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So weit die Reifen tragen

Einfach drauflos So weit die Reifen tragen

„Unser Plan ist, dass wir keinen festen Plan haben“, versichert Nicki kurz vor Reiseantritt und ihr Freund Moe pflichtet ihr bei. Inzwischen ist das Paar aus Marburg in Richtung Uruguay unterwegs.

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Nicole „Nicki“ Hanke und Moritz „Moe“ Hoffmann mit der Triumph Tiger kurz vor Antritt der Weltreise.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Unter Deck der Grande Amburgo, einem 214 Meter langen Container Carrier, steht fest verzurrt das Motorrad von Nicole Hanke und Moritz Hoffmann, so heißen die 26-Jährige und ihr 28 Jahre alter Freund mit richtigem Namen. Bei dem Weltreise-Gefährt der beiden handelt es sich um eine 19 Jahre alte englische „Lady“, eine Triumph Tiger. Mit 885 Kubikzentimetern Hubraum bringt der sanfte Dreizylinder 83 PS an Leistung auf die Straße. Die robuste Reise-Enduro wiegt leer 210 Kilogramm, mit dem Gepäck der beiden Moppedhiker, wie sie sich selbst nennen, 30 Kilo mehr.

Das unter italienischer Flagge fahrende Frachtschiff passiert derzeit die westafrikanische Küste. Ziel: Montevideo.

Bevor Nicki und Moe in Antwerpen an Bord gingen, sprachen wir mit ihnen über ihre Beweggründe und Ziele. Der Name Moppedhiker kommt nicht von ungefähr. Auch bevor sie sich 2014 auf dem Marburger Weihnachtsmarkt kennenlernten, wanderten beide gerne, und Wandern heißt auf englisch hiking. Die Freude am Motorradfahren entdeckte Moe während seines Studiums. In Marburg studierte er die Lehramtsfächer Sport und Informatik. Davor arbeitete er als Junior IT-Consultant und während des Studiums als Fachmann für IT-Fragen.

Dass Motorradfahren die schönste und erlebnisreichste Art ist, um von A nach B zu kommen, bestätigt heute Nicki. Die 26-Jährige hat mittlerweile einschlägige Erfahrungen als Sozia. „Sie ist eine sehr gute Beifahrerin“, lobt Moe und beschreibt: „Sie schaut voraus, legt sich manchmal tiefer in die Kurve als ich, das erleichtert das Fahren enorm.“ Die ersten gemeinsamen Fahrten auf Moes 500er Kawasaki machten sie auf den Straßen rund um Marburg. Und weil beide auch vom Fernweh besessen sind, unternahmen sie mit der Kawa 2016 eine Osteuropa-Tour. Die Ausrüstung sei eher spartanisch gewesen, erinnert sich Nicki. „Ich hatte einen Rucksack geschultert, ein zweiter war hinter mir festgezurrt.“

Moe ergänzt: „Unser Zelt war nicht viel größer als eine Hundehütte, da konnten wir beide gerade mal drin liegen.“ Gleichwohl hatten sie tolle Erlebnisse. Am Ende standen wichtige Erkenntnisse, wie die Erfahrung, dass man nicht immer planen muss, wohin es gehen soll.

Dies alles floss dann doch in einen Plan ein, nämlich eine Weltreise mit dem Motorrad zu unternehmen. Moe spricht freilich nicht von einem Plan, sondern von einer Idee. Für die unabsehbar lange Tour war die Kawa nicht geeignet. Ein halbwegs geländegängiges Gefährt musste her. Die Wahl fiel auf die Triumph Tiger. 44.000 Kilometer hatte die Maschine gelaufen, die Nicki und Moe im März kauften. „Für eine Weltreise brauchten wir ein Motorrad, das viel Gewicht tragen kann, robust und langlebig ist, nicht zu viel Elektronik an Bord hat und sich bequem fahren lässt“, erklärt Moe.

Und weil Nicki gerne auch mal selbst die Maschine fahren wollte, machte sie im vergangenen Herbst binnen drei Wochen den Motorradführerschein. Moe nahm sich die Zeit, um das Fahren im Gelände zu üben. Fürs Fahrtraining mit Nicki am Lenker und Moe als Sozius blieb freilich nicht viel Zeit. Inzwischen hatten sich die beiden von zahlreichen Vorträgen und Erfahrungen Weltreisender inspirieren lassen.

„Wie haben vor und während unseres Studiums gearbeitet und soviel wie möglich für unser Weltreisekonto zurückgelegt“, sagt Nicki und ist zuversichtlich: „Für zwei Jahre müsste das Geld ausreichen.“ Darüber hinaus wollen sich die beiden unterwegs Working-Holiday-Visa besorgen, um ihr Reisebudget aufzubessern. Über weltweite Netzwerke sei dies möglich, berichtet Moe. Mithilfe von speziellen Netzwerke wollen sie unterwegs auch unentgeltlich Arbeiten und Hilfe leisten.

Wer glaubt, die beiden würden während der Schiffsreise nach Uruguay doch die Route planen, der irrt. „Ich schreibe währenddessen meine Masterarbeit“, sagt Nicki und verrät nur soviel: „Etwa 60 Seiten sind geplant und mein Thema ist Entwicklungsarbeit.“ Die Abschlussarbeit schreibt sie auf Englisch. Auch Moe spricht Englisch. Weil einem das aber in Südamerika nicht viel weiter hilft, lernt er während der Zeit an Bord im Crashkurs Spanisch. „Dazu hat er 30 Tage Zeit, es gibt keine Ablenkung, kein Internet“, kommentiert Nicki lächelnd. Das muss sie sich nicht mehr antun, Spanisch lernte sie parallel während ihres Hauptstudiums.

Wenn die beiden Ende des Monats in Montevideo ankommen, dann wollen sie zunächst zum äußersten südlichen Zipfel von Südamerika und dann die Westküste entlang Richtung Anden. „Wir fahren drauflos und wissen morgens nicht, wo wir abends schlafen“, sagt Nicki. Moe nennt ihre Maxime für die Weltreise: „Wir wollen einmal um den Globus, möglichst ohne in ein Flugzeug zu steigen.“

Auf verschiedenen Netzwerken haben die beiden sehr ausführlich ihre Vorbereitungen beschrieben und werden, wann immer sie online sind, über ihre Reise berichten. Mittels eines GPS-Trackers werden in zeitlichen Abständen aktuelle Standorte des Duos übermittelt. Auf deren Homepage kann man die Reiseroute nachverfolgen. Die OP steht in Kontakt mit den beiden und wird über deren wichtigste Erlebnisse und Stationen zeitnah berichten. Die OP-Serie über die Motorrad-Weltreise von Nicki und Moe trägt den Titel „Einfach drauflos“. Dauer der Serie: ungewiss.

von Hartmut Berge

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