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Wollmar stellt seine Schafe in den Mittelpunkt

Schäfer-Jubiläum Wollmar stellt seine Schafe in den Mittelpunkt

Ganz im Zeichen des Schafes steht Wollmar am Wochenende. Seltene Schafrassen, viel Unterhaltung und Kulinarisches gibt es beim 200-jährigen Jubiläum des Schäfereivereins Wollmar.

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Thomas Morawa (links) und Thomas Sperling widmen sich dem aufwändigen Hobby der Schafzucht. Foto oben: Bob, der Jakobsschafbock, präsentiert seine vier Hörner, die diese Schafrasse einzigartig machen.Foto: Martina Koelschtzky

Wollmar. Schafhaltung hat in Wollmar Tradition: Belegt ist sie seit dem 30-jährigen Krieg, als die Wollmarer den Spottnamen „Wollmersche Lämmerchen“ bekamen, nachdem sie vergeblich gegen den Verlust ihrer Schafe an durchziehende Soldaten geklagt hatten. Fünf große Herden hat es bis ins 18. Jahrhundert im Dorf gegeben. 1812 wurde die Genossenschaft „Schäferei Wollmar“ gegründet, berichtet der Vorsitzende des heutigen Vereins „Schäferei Wollmar“, Thomas Morawa.

Als in den 1970er Jahren der letzte hauptberufliche Schäfer des Ortes, Hans Müller, seine Herde aufgab, wollten sieben Vereinsmitglieder die alte Tradition retten: Sie belebten den Verein wieder, der heute 88 Mitglieder hat, davon 12 aktive Schafhalter. Morawa ist einer davon, er züchtet Suffolk-Schafe. Eigentlich eine reine Fleischrasse, erklärt er. Aber „Flaschenkinder“, wie das Lamm Michael, das seine Tochter gerade füttert, würden natürlich nicht geschlachtet. Michael, dessen Mutter keine Milch für das Lamm hatte, wird bei Morawas alt werden.

„Heute ist die Schafhaltung für uns Hobby, leben kann man davon nicht mehr“, sagt Morawa. „Uns geht es vor allem darum, das alte Wissen um die Schafhaltung nicht verloren gehen zu lassen.“ Das gelingt dem Verein, dessen Mitglieder zwischen 15 und 85 Jahre alt sind und dem der letzte Schäfer des Dorfes, Hans Müller, immer noch angehört. „Ich habe die Schafzucht von Hans Müller gelernt. Das Wissen kann man aus Büchern nicht erwerben. Wenn ich nicht weiß, warum es einem Schaf schlecht geht, muss er es nur sehen und hat Vorschläge, was man tun kann.“

Besonderen Wert legt der Verein entsprechend auf die Gemeinsamkeit von Jung und Alt. Und auf den Kontakt mit den Nachbarorten Frohnhausen, Nieder- und Oberasphe oder Rennertehausen, wo die Schafhaltung ebenfalls Tradition hat und von wo auch einige aktive Züchter des Vereins kommen.

Ausgefallene Schafrassen sind die Liebhaberei von Thomas Sperling und Sylvia Schoren, die Wallis-Schafe und die vierhörnigen, imposanten Jakobsschafe züchten.

Festkommers, Bewertung und viel Drumherum bei Fest

Bob, der große Jakobsschafbock, wird am Sonntag bei der Präsentation und Bewertung der Wollmarer Schafe auftreten, zusammen mit Coburger Fuchsschafen, Texel-Schafen, Scottisch Blackface, Skudden und einigen Ziegen.

Der aktive Verein veranstaltet jährlich Aktionen wie das traditionelle Schafewaschen vor der Schur, bei dem auch schon mal Bürgermeister Peter Funk baden ging. „Das wurde zunächst, wie früher üblich, bei Rennertehausen gemacht. Jetzt waschen wir die Schafe in der Wollmar“, berichtet Morawa. Lammgrillen oder Schaftriebe gehören ebenfalls zu den Angeboten des Vereins.

Das aufwändige Hobby bringt alle zusammen und in Wollmar ist der Zusammenhalt im Dorf schon immer groß gewesen, sagt Morawa. Dies drücken die Schafzüchter auch in ihrem Schäferlied aus, das sie am beim Festkommers allen Besuchern beibringen und gemeinsam singen wollen.

Der Festkommers beginnt am Samstag um 19 Uhr. Nach Ehrungen der (Wieder)Gründungsmitglieder steht ein Auftritt des „Duo Urgestein“ sowie Tanz auf dem Programm. Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst um 11 Uhr mit der Gitarrengruppe Wollmar, beim Mittagessen werden Spezialitäten wie Lammgulasch, Grillschinken oder „Erbsensuppe mit Sauglittcher“ (Schweinsfüßen) angeboten.

Am Nachmittag werden die Schafe vorgestellt und bewertet. Von der hessischen Volkskunstgilde kommen Irene Bonacker und Elfriede Meisner, die die Verarbeitung der Wolle vorführen, und auch die Wollmarsche Anna wird mit von der Partie sein. Schafrassen werden ausgestellt. Am Abend klingt das Fest mit gemütlichem Beisammensein aus.

von Martina Koelschtzky

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