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Nordkreis Wenige Bauern erhalten Dürrehilfe
Landkreis Nordkreis Wenige Bauern erhalten Dürrehilfe
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00:17 08.11.2018
Die Auswirkungen der Dürre von diesem Jahr werden auch im nächsten Jahr noch zu spüren sein. Kreislandwirt Frank Staubitz hat 400 Tonnen weniger Weizen eingefahren und seine Rapsaussaat wieder umgepflügt, weil der Regen gefehlt hat. Quelle: Katja Peters
Caldern

Frank Staubitz schaut in das leere Silo. Normalerweise wäre es voll Weizen. 400 Tonnen – sie sind nicht da. Wegen der Dürre, wegen des Jahrhundertsommers, weil es nicht geregnet hat. Der Vollerwerbslandwirt aus Caldern hat 25 bis 30 Prozent weniger geerntet. Allerdings macht sich das finanziell derzeit nicht so sehr bemerkbar, „weil die Getreidepreise gestiegen sind.“ Damit wird das ­Ertragsloch so einigermaßen gestopft.

Bei den Futterbaubetrieben sieht das schon anders aus. Auf Kreisebene wird ihnen ein Ertragsrückgang von 45 Prozent attestiert. „Viele Betriebe haben versucht, Grundfutter zuzukaufen wobei das Angebot jedoch sehr überschaubar ist“, weiß Frank Staubitz. Andere versuchten ihr bisschen Futter mit Stroh zu verlängern. „Sehr vielen ­Betrieben blieb jedoch als letzte­ Maßnahme nur der Verkauf der Tiere an einen Schlachthof übrig“, berichtet der Kreislandwirt.

Nachdem klar war, dass es in diesem Jahr zu Ertragsverlusten kommen würde, wandte sich der Deutsche Bauernverband an die Politik und forderte eine Milliarde Euro für die Landwirte. Das Ministerium wartete den Erntebericht ab und fragte die Länder ab. Die forderten drei Milliarden Euro Unterstützung. Am Ende­ stellte das Landwirtschaftsministerium 340 Millionen bereit, die je zur Hälfte vom Bund und von den Ländern getragen werden. „Damit tat sich ein bürokratischer Moloch auf“, sagt Frank Staubitz kopfschüttelnd. „30 Prozent Minderertrag müssen die Landwirte nachweisen. Und das nicht nur in der Menge, sondern auch monetär.“ Hinzu kommt, dass der buchhalterische Jahresabschluss bei Landwirten erst im Juli des Folgejahres vollzogen wird. „Das kann bedeuten, dass betroffene Landwirte das Geld dann wieder zurückzahlen müssen. Wenn sie aber auf die Finanzspritze angewiesen waren, dann ist das Geld im Juli längst ausgegeben.“ Hinzu kommt, dass auch das Privatvermögen erst aufgebraucht werden muss. Für die Nebenerwerbslandwirtschaft, die für den Erhalt der Kulturlandschaft im Landkreis eine unwahrscheinlich wichtige Rolle spielt, kann es bedeuten, dass auch Ersparnisse aus dem Haupterwerb mit eingerechnet werden.

Über 80 Prozent der Betriebe im Landkreis werden im Nebenerwerb geführt. Besonders stark vertreten ist sie im Westteil des Landkreises, der dort auf Grund seiner ertragsschwächeren Böden besonders stark von der Dürre betroffen ist.

„Wir müssen also die Hosen bis ganz unten runter lassen“, so Frank Staubitz, der dann fast trotzig hinzufügt: „Aber wir lassen uns die Würde und den Stolz nicht nehmen.“ Für ihn ist klar, dass nur sehr wenig Geld von der Dürrehilfe abgerufen wird. Im Landkreis gäbe es, so seine Meinung, „keine zehn Betriebe, die die Dürrehilfe-­Voraussetzungen erfüllen. Es wird also interessant, was mit dem nicht abgerufenen Geld passiert.“ (Anmerkung der Redaktion: für den Landkreis ist rund eine Million Euro Dürrehilfe vorgesehen, also rund 800 Euro pro Betrieb.)

Doch damit nicht genug. Neben den Verlusten in diesem Jahr, wird die anhaltende Trockenheit sich auch im kommenden Jahr bemerkbar machen. „Im gesamten Landkreis wird es 2019 sehr wenig Raps geben“, ist sich der Kreislandwirt sicher. Die Saat konnte wegen des fehlenden Regens vor allem im August nicht aufgehen. „Vereinzelnd waren zwar ein paar Pflänzchen gewachsen, aber das reichte nicht. Nicht nur wir mussten dann alles umpflügen. 150 Euro pro Hektar einfach mal eben in die Luft geblasen.“ Insgesamt wurden schon 60 Prozent weniger Saat verkauft, weil Landwirte erst gar nicht die Äcker bestellt haben. Davon wurden 40 Prozent ausgesät und dann ein Viertel wieder umgeworfen.

Im Ostkreis hatte es Anfang August zwar heftig geregnet, so dass es dort sicher ein paar Rapsfelder geben wird. Aber einige Landwirte hatten die Saat schon vor dem Unwetter ausgedrillt. Sie ist dann buchstäblich weggeschwommen, so dass die Äcker jetzt auch mit Getreide bestellt wurden.

Das bedeutet aber nicht nur weniger Ertrag für die Landwirte, es bedeutet auch weniger Nahrung für die Bienen. „Die sind uns genauso wichtig wie für die Imker“, betont Frank Staubitz. Deshalb soll es in nächster Zeit ein Gespräch mit Dr. Ralph Büchler vom Bieneninstitut geben in Bezug auf ­Alternativen. Der sieht den fehlenden Raps allerdings gar nicht so dramatisch: „Im Zeitraum der Rapsblüte gibt es genügend andere Nahrung für die Insekten, weil da ja sowieso viel blüht. Es wird also keine Verluste bei den Bienenvölkern geben, wohl aber bei den Honigerträgen.“ Die Idee, mehr Bienenweiden anzulegen, befürwortet der Experte. „Das ist eine wertvolle Maßnahme für die Zeit ab August, wo in der Feldflur nur noch wenig blüht“, so Dr. Büchler, der noch ergänzt: „Je vielfältiger die Saat ist, desto nährstoffreicher ist sie und desto länger haben die Bienen etwas davon.“

von Katja Peters