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Ostkreis Noch lebt der „decke Babbelbam“
Landkreis Ostkreis Noch lebt der „decke Babbelbam“
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08:11 21.04.2018
Der klar erkennbare Riss machte einen deutlichen Rückschnitt der 161 Jahre alten Pappel erforderlich. –  Nach dem Rückschnitt hat die alte Pappel nicht mehr die Last der Krone zu tragen. Quelle: Günter Slany
Rüdigheim

Er vermaß den Baum und errechnete einen stolzen Stammumfang von 5,40 Metern. Er recherchierte in den Archiven das exaktes Alter des Baumes: 161 Jahre. Ein für Pappeln unglaublich hohes Alter. Vor 161 Jahren wurden an der Niederkleiner Straße zahlreiche Pappeln angepflanzt. Günter Slany schreibt zum hohen Alter der Pappel: „Die Literatur nennt 30 bis 60 Jahre.

Besonders um die Standfähigkeit der Pappel ist es nicht immer gut bestellt. In unseren Breiten konnte man damals, als der Baum gepflanzt wurde, das Holz nur verheizen. Heutzutage stellt sich dies bereits etwas anders dar. Die frühere Gemeinde Rüdigheim hat seit 180 Jahren kein eigenes Waldgebiet. Trotzdem wurden damals schnell wachsende Bäume neben Steinobst überall dort gesetzt, wo sich Platz bot.

Entlang der Gräben, Bäche, Straßen war dies gegeben, ohne wertvolle Ackerflächen hierfür zu opfern. Es gibt leider keine mir bekannte Überlieferung, warum der Koloss an der Niederkleiner Straße als einziger seiner Art bis heute verblieb. Die sich unmittelbar an den ,Dicken Pappelbaum‘ anschließenden weiteren 40 Pappeln entlang eines Feldweges, der von der Kreisstraße abzweigt, wurden zu 
Beginn der 1950er-Jahre gepflanzt. Sie sind damit deutlich jünger.“

Aus dem Auge, aus dem Sinn

Günter Slany erinnert sich, dass der „decke Babbelbam“ früher ein beliebtes Ziel der Rüdigheimer Spaziergänger und im Dorf trotz der Lage auf dem freien Feld stets präsent war. Der Methusalem unter den Pappeln sei ein Naturdenkmal – eines der wenigen im Amöneburger Stadtgebiet. „Man nimmt solch ein Naturdenkmal in heutiger Zeit oft als solches nicht mehr wahr.

Anders verhalten würde es sich, wenn ein derartiger Baum nahe eines Dorfes oder im Zentrum platziert wäre, wie etwa die Linde von Himmelsberg. Diesen Baum hat jeder Bewohner täglich vor Augen, und das schärft das Bewusstsein. Bäume, die irgendwo in der Flur stehen, nimmt man heute weniger wahr, fährt an ihnen achtlos vorbei“, schreibt Günter Slany. Dennoch sieht er den Status Naturdenkmal als hohen Wert für Wissenschaft, Landschaftsbild und Heimatgeschichte an, der geholfen habe, den „decken Babbelbam“ durch einen fachmännischen Rückschnitt zu erhalten. Und das findet Günter Slany einfach prima.

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Riss im Baum: K 94 voll gesperrt