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Nordkreis Zwei Jahre ohne Pflege durch einen Hufschmied
Landkreis Nordkreis Zwei Jahre ohne Pflege durch einen Hufschmied
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18:40 23.12.2012
Marburg

Es ist immer wieder erstaunlich, wozu einige „Tierliebhaber“ (nicht) fähig sind. Wenn einer erfahrenen Pferdebesitzerin die Haltung ihrer Tiere verboten wird, dann muss schon etwas schwerwiegendes vorgefallen sein. Einen solchen Fall verhandelte das Amtsgericht Marburg.

Angeklagt war eine 50-jährige Pferdehalterin aus dem Nordkreis. Ihr wurde vorgeworfen, für einen Wallach und zwei Pony-Stuten etwa zwei Jahre lang keinen Hufschmied beauftragt zu haben - mit schmerzhaften Folgen für die Tiere. Ein normales Auffußen war nicht mehr möglich. Verschlimmert wurde die Situation durch den Umstand, dass die Pferde nicht genügend Auslauf hatten. Eine natürliche Hufabnutzung blieb komplett aus.

„Da dreht sich der Magen um“

Auf eine Anzeige hin erschienen am 2. April dieses Jahres Vertreter des Veterinäramts im Pferdestall - und fanden die Tiere in einem insgesamt verwahrlosten Zustand vor. Sie erhielt am 10. Mai ein Pferdehaltungsverbot, das sie akzeptierte.

Die während des Veterinäramts-Besuchs nicht anwesende Halterin sei nicht auf die Frage eingegangen, wie es zu der Verwahrlosung gekommen sei, sagte ein Amtstierarzt in der Verhandlung. „Jedem, der ein Herz für Pferde hat, dreht sich der Magen um“, sagte die Amtsanwältin Christine Keil mit Verweis auf Fotos, die den Zustand der Pferde dokumentieren. Ihr stelle sich die Frage, wie es so weit habe kommen können bei jemandem, der zuvor schon jahrelange Erfahrung in der Pferdehaltung hatte.

Die Angeklagte gestand sämtliche Vorwürfe ein, äußerte sich aber nicht weiter zu den Vorwürfen. Unter Tränen erklärte sie, dass ihr das Vorgefallene leid tue und sie es nicht mehr rückgängig machen könne.

Ihre Verteidigerin wies auf schwere gesundheitliche Probleme ihrer Mandantin hin. Diese hätten es ihr unmöglich gemacht, sich selbst um die Pferde zu kümmern.

„Größter Fehler im Leben“

Sie habe vorgehabt, die Tiere in andere Hände zu geben, dazu sei es nicht mehr gekommen. Auch gab die Verteidigerin zu bedenken, dass die Einstreuung im Pferdestall und das Wasser in Ordnung gewesen seien. Der festgestellte Parasitenbefall sei nicht zwangsläufig auf fehlende Fellpflege zurückzuführen. Dass die Frau viel früher hätte handeln müssen, stehe außer Frage. Sie selbst bezeichne das Geschehene als den „größten Fehler ihres Lebens“. Als strafmildernd sah Amtsanwältin Keil das kooperative Verhalten der Angeklagten gegenüber dem Veterinäramt an. Strafschärfend wirke sich die Vernachlässigung über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren aus. In Anbetracht der finanziell angespannten Situation der 50-Jährigen plädierte Keil für eine Geldstrafe von 400 Euro.

Richter Schauß verurteilte die Frau zu einer Zahlung von 300 Euro an den Naturschutzbund und vorbehaltlich einer Geldstrafe von 400 Euro. Das bedeutet: Die 50-Jährige muss die 400 Euro nur dann zahlen, wenn sie sich innerhalb einer Bewährungszeit von einem Jahr erneut etwas zu schulden kommen lässt. Die rund 1000 Euro betragenden Kosten für den Hufschmied und Tierarzt zahlt die Frau zur Zeit in Raten ab.

von Björn-Uwe Klein

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