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Zeugin: Angeklagter führt sich vermehrt als Haustyrann auf

Aus dem Gericht Zeugin: Angeklagter führt sich vermehrt als Haustyrann auf

Schläge und Beschimpfungen: Im Prozess gegen einen Mann aus dem Nordkreis, der versucht haben soll, einen Bekannten mit einer Axt zu töten, berichtete eine Zeugin von zunehmender Gewaltbereitschaft des Angeklagten.

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Der Beschuldigte stand nicht nur wegen der Axt-Attacke vor Gericht, in der Vergangenheit sei er vermehrt gewalttätig geworden, teilte eine neue Zeugin mit.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Aufmerksam vernahmen die Prozessbeteiligten die Aussage der jungen Zeugin, die in den vergangenen Jahren einen scheinbaren Wandel im Verhalten des Mannes bemerkt haben will. Die junge Frau ist die Tochter der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten, lebte jahrelang mit dem Mann zusammen. Die siebenjährige Beziehung zwischen ihrer Mutter und dem Beschuldigten verlief bis vor etwa zwei Jahren noch „ganz okay – dann ist es ausgeartet“, so die Zeugin. Und weiter: Der Mann wurde zunehmend aggressiver, begann regelmäßig Alkohol zu trinken.

„Er hat jeden Tag getrunken. In der Regel Bier, manchmal auch Schnaps – dann ­wurde es schlimmer“, beschrieb die junge Frau. Unter Alkoholeinfluss sei er mal gut gelaunt, mal ­wütend gewesen, zunehmend reizbar und ausfallend. Er habe­
immer wieder überreagiert, ­seine Lebensgefährtin geschlagen und beleidigt. Das erzählte­ diese der Tochter zumindest, selber gesehen hatte die Zeugin keinen der Übergriffe. Die Tochter bemerkte zweimal blaue Flecken an ihrer Mutter, die immer weniger das Haus verließ. Dort stieg während dieser Zeit die Lautstärke stark an, täglich hörte die junge Frau ­lauten Streit zwischen dem ehemaligen Paar.

Angeklagter zeigte Stimmungsschwankungen

Der ausgiebigen Schilderung der Zeugin nach erschien der Beschuldigte zu jener Zeit wie eine Art „Haustyrann“, spitzte­ der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm zu und fragte genauer nach: „Mussten alle nach seiner Pfeife tanzen und unter seinen Launen leiden?“ Die Schlussfolgerung bestätigte die Jugendliche: „Ja, das passt.“ Die Gewaltbereitschaft des Mannes habe stetig zugenommen. Einmal soll der Partner seine ­Lebensgefährtin auf eine Treppe gestoßen haben. Diesen ­Anklagepunkt hatte der Angeklagte bereits zu Prozessbeginn eingeräumt.

Den Hauptvorwurf, die Axt-Attacke gegen einen Bekannten, bestreitet er hingegen. Von der angeblichen Tat bekam die Zeugin indes kaum etwas mit, hielt sich an diesem Abend im April in einem anderen Zimmer auf. Sie vernahm lediglich Geräusche aus dem Kellerbereich. „Es hat gerumpelt, als wäre etwas umgefallen“, beschrieb sie. Die Mutter kam kurz darauf zu ihr, „er hatte sie weg geschickt, sie erzählte mir, dass die beiden Männer aufeinander losgegangen waren“. Wie es genau zu dem Angriff mit der Axt kam, konnte sie nicht sagen. Die ­Mutter habe ihr erzählt, dass beide Männer abwechselnd das schwere Werkzeug in der Hand gehalten hätten. Der Angeklagte wie der Geschädigte werfen sich gegenseitig vor, den anderen mit der Axt angegriffen zu haben.

Keine neuen Hinweise zur Axt-Attacke

Nach der Auseinandersetzung soll der aufgebrachte Beschuldigte seine um ihn besorgte Freundin erneut ins Gesicht geschlagen haben. Ihrer Schilderung nach lief der vermeintliche Täter nach dem Streit mit der Axt noch kurze Zeit „draußen herum“. Als die Tochter den Lebensgefährten später antraf, schien er ihr „betrunken und geschockt“.

Ob der Angeklagte weitere Suchtmittel außer Alkohol konsumierte, wusste das Mädchen nicht. Vor der Auseinandersetzung sollen beide Männer Marihuana geraucht haben. Zudem stand der Vorwurf im Raum, dass der Beschuldigte aus seiner Garage heraus Drogen verkaufe. Dieser habe sich nicht bestätigt, berichtete Verteidiger Sascha Marks vor Gericht. Sein Mandant habe Drogen konsumiert, diese aber nicht verkauft. Eine polizeiliche Observierung hätte nichts Gegenteiliges ergeben.

Die Überwachung wurde nach einem anonymen Hinweis eingeleitet: Der Tippgeber vermutete ein Crystal-Meth Labor in dem Haus. „Eine übertriebene und völlig unbegründete Vermutung. Da hat wohl jemand zu viel Breaking Bad geschaut – er ist kein Walter White“, kommentierte Marks den unbestätigten Verdacht. Auch zu dem Vorwurf des versuchten Totschlags gegen seinen Mandanten, sieht der Verteidiger nach jetzigem Stand des Verfahrens „keinen dringenden Tatverdacht“.

  • Weitere Zeugen werden am 24. Januar vor dem Schwurgericht vernommen.

von Ina Tannert

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Der Anklagte mit seinem Rechtsanwalt Sascha Marks. Foto: Thorsten Richter

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