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Nordkreis Unkraut zupfen und Nistkästen bauen
Landkreis Nordkreis Unkraut zupfen und Nistkästen bauen
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00:18 13.10.2018
Bei einem Austauschprojekt erkundeten die Wollenbergschüler die russischen Wälder, besuchten den Nationalpark Kurische Nehrung und wurden in der Baumschule selbst beim Unkraut zupfen aktiv. Quelle: Cornelia Jesberg
Wetter

Bereits seit 26 Jahren bestehen die freundschaftlichen Beziehungen und der Schüleraustausch zwischen der Schule in Gwardeisk/Kaliningrader Gebiet (ehemals Ostpreußen) und der Wollenbergschule Wetter (WSW). Im Zentrum der Begegnung steht dabei seit vielen Jahren ein gemeinsames Projekt zum Thema Umwelt und Gesellschaft.

Das Projektthema „Zhivi les – unser Wald soll leben“ führte die 19 Schüler der WSW mit ihren zwei Lehrerinnen Alina Wischtak und Cornelia Jesberg und dem ehrenamtlichen Betreuer Mario Hausrath vom 18. bis 28. September in den Wald des Kaliningrader Gebiets nahe ihrer Partnerschule Gwardeisk.

Schüler lernen Orientierung im Wald

Neben der russischen Kultur stand somit vor allem das Kennenlernen des Waldes, seiner Bewohner und seiner Bedeutsamkeit für den Menschen im Zentrum der Begegnung. Nachdem sie in den Werkstätten der Gwardeisker Schule die Meisenkästen an einem Vormittag gemeinsam zusammengebaut und nach Belieben bemalt hatten, hängten die Schüler diese am nächsten Tag mithilfe der Forstarbeiter im Wald auf. Maksim, der Leiter des Forstamtes, zeigte ihnen die Vielfalt des örtlichen Mischwaldes und vermittelte den Kindern, wie man sich am besten im Wald orientieren kann. Außerdem lernten die Kinder einige Vogelarten wie zum Beispiel Zeisel, Kuckuck, Goldhähnchen oder Specht kennen.

Ein weiterer Projekttag führte die Kinder in das Labor des Ökologischen Instituts von Kaliningrad, wo sie gemeinsam die Lebewesen im Laubfall untersuchten und viele Baumarten des Alten Botanischen Gartens kennenlernten. Zudem besuchten sie eine Baumschule und halfen den Mitarbeitern vor Ort, Unkraut zu zupfen, damit die kleinen Tannen-Setzlinge besser wachsen können, bevor sie in einigen Jahren im Wald angepflanzt werden.

Besuch bei Vogelwarte Rossitten

Im Nationalpark Kurische Nehrung gingen die Schüler im „Tanzenden Wald“ mit seinen verdrehten Baumstämmen spazieren und erfuhren, dass neben der dünnen Humusschicht auf sandigem Untergrund auch Umwelteinflüsse wie Wind, Wetter, Schädlinge in den Wurzeln oder eventuell auch Chemikalien für das ungleichmäßige Wachstum der dortigen Nadelbäume verantwortlich gemacht werden.

Ebenfalls auf der Kurischen Nehrung besuchten sie die Vogelwarte Rossitten und lernten, dass die 98 Kilometer lange, zu Russland und Litauen gehörende Sanddüne ein wichtiges Vogelzuggebiet ist. Sie sahen zu, wie eine Drossel gefangen, beringt, gemessen, gewogen und wieder freigelassen wurde, nachdem die Ergebnisse dokumentiert wurden, um so wichtige Informationen über den Vogelzug zu gewinnen.

Stiftung ermöglicht Austauschprojekt

Neben der umfangreichen Projektarbeit konnten die Schüler die Städte Gwardeisk und Kaliningrad erkunden, wo sie unter anderem den Deutschen Dom, das Fischerdorf und das Grabmal des Philosophen Immanuel Kant besuchten. Sie lernten, dass das ehemalige Königsberg am Ende des Zweiten Weltkrieges zu 90 Prozent zerstört wurde und man alles dafür tun muss, dass sich dieser Teil der deutsch-russischen Geschichte auf keinen Fall wiederholt.

Finanziell ermöglicht wurde das Austauschprojekt durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, das Land Hessen, den Landkreis Marburg-Biedenkopf, den Förderverein der Wollenbergschule sowie die Gemeinden Wetter, Lahntal, Cölbe und Münchhausen. Die Wollenbergschule freut sich schon auf den Gegenbesuch im August 2019 mit dem Projektthema „Von der Kuh zum Milchprodukt“.

von Cornelia Jesberg