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Wärme „fließt“ durch ganz Schönstadt

Startschuss für Nahwärme Wärme „fließt“ durch ganz Schönstadt

„Davon können die Planer des Hauptstadtflughafens nur träumen, wir haben unser Projekt im Zeit- und Finanzplan umgesetzt“, sagt Schönstadts Ortsvorsteher Johannes Weber unter donnerndem Applaus der Zuhörer.

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Nach getaner Arbeit fand die Projektgruppe Nahwärme sogar noch die Zeit, ein neues Schönstadt-Lied einzustudieren.

Quelle: Götz Schaub

Schönstadt. Es ist vollbracht, der Winter kann kommen. Das Nahwärmenetz, das bereits seit dem 24. September läuft und alle „Stresstests“ bestanden hat, wurde am Samstag offiziell in Betrieb genommen.

Das Nahwärmenetz, das sind 13 Kilometer Rohrleitung, die zu 290 Liegenschaften im Ort führen. Damit ist es wohl das größte Nahwärmenetz Deutschlands in Bürgerhand und ein „vorbildlicher Beitrag zum Ziel des Landkreises Marburg-Bieden­kopf, bis 2040 energieautark zu werden“, lobte Landrat Robert Fischbach.

Wer am Samstag das ehemalige Hühnerhaus an der Straße „Im Talwinkel“ betrat, mochte seinen Augen nicht trauen. Der große Raum hatte sich in eine wahre Festscheune verwandelt. So konnte die direkt daneben befindliche Schalt­zentrale der Nahwärmeversorgung in Schönstadt gebührend eingeweiht werden.

„Hier wurde wirklich bis zum Schluss gearbeitet. Wir sind sehr froh, alles geschafft zu haben“, sagt Rolf Beuermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft.

„Man spürt, wie stolz Sie alle sind, dass das Werk vollbracht wurde“, sagte Landrat Robert Fischbach. Und weiter: „Das ist im Landkreis ein ganz ganz dicker Leuchtturm, der hoffentlich noch viele Nachahmer finden wird.“

Mit Fischbach war übrigens auch sein Stellvertreter, Dr. Karsten McGovern, nach Schönstadt gekommen.

Thomas Rotarius, der als Erster Beigeordneter in Vertretung von Bürgermeister Volker Carle sprach, der in Nepal weilt, hob die einzigartigen Eckpunkte des Projekts hervor. Dabei nannte er in erster Linie eine in das Projekt vertrauende Bürgerschaft, von der am Gründungsabend der Genossenschaft 150 Mitglieder wurden, dann das Traditionsunternehmen Holz-Schmidt, das mit Weitblick auf die Idee der ehemaligen Ortsvorsteherin Carola Carius das Angebot machte, die Wärme zu liefern, und dann die vielen Menschen, die sich um die Umsetzung verdient gemacht haben.

Die Besonderheiten Schönstadts und des Projekts hatte zuvor auch Andreas Mainusch als Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Nahwärme Schönstadt herausgearbeitet. So trafen in Schönstadt motivierte Bürger auf kompetente Firmen, die alle akribisch und mit der nötigen Professionalität an der Verwirklichung arbeiteten. „Was und wie es hier passiert ist, ist nicht selbstverständlich, es funktionierte nur durch das enge Zusammenspiel aller Beteiligten“, sagte Mainusch. Und obwohl es auch immer wieder kurzfristig Probleme zu lösen galt, war die Atmosphäre so einzigartig, dass sogar die Bauarbeiter zum Teil mit Tränen in den Augen Abschied aus Schönstadt nahmen, denn für ihre gute Arbeit wurden sie von den Bürgen noch zusätzlich belohnt mit Kaffee, Kuchen und Grill-Einladungen. Mainusch verteilte auch Lob an die zuständigen Behörden und Politiker, die den Weg ebneten. „Das ganze Projekt hat die soziale Zusammengehörigkeit des Dorfes gestärkt. Es gab trotz der großen Belastung durch die Bauarbeiten nur eine einzige Beschwerde aus der Bevölkerung“, so Mainusch.

Großen Lob heimste auch die Projektgruppe ein, die aus Bürgern Schönstadts bestand. Sie sorgte für schnelle Kontakte und stand selbst immer für die Erledigung von Aufgaben zur Verfügung. Unter anderem musste schließlich auch koordiniert werden, dass alle Häuser für Rettung- und Versorgungsfahrzeuge erreichbar blieben. Da , wo es für Müllfahrzeuge schließlich mal zu eng wurde, wurde mit Muskelkraft weitergeholfen und die Mülltonnen zu Sammelstellen gerollt.

Das Ingenieurbüro Berghamer und Penzkofer aus Moosburg leistete wie schon in Oberrosphe ganze Arbeit, und die beiden Chefs erhielten für ihre Arbeit kräftigen Applaus. Thomas Rotarius führte aus, dass Bürger­meister Carle seinen Dank und seine Anerkennung in einem persönlichen Brief an die Genossenschaft weitergegeben habe. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es dem Bürgermeister gelang, dass die Gemeinde trotz eines defizitären Haushalts die Bürgschaft über drei Millionen Euro übernehmen durfte.“

„Wir sparen nun in Schönstadt 600000 Liter Heizöl pro Jahr ein“, freute sich Ortsvorsteher Weber und wagte sogar einen Blick in die Zukunft. Er hofft, dass Schönstadt noch einen weiteren Baustein zur Energiewende liefern kann, nämlich die Verwirklichung von Windkraft. Dazu sind aber noch Gespräche mit dem Kurhessischen Verein für Luftfahrt Marburg nötig, der bei Schönstadt bekannterweise einen Flugplatz unterhält. Damit Windräder auf dem als privilegiert ausgezeichneten Gelände entstehen könnten, müsse ein andere Anflugmöglichkeit geschaffen werden.

Den Samstag nutzten die Schönstädter zur großen „Genossenschaftsfeier“ mit Musik des Bläserchors, der schon mal eindrucksvoll Werbung für seine Veranstaltung am 10. November machte. Später spielte die Band „By the way“ auf.

Bürger oder Dorfgemeinschaften, die sich dafür interessieren, wie ein Nahwärmenetz entstehen kann, was die Voraussetzungen sind und welche Firmen man damit betrauen kann, können sich darüber umfassend im Internet auf der Homepage des Ortes Schönstadt unter www.schoenstadt.net informieren.

von Götz Schaub

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