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Ostkreis 1829 Kühe, aber keinen Liter Milch
Landkreis Ostkreis 1829 Kühe, aber keinen Liter Milch
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19:51 23.03.2010
In Rauschenberg produzieren 1829 Kühe jährlich 5,8 Millionen Liter Milch. Aus rechtlichen Gründen darf davon allerdings kein einziger Liter direkt verkauft werden. Quelle: Tobias Hirsch

Rauschenberg. Vor allem ältere Menschen erinnern sich an Tage, an denen sie als Kind mit der Kanne in der Hand zum Bauern geschickt wurden, um frische Kuhmilch zu holen. Die schmeckte dann immer so cremig, so urig und vollmundig – und der Milchbart verriet der Mutter, wer nun gerade wieder genascht hatte. In Rauschenberg wollte man wieder zurück zu dieser guten alten Zeit – doch die Zeiten haben sich geändert. Um auf die existenzbedrohende wirtschaftliche Situation der Milch produzierenden Landwirte in der Region aufmerksam zu machen und den Kindern zu zeigen, wo die Milch eigentlich herkommt, sollte die Verpflegung der Kinder im städtischen Kindergarten mit frischer Milch aus einem der 15 Milcherzeugerbetriebe in Rauschenberg erfolgen. „Wir wollten regelmäßig mit einigen Kindern zum Bauern gehen und uns die Milch direkt abholen“, erklärt Kindergartenleiterin Ilona Gerbitz-Mess den eigentlichen Plan. „Veterinärrechtlich ist dies aber nicht möglich“, bedauert Bürgermeister Manfred Barth.

Die Gründe dafür liegen in der Qualität der Milch. „Man darf die Milch nicht einfach in der Kanne mitnehmen“, sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, auf Nachfrage der OP. Erst nach einer entsprechenden Behandlung dürfe Milch vom Erzeuger direkt in den Handel. Und dies sei nur in zwei Fällen möglich. „Entweder besitzt der Landwirt eine Direktvermarkterlizenz oder er ist Erzeuger von Vorzugsmilch“, sagt Foldenauer. Direktvermarkter gibt es in Rauschenberg nicht und Vorzugsmilchbetriebe gibt es gerade einmal zwei Stück in ganz Hessen – im Taunus und im Kinzigtal. Um dennoch das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema zu schärfen und darauf aufmerksam zu machen, dass die Milchbetriebe in ihrer Existenz bedroht sind, setzt der Magistrat jetzt auf ein anderes Zeichen: „Faire Milch“.

von Tobias Hirsch

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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