemarie Wiltscheks Herz hängt an der jetzt geschlossenen IhrPlatz-Filiale, die sie Jahrzehnte geleitet hat. Ihr Team ist bis zum Schluss zusammengeblieben und hat die Schließungsphase auch gemeinsam durchgestanden. Auf das Unternehmen IhrPlatz lässt sie dabei nichts kommen, lobt im Gespräch mit dieser Zeitung sogar ausdrücklich ihre Vorgesetzten. Für alle acht Mitarbeiterinnen gibt es neue Stellen. Zum Team gehörten dabei vier Festangestellte und vier Service-Mitarbeiter. „Keiner von ihnen hat sich bei aller Traurigkeit über die Situation krankgemeldet“, sagt die Alt-Allendorferin.

Als Filialleiterin war sie ebenfalls eine Zeitzeugin für die an Höhen und Tiefen reiche Entwicklung der Stadtmitte. Seit 1980 befand sich die IhrPlatz-Filiale an diesem Standort, vorher sechs Jahre lang in der Niederkleiner Straße. „IhrPlatz gehörte zum Stadtbild wie Aka, Tegut oder Kostial“, betont sie. Das Potenzial für IhrPlatz sei über viele Jahre gegeben gewesen. Dass IhrPlatz jetzt Stadtallendorf auf die Schließungsliste setzte, war für sie angesichts stetig sinkender Erträge absehbar. Ursache für die fallenden Umsätze war für sie die Innenstadtentwicklung der vergangenen Jahre. Dass sich mit DM im Jahr 2001 ein starker Wettbewerber in der Nähe ansiedelte, war für sie dabei weniger das Problem. Aufgrund der verschiedenen Sortimente der beiden Märkte hätten sich beide gut arrangiert.

Im Jahr 2010 ändert sich die Situation

Im Jahr 2010 sei es dann aber ganz „dicke“ gekommen. Mit dem neuen Einkaufszentrum am alten Busbahnhof sei ein weiterer Drogeriemarkt hinzugekommen - der „seitens der Stadt als ein Warenhaus angekündigt worden ist.“ Von einer Schlecker-Insolvenz sei damals noch nicht die Rede gewesen. Vorher hatte die IhrPlatz-Zentrale in Osnabrück die Filiale nochmals erweitert und umgebaut. Mit Blick auf die Entwicklung am alten Busbahnhof und damit in der alten Stadtmitte sieht Rosemarie Wiltschek die Schuld klar bei der Stadt und ihren damals verantwortlichen Politikern. Wenn man einem Investor ein „Tortenstück“ wie den Busbahnhof in die Hand gebe, kümmere sich der nicht um die einstmals gut angedachte Innenstadtplanung. Profit sei das Maß der Dinge für einen Investor. Lobend erwähnt sie die Marburger Diskussion um das Gutenberg-Center, bei dem es klare Vorgaben für Ansiedlung von neuen Gewerben gebe.

Dass Stadtallendorfs Innenstadt in Sachen Drogeriemärkten bisher sehr üppig versorgt gewesen ist, ist auch im aktualisierten Einzelhandelsgutachten vom Januar klar nachzulesen. Als eine der wenigen Artikelgruppen verzeichneten die Drogeriemärkte bisher einen Kaufkraftzuwachs. Die Gutachter sprechen von einer „hohen Ausstattung“ in Stadtallendorf. Ebenso große Defizite sehen sie andererseits beim Lebensmittelhandel (die OP berichtete mehrfach).

Der Abschied von vielen treuen Kunden sei nach so vielen Jahrzehnten schmerzhaft gewesen, es habe Tränen und Geschenke gegeben, beschreibt die Stadtallendorferin Rosemarie Wiltschek ihre Empfindungen der vergangenen Tage. Auch bei den treuen Kunden sei IhrPlatz eine feste Größe gewesen.

Sie wechselt als Filialleiterin bald in die Filiale in Alsfeld.

von Michael Rinde

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