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„Ü“-Putz in Todenhausen sorgt für Wirbel

„Ü“-Putz in Todenhausen sorgt für Wirbel

Steigende Aggressivität ist bei Auto- und Lkw-Fahrern feststellbar. Aber auch bei den Anwohnern brodelt es.

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Werner Kahler empfing die Verkehrsteilnehmer aus Richtung Wetter mit einem Plakat und Schwedenfeuer.

Quelle: Götz Schaub

Todenhausen . „Heute ist doch noch gar nicht Freitag“, stellt ein Anwohner fest, als er die Straße betritt und die abgestellten Traktoren und Pkw sieht. Er hat recht, denn es ist erst Donnerstag. Eigentlich finden die Protestaktionen immer freitags statt. Während der jüngsten Sitzung der Bürgerinitiative am vergangenen Dienstagabend wurde beschlossen, eine zweite Runde der „Herbstputz“-Aktionen mit diversen Überraschungstagen zu flankieren. Und gestern war so ein „Ü“-Tag. In Todenhausen.

Ralf Funk, Ortsvorsteher und Anlieger, möchte sich aber auch entschuldigen. „Wir wollen niemanden verärgern, aber irgendwie müssen wir auf die Problematik aufmerksam machen, für die einzelnen Fahrer tut es uns sehr leid.“ Aber das interessiert die wenigsten Fahrer. „Unverschämt, was hier gemacht wird“, ruft eine wütende Fahrerin aus ihrem Wagen.

„Die soll den Krach mal den ganzen Tag um die Ohren haben, wir wollen doch nur unsere Ruhe“, beklagt eine weitere Anwohnerin, das Unverständnis der Autofahrerin. Sie habe Mülltonnen und Schubkarren mit Holz auf die Gehwege geschoben, damit die schweren Transporter und Autos nicht auf die Gehwege ausweichen können, wenn es mal eng wird. Und eng wird es in der Tat für viele Lkw-Fahrer. Es wird rangiert, manövriert und am Ende sieht man immer wieder querstehende Autos auf Bürgersteig und Straße. Für einen Moment greifen die Stauopfer zur Gegenwehr und stimmen ein ohrenbetäubendes Hupkonzert an, als würden sie damit schneller ans Ziel kommen.

Besonders ein Autofahrer mit LDK-Kennzeichen meint, sich so an den Anwohnern rächen zu können. Er erntet nur Kopfschütteln. Ein ebenfalls sehr genervter Autofahrer kurbelt die Scheibe runter und sagt:„Leute, ihr ärgert die ganzen Fahrer, ich verstehe euch ja, aber andererseits habe ich auch Termine. Ich komme zu spät zur Arbeit und habe auch noch andere Dinge zu erledigen.“ Versteht er wirklich das Anliegen der Anwohner, fragt sich Ralf Funk. Wer nichts macht, wird auch nicht wahrgenommen, lautet die neue Devise. Auch Anwohner Werner Kahler sagt bestimmt: „Reden allein bringt nichts. Leider. Wir haben ja alles schon durch. Wir wollen ja nicht die Autofahrer persönlich treffen, aber nur solche Aktionen verschaffen uns auf Dauer Gehör.“

Aber auch untereinander ist man sich nicht ganz einig. So versucht der eingangs erwähnte Herr, der wissen wollte ob schon Freitag sei, seine Nachbarin davon zu überzeugen, dass „Parken auf der Straße eine absichtliche Behinderung“ sei. „Das nützt sowieso nichts. Wer soll dieUmgehungsstraße denn bezahlen?“, fragt er weiter. „Wenn das nicht legal wäre, würde die Polizei doch reagieren. Und reagiert sie? Nein. Du hast doch selbst ein Enkelchen, machst du dir keine Sorgen, wenn es über die Straße geht, oder durchs Dorf läuft?“, kontert die Nachbarin.

In der Zwischenzeit fahren Lkw vorbei, am Verhalten der Fahrer und dem daraus resultierenden Motorengeräusch erkennt man, dass viele von ihnen genervt sind. Die Zeichensprache ist mal wieder eindeutig: kein Verständnis für die Anwohner. „Bauerntrampel“ ruft der eine, der andere greift zum Joghurtbecher und wirft ihn aus dem Fenster. Ein Autofahrer wiederum ruft aufmunternd: „Das hättet ihr schon viel eher machen sollen.“

Ralf Funk hat mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass sich die Mitglieder des Stadtparlaments bei den Bürgerversammlungen nicht sehen ließen. Er ist der Meinung, dass sich seine Kollegen aus dem Parlament die Situation gerne mal vor Ort anschauen sollten. „Ich hoffe, sie schauen mal bei unserem Herbstputz vorbei“, so Funk. Die Aktionen haben sich jedenfalls rumgesprochen, dürften auch in Wiesbaden längst bekannt sein, freut er sich. Auch überregionale Medien haben damit begonnen, über diese Aktionen zu berichten. Andere haben sich angekündigt. Es geht weiter.

von Julia Büttner
und Götz Schaub

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Todenhausen

Nach dem Überraschungstag am Donnerstag stellten die Todenhäuser am Freitag von 12 bis 16 Uhr erneut Traktoren, Anhänger und Autos auf die Straße, um auf die Verkehrssituation an der B 252 aufmerksam zu machen.

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