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35000 Euro für den "Minimalaufwand"

Stadtverordnetenversammlung 35000 Euro für den "Minimalaufwand"

Der Marburger Verein bsj hat sein Konzept für die Jugendarbeit in Amöneburg während einer Sitzung des Jugendbeirats zwar schon ausführlich präsentiert, die Stadtverordneten fordern jedoch ein weiteres Gastspiel.

Amöneburg. „Was soll denn das sein, bsj?“, fragte Rudi Rhiel, der Vorsitzende der FWG und beantragte, der Verein solle sich und sein Konzept für die Jugendarbeit den Stadtverordneten vorstellen. Zwar hatte Lothar Nickel die Pläne des Vereins für die kommunale Jugendarbeit während einer Sitzung des Kinder- und Jugendbeirats dem Amöneburger Nachwuchs und einigen Stadtverordneten schon einmal präsentiert (die OP berichtete), doch nun muss er eben erneut in die Kommune kommen, um zum Beispiel die veranschlagten Kosten in Höhe von jährlich 35000 Euro für 20 Wochenstunden zu erläutern.

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg sprach derweil über die unorganisierten Jugendräume: „Wir haben viel Kapital auf gutem Stand, und es wird gut genutzt. Es fehlt aber das inhaltliche Konzept.“ Er würde Kindern den Besuch nicht unbedingt gestatten: „Ich wäre mir nicht sicher, ob sie zwischen den Halbwüchsigen und jungen Erwachsenen gut aufgehoben sind. Bisher hatten wir meines Erachtens viel Glück, dass nichts Gravierendes passiert ist.“

Professionelle Jugendarbeit sei eigentlich keine freiwillige Leistung sondern eine Pflichtaufgabe. Der Verein bsj Marburg biete in einigen Kommunen bereits ein gutes Konzept an. Beim Entwurf für Amöneburg habe er darauf geachtet, was für ein Minimalaufwand betrieben werden müsse, um die Jugendarbeit ein bisschen anzustoßen.

Da „35000 Euro kein Pappenstiel“ seien, beantragte Winfried Kaul (SPD), ein Abgesandter aus Neustadt möge den Amöneburgern über die Erfahrungen der Junker-Hansen-Stadt mit dem bsj berichten. Jan-Gernot Wichert (CDU) forderte, die Ortsbeiräte mit einzubeziehen, da die Bedürfnisse und Erfahrungen in den einzelnen Ortschaften sehr unterschiedlich seien.

Der Haupt- und Finanzausschuss soll sich nunmehr mit der Thematik befassen und dabei die Kirchengemeinden Amöenburg und Rüdigheim mit einbeziehen. Der Magistrat soll des Weiteren mit der Katholischen Kirchengemeinde Rüdigheim über das örtliche Jugendheim verhandeln. Richter-Plettenberg erklärte während der Stadtverordnetensitzung, dass die Stadt den Raum „nicht einfach übernehmen“ werde.

n Einstimmig votierten die Stadtverordneten für den Beitritt der Stadt zur Nahwärmegenossenschaft Erfurtshausen. Die Stadt plant, alle ihre Liegenschaften in dem Stadtteil an das Netz anzuschließen, den bisherigen Energieträger Heizöl zu ersetzen und dadurch nicht nur zu sparen sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die Stadtverordneten sprachen den Erfurtshäusern bei diesem Punkt nicht nur ihr Lob für das Engagement aus sondern hatten einiges zu Lachen. Wichert stellte heraus, dass die Genossen „mehrheitlich schwarz gefärbt“ seien. Kaul kommentierte, in diesem Fall sei ausnahmsweise egal, welche Farbe die Genossen hätten.

Richter-Plettenberg - eigentlich Genosse, in Amöneburg aber stets ohne Parteibuch oder Färbung unterwegs - ergänzte, auch in Mardorf gehe die Diskussion über eine mögliche Nahwärmegenossenschaft weiter. Seit Dienstag speist die dortige Biogasanlage Strom ins Netz ein, freut er sich.

n Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses müssen sich in ihrer nächsten Sitzung nach einem Beschluss der Stadtverordneten mit einem möglichen Beitritt der Stadt zum „Geopark Vulkanregion Vogelsberg“ auseinandersetzen, den der Nachbarkreis federführend gründen will. Er sei hin- und hergerissen, sagte Richter-Plettenberg. Auf der einen Seite liefen die Planungen, eine große touristische Arbeitsgemeinschaft „Marburger Land“ zu gründen, auf der anderen Seite könne Amöneburg als „Einfallstor“ für den Geopark auftreten - in dem ebenfalls ein großes Potenzial stecke, um den Tourismus zu fördern. „Wir sollten abwarten, mit welchen Kosten unser Beitritt verbunden wäre“, resümierte er.

von Florian Lerchbacher

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