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Zusammenhang zwischen Schlag und Tod

Gerichtsprozess Zusammenhang zwischen Schlag und Tod

Gegenwärtig muss sich ein 20-jähriger Wetteraner wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Gericht muss noch klären, ob der Mann auch für den späteren Tod seines Opfers verantwortlich ist.

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Auf dem Parkplatz vorm Schlecker-Markt in Wetter soll der 20-Jährige sein Opfer mit einem Schlag niedergestreckt haben. Der 57-Jährige wurde zunächst zum Pflegefall – im April starb er.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte der junge Mann auf dem Schlecker-Parkplatz in Wetter einen 57-Jährigen mit einem Schlag niedergestreckt. Der wurde erst zum Pflegefall und verstarb dann am 18. April.

Doch dem Angeklagten wird noch mehr vorgeworfen: Nicht nur, das er auf dem Kirschenmarkt in Gladenbach im vergangenen Jahr einen Mann bewusstlos geschlagen und gegen den Kopf getreten haben soll. Er muss sich auch verantworten, weil er gemeinsam mit einem 20 Jahre alten Auszubildenden aus Goßfelden an einer Parkplatz-Schlägerei auf dem Disco-Abend in Roßdorf beteiligt gewesen sein soll.

Für den Goßfeldener ist der Prozess seit Donnerstag zu Ende: Auf Antrag von Staatsanwältin Kathrin Ortmüller wurde das Verfahren gegen ihn unter Auflagen eingestellt. „Ich bin überzeugt davon, dass Sie an der Schlägerei beteiligt waren. Aber ich bin nicht mehr überzeugt davon, dass Sie den letzten Schlag geführt haben“, begründete sie die Entscheidung.

Der vorsitzende Richter Cai Adrian Boesken stimmte dem Antrag zu und gab dem Goßfeldener als Auflage den Abschluss eines sozialen Trainingskurses mit auf den Weg. „Ich bin ein Mann der klaren Worte“, so der Richter, wenn Sie in den Sack hauen, sehen wir uns wieder.“ Der Goßfeldener versicherte: „Das ziehe ich auf jeden Fall durch.“

Danach stand der Tod des Wetteraners im Focus - die Mediziner hatten das Wort. Denn es muss geklärt werden, ob der Schlag des Angeklagten letztendlich ursächlich dafür war, dass der 57-Jährige verstarb. Sollte dies der Fall sein, stünde eine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge im Raum - und der Prozess müsste vor dem Landgericht fortgeführt werden.

Zustand des Patienten verschlechterte sich schnell

Dr. Lukas Jerrentrup vom Uni-Klinikum wurde als sachverständiger Zeuge gehört. Er hatte den 57-Jährigen behandelt, als dieser am Morgen des 18. April gegen 5 Uhr von einem Pflegeheim in Gladenbach ins Klinikum gebracht wurde. Der Zustand des Manns habe sich innerhalb kürzester Zeit so stark verschlechtert, dass der Hausarzt ihn eingewiesen habe. Nach eingehenden Gesprächen mit der rechtlichen Betreuerin des Mannes und den beiden Brüdern habe festgestanden, dass das „Behandlungsziel eingeschränkt“ war, wie der Arzt erklärte: Es sei keine Intensivbehandlung gewünscht worden, denn das sei nicht im Sinne des Patienten gewesen. Der 57-Jährige sei mit schlechter Atmung, instabilem Blutdruck und Trachykardie eingeliefert worden. Ursache könnten sowohl eine Lungenentzündung als auch Darmblutungen gewesen sein. Der Arzt war überzeugt: Selbst beim Einsatz sämtlicher Intensivmedizin „hätte der Mann nicht überlebt, er war nicht operationsfähig.“

Mediziner untersuchen die ganze Krankengeschichte

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Gabriele Lasczkowski sagte aus. Sie berichtete, dass die Obduktion des Verstorbenen am 23. April vorgenommen worden sei. Allerdings seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen.

Um eine eventuelle Kausalität zwischen dem Schlag und dem Tod festzustellen, müssten noch Feingewebeproben untersucht werden. Zudem stehe noch eine toxikologische Untersuchung aus.

„Denn die schnelle Verschlechterung des Gesundheitszustands kann auch durch eine Medikamentenüberdosierung erfolgen“, so die Ärztin. Darüber hinaus fehlten noch Unterlagen über den Aufenthalt des Wetteraners in der Klinik in Braunfels. Denn auch die Vorerkrankungen und die Krankengeschichte des Mannes müssen für das gerichtsmedizinische Gutachten untersucht werden.

Der Prozess wird am Mittwoch, 23. Mai, um 13 Uhr fortgesetzt.

von Andreas Schmidt

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