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Nordkreis Von Zelten und Holzbauten zum „Jugendhotel“
Landkreis Nordkreis Von Zelten und Holzbauten zum „Jugendhotel“
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18:44 04.01.2012
Hans Schneider war lange Zeit Gemeindeangestellter. Im Ruhestand arbeitet er ehrenamtlich als Gemeindearchivar. Quelle: Götz Schaub
Wolfshausen

Das Kreisjugendheim Wolfshausen hat sicher eine Anfangsgeschichte, die manch einer heute nicht vermuten würde. Die Ursprünge des beliebten Freizeit-Heims für Jugend-Vereine und Schulklassen gehen auf die amerikanische Armee zurück, die während des Zweiten Weltkrieges 1945 in den hiesigen Landkreis vorrückte. Hans Schneider vom Geschichtsverein Weimar hat alle erdenklichen Informationen zusammengetragen, um die Geschichte des Kreisjugendheims für die neueste Ausgabe der Geschichtlichen Heftreihe „Heimatwelt“ nachzuzeichnen. Dabei stieß er auf Aufzeichnungen des mittlerweile verstorbenen Walter Gutjahr aus Hermershausen, der mit seiner Frau Hilde, die seinerzeit die hessische Volkstanzgruppe gründete, als damaliger Kreisjugendpfleger von Anfang an damit betraut war, das Jugendlager mit aufzubauen. Gutjahr hatte seine Erinnerungen an jene Zeit zu Papier gebracht, die Schneider interessanterweise im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte in München ausfindig machte. Ein Duplikat fand sich zudem im Bundesarchiv in Koblenz.

Den „Grundstein“ zum Kreisjugendheim legte die US-Armee, die im März 1945, also noch in Kriegstagen, an der Stelle des heutigen Kreisjugendheims Bäume fällte und ein Lazarett einrichtete. So erzählen es Johannes Grün aus Roth, der damals 16 Jahre alt war, und Gerhard Happel aus Wolfshausen. damals elf Jahre alt. Nach dem Krieg sollte das Lager ausgebaut werden und dazu dienen, deutsche Jugendliche, die von Kindesbeinen an vom Gedankengut der Nazis geprägt waren, „umzuerziehen“ zu demokratischen denkenden und handelnden Menschen.

Schneider kann diesbezüglich nur auf die Aufzeichnung Gutjahrs und die Erinnerungen von Zeitzeugen zurückgreifen, Informationen von den Amerikanern blieben bisher aus. Eine Anfrage an die amerikanische Botschaft blieb gänzlich ohne Antwort. „Die haben noch nicht einmal den Eingang der Anfrage bestätigt“, sagt ein sichtlich darüber verwunderter Hans Schneider.

Er befragte auch Walter Plamper, der heute in Niederweimar lebt und sich unter anderem im Förderkreis Kultur in der Region engagiert. Plamper war als damaliges Mitglied des Christlichen Vereins junger Männer (heute heißt es junger Menschen), CVJM, mehrere Male im Lager Wolfshausen. Als Jugendlicher hatte er sogar ein paar Fotoaufnahmen vom Leben in Wolfshausen gemacht. Damals mussten die Jugendlichen beim Lagerbau richtig mithelfen. Auch halfen sie lokalen Bauern bei der Ernte. – Wer heute zum Kreisjugendheim kommt, kann sich das kaum vorstellen. Zelte und Holzhütten waren einmal. Ende der 70er Jahre, wurde massiv umgebaut und seither immer weiter modernisiert. Schon damals sprach man respektvoll von einer Wandlung hin zum „Jugendhotel“.

Wer sich für die Rechercheergebnisse Schneiders interessiert, kann die 47. Ausgabe der „Heimatwelt“ im Rathaus der Gemeinde Weimar in Niederweimar erhalten.

von Götz Schaub

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten OP.