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Unterschiedlichkeit ist eine Stärke

Schule gegen Rassismus Unterschiedlichkeit ist eine Stärke

„Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ steht seit Dienstag auf einer Tafel am Eingang der Wollenbergschule in Wetter.

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Links: Verbindungslehrer Dr. Manfred Müller enthüllt die Tafel an der Schulwand. Mitte: Fünftklässlerin Greta Schimansky sang mit der Schulband das neue WSW-Lied vor der versammelten Schulgemeinde. Rechts: Ein internationales Buffet boten zwei sechste Klassen an.

Quelle: Michael Agricola

Wetter. Als Verbindungslehrer Dr. Manfred Müller gegen 13.30 Uhr vor den Augen der Schulgemeinde die schwarze Folie von der Tafel zog und den Schriftzug enthüllte, hatten das Kollegium und die rund 800 Schüler der Integrierten Gesamtschule schon einen weiteren Teil dazu geleistet, dass sie den Ehrentitel für ein weiteres Jahr verdienen.

Denn Schule gegen Rassismus und für Courage darf man sich nur nennen, wenn Schüler und Lehrer mit ihrer Unterschrift gemeinsam drei Regeln unterzeichnen, die ein faires Miteinander und aktives Vorgehen gegen Ausgrenzung vorsehen. Außerdem verpflichtet sich die WSW in diesem Programm, einmal im Jahr einen Projekttag zu Themen wie Vielfalt, Rassismus oder Diskriminierung anzubieten. Insgesamt tragen inzwischen schon bundesweit 800 Schulen den Titel, darunter auch die Gesamtschule Richtsberg in Marburg.

In Wetter näherten sich die Jahrgangsstufen 5 bis 10 bei ihrem Projekttag am Dienstag auf ganz unterschiedliche Weise dem Thema „Vielfalt in unserer Gesellschaft – Vorurteile überwinden“. Zwei 6. Klassen stellten ein internationales Buffet der Vielfalt zusammen. Sie kochten, backten und brieten Spezialitäten wie Pite und Petlla aus Albanien, Kaiserschmarrn aus Österreich, Börek aus der Türkei oder Pakora aus Pakistan. Andere bereiteten einen Obstsalat nach einem mosambikanischen Rezept zu. Kartoffelsalat mit Würstchen war der deutsche Beitrag. Alles schmeckte hervorragend, denn das Buffet leerte sich rasch.

Eine andere Klasse lernte den Alltag von Straßenkindern in Bolivien kennen. Sie nehmen zugleich an dem Projekt „Chat der Welten“ teil, wo sie per Internet mit Gleichaltrigen aus dem südamerikanischen Land in Kontakt kommen. Achtklässler erlebten in Marburg eine Stadtführung unter dem Motto „Marburg unterm Hakenkreuz“.

Während es in den unteren Klassen auch darum ging, Vorurteile zu erkennen, lag in den zehnten Klassen der WSW ein Schwerpunkt darauf, wie man dagegen angehen kann. In Gesprächen und Rollenspielen erarbeiteten die Schüler, was Diskriminierung alles bedeuten kann und wie wenig griffig ein Begriff wie „Ausländer“ sein kann, wenn darunter sowohl Touristen als auch Flüchtlinge und Menschen mit deutschem Pass eingeordnet werden. In den Klassen waren gestern zum Teil auch externe Projektleiter eingebunden. Das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC), das unter anderem vom Gewerkschaftsbund DGB und der katholischen Kirche getragen wird, stellte Referenten, die mit den Schülern erarbeiteten, wie man Vorurteilen mit Fakten begegnen kann. Dazu sei es wichtig, kritisch und informiert zu sein, so Sascha Schmidt vom NDC.

Die Themen „Vorurteil“ und „Vielfalt“ habe die Schule anknüpfend an die aktuelle Debatte gewählt. „Es ist wichtig, dass man sich nicht nur ein Schild an die Tür hängt, sondern sich auch mit den Themen auseinandersetzt“, sagt Schulleiterin Christiane Dietzel. Sie sieht darin auch eine positive Bestärkung innerhalb der Schulgemeinde, weil man das „Unterschiedlich sein“ bewusst als Stärke wahrnehmen könne. Und Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka lobte, stellvertretend auch für seine Nordkreiskollegen, dass die Schüler für die Zukunft Verantwortung übernähmen, wenn sie mit solchen Veranstaltungen dazu beitrügen, sich auch später gegenseitig zu achten.

von Michael Agricola

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