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Nordkreis Nächster Halt: Kultusministerium
Landkreis Nordkreis Nächster Halt: Kultusministerium
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00:17 09.07.2018
Mehr als 50 Elternteile von Schülern der Wollenbergschule trafen sich im Bürgerhaus Wollmar, um gemeinsam mit Elternvertretern ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Quelle: Tobias Kunz
Wollmar

„Es knirscht“, sagt Wolfgang Henseling, „es knirscht gewaltig“. Was er meint: Seit Monaten gibt es im Umfeld der Wollenbergschule (WSW) viele Gerüchte. Den Eltern der Schüler ist bislang nur bekannt, dass mehrere Lehrer eine Versetzung an eine andere Schule beantragt haben (die OP berichtete). Wie es an der Schule weitergehen soll und was das für ihre Kinder bedeutet, darüber können sie im Moment nur spekulieren.

Was die Eltern aber wissen: Sie sind mit der Informationspolitik von Schule und Schulamt unzufrieden. Aus diesem Grund kamen am Mittwochabend mehr als 50 Elternteile in das Bürgerhaus Wollmar, um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Die Eltern beschlossen, dass sie sich an das Hessische Kultusministerium wenden und die Behörde bitten wollen, die Situation an der Wollenbergschule zu überprüfen.

Hainer Damm: „Wir 
werden dumm gehalten“

Zudem wollen sie in Zukunft insbesondere der Schulleitung genauer auf die Finger schauen – und etwaige Missstände an der Schule dokumentieren und öffentlich machen. „Wir müssen nerven“, sagte einer der Gäste. Dann, so die Hoffnung, werden ihre Sorgen auch ernst genommen. Zwar hätten sie verschiedene Fragen an das Schulamt geschickt, diese seien aber nicht vollständig beantwortet worden.

„Wir werden dumm gehalten“, sagte Hainer Damm, Vorsitzender des Schulelternbeirats. Schulamtsleiter Arno Bernhardt weist diese Anschuldigung auf OP-Nachfrage von sich. „Ich habe den Eltern angeboten, bei jeder ihrer Sitzungen anwesend zu sein, um Missverständnisse auszuräumen“, ­sagte Bernhardt. „Leider wurde diese Möglichkeit diesmal nicht genutzt.“

Laut Wolfgang Henseling, Vater zweier Kinder an der Wollenbergschule, ist bereits „genug geredet, aber nichts gesagt“ worden. Die Eltern wollen jetzt Tatsachen schaffen und den Druck auf das Schulamt erhöhen. Sie sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder und der Wollenbergschule als Institution im Nordkreis.

Elternvertreter Wolfgang Henseling (links) und Schulelternbeiratsvorsitzender Hainer Damm diskutierten mit den Eltern. Foto: Tobias Kunz

Wollmars Ortsvorsteher Henseling sagte, dass aus der Grundschule des Münchhäuser Ortsteils zum neuen Schuljahr kein Kind an die Wollenbergschule gehen werde. Aus der Grundschule Münchhausen würden lediglich drei Kinder nach Wetter wechseln, der Rest gehe nach Battenberg. Die Schülerzahlen der WSW seien seit Jahren rückläufig. Hans-Martin Seipp sieht dadurch die Zukunft der Wollenbergschule gefährdet.

Sinkt die Zahl der Schüler weiter, könne die Schule irgendwann nicht mehr aufrechterhalten werden. Deshalb nahm er auch den Kreis in die Pflicht, da dieser in den vergangenen Jahren viel in die Schule investiert habe.

Hinzu kommt, dass der Schule laut den Eltern die Handlungsunfähigkeit droht. Mehrere Lehrer hätten ihren Posten in der Schulkonferenz niedergelegt. Das Kultusministerium habe daraufhin das staatliche Schulamt Marburg-Biedenkopf um eine Stellungnahme gebeten. Schulamtsleiter Bernhardt bestätigt dies. Vier Lehrer seien aus der Schulkonferenz zurückgetreten. Die Stellungnahme sei erforderlich, da die Lehrkräfte den offiziellen Dienstweg nicht eingehalten und sich über das Schulamt hinweg direkt an das Kultusministerium gewendet hätten.

Eltern fürchten Einbußen der Unterrichtsqualität

Die größten Sorgen bereiten den Eltern nach wie vor die Versetzungswünsche der Lehrer. Zwölf Lehrkräfte werden laut Elternbeiratsvorsitzendem Damm die Schule verlassen – inklusive der Lehrer, die in Ruhestand gehen oder durch Schwangerschaft ausfallen. Genaue Zahlen gebe das Schulamt nicht heraus. Die Eltern befürchten, dass dadurch die Qualität des Schulunterrichts leidet. „Mir ist bislang erst von einer Versetzung an die WSW bekannt. Es werden noch weitere folgen, aber machen wir uns nichts vor: Die anderen Schulen werden nicht ihre besten Pferde nach Wetter schicken“, sagte Damm.

Die Versetzungsanträge der Lehrer rückt das Schulamt mit dem Verweis auf Vertraulichkeit nicht heraus. Damm will aber aus Gesprächen erfahren haben, dass bei allen Anträgen ähnliche Gründe angegeben wurden. „Wir merken, dass der kollegiale Umgang, der die Schule ausgezeichnet hat, nicht mehr da ist“, sagte er.

Hoffnung ruht auf heimischen Politikern

Mit der Schulleiterin Barbara Burggraf hat dies aber nichts zu tun, sagt Philipp Bender, stellvertretender Pressesprecher des Kultusministeriums auf OP-Nachfrage. „Schulamt und Ministerium stehen hinter ihr. Sie hat sich nichts zu Schulden kommen lassen und korrekt gehandelt“, sagt er. „Deshalb können wir die vielen Versetzungs­anträge auch nicht verstehen.“

Die Eltern hoffen, dass sich das Kultusministerium die Begründungen in den Anträgen genau durchliest und sich selbst ein Bild von der Situation an der Wollenbergschule macht. Zudem wollen die Eltern lokale Politiker um Unterstützung bitten. „Wir stehen kurz vor einer Wahl, da haben wir gute Chancen, dass uns auch geholfen wird“, hofft Damm.

von Tobias Kunz