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Touren zu „historischen Kleinoden“

Grenzsteinwege Touren zu „historischen Kleinoden“

Es sind die ersten Themenwege in der Region Burgwald/Ederbergland über Grenzsteine – ein interessantes Angebot für Wander- und Geschichtsbegeisterte, das in den Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg führt.

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Der hessische Löwe mit „HH“ für „Hospital Haina“.

Rosenthal. Der hessische Löwe, ein „H“ für Haina, ein Kreuz für den Deutschen Orden – seit Jahrhunderten markieren behauene Steine im Boden den Verlauf von Grenzen. Sie kennzeichnen den Umfang von Territorien – und wer sie lesen kann, erfährt viel über die Geschichte der Heimat. „Lesehilfen“ geben die elf Tafeln an den beiden neuen Grenzsteinwegen, die am Samstag offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurden.

Für den Initiator und Hauptorganisator Helmuth Vaupel war es ein großer Tag: Der Obmann für Grenzsteine um Rosenthal und eifrige Wanderfreund hat das Projekt vorangetrieben und erfolgreich um Mitstreiter geworben.

Angefangen habe alles 2007, als der Sturm „Kyrill“ auch im Burgwald große Schäden hinterlassen habe, sagte Vaupel. Bei einer Wanderung des Vereins für naturnahe Erholung entlang der Grenze zwischen dem Stadtwald und Haina seien nur wenige Grenzsteine auszumachen gewesen. „Das hat mich neugierig gemacht“, berichtete Vaupel. Er erkundete historische Grenzsteine, dabei wandte er sich ans Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, an die Ämter für Bodenmanagement in Korbach und Marburg und ans Marburger Landesamt für geschichtliche Landeskunde. „Alle stellten mir reichlich Material zur Verfügung.“

2009 wurde Vaupel Mitglied im Verein zur Pflege historischer Grenzmale in Hessen und ehrenamtlicher Obmann für die Rosenthaler Grenzsteine. Die Idee der Themenwege entstand. Das Burgwalder Forstamt, die Hainaer Stiftungsforsten und die Region Burgwald/Ederbergland unterstützten das Projekt, die Stadt übernahm die Trägerschaft. Die Kreisverwaltung bewilligte im Frühjahr Gelder aus der Regionalförderung.

So machte sich Vaupel mit seinen Mitstreitern an die Umsetzung: Entstanden sind zwei Grenzsteinwanderwege:

nDer Weg im Süden führt um den Hof Merzhausen, den der Deutsche Orden einst betrieben hat.

nDer Weg im Nordosten führt entlang der Grenze zwischen dem Stadtwald und den Hainaer Stiftungsforsten.

15 Kilometer Gesamtlänge

Die Rundwege haben eine Gesamtlänge von 15 Kilometern, der historische Teil ist neun und 7,5 Kilometer lang. Start und Ziel ist das Eingangsportal mit den Streckenübersichtskarten am Parkplatz der Seegerteichhütte. An den Wegen stehen elf hölzerne Infotafeln zur Gründungsgeschichte der Stadt, zum ehemaligen „Deutschordenshof“ und zu den „Stiftungsforsten“, sie behandeln geschichtliche Hintergründe. Eine weitere Informationstafel der Rosenthaler NABU-Ortsgruppe im Naturschutzgebiet Merzhäuser Teiche hat „Leben am und im Weiher“ zum Thema.

Gekostet haben die beiden Wege 6000 Euro. 3025 Euro sind Fördergelder, der Rest ist durch Sponsoren zusammengekommen. „Ich möchte weiterhin mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit historische Grenzsteine für Interessenten erschließen und die als geschichtlich, künstlerisch und wissenschaftlich bedeutsamen Kleindenkmäler dokumentieren und schützen“, versprach Vaupel.

„Aufzucht und Pflege“ eines Grenzsteins seien langwierig, erklärte der Leiter des Korbacher Amtes für Bodenmanagement, Frank Mause ironisch. „Wir müssen warten, bis er steinalt ist.“ Doch viele Steine erlebten das nicht. So manche hätten Diebe verschleppt, um sie in Vorgärten aufzustellen oder in Trockenmauern einzubauen. Auch durch die Land- und Forstwirtschaft seien sie gefährdet, manche verschwänden im Boden, zerplatzten oder ließen „den Kopf hängen“.

So gefährdet sei ihr Bestand, dass sie auf eine „rote Liste“ gehörten – und nicht umsonst sind sie als Bodendenkmale geschützt. Manche Steine seien heute im Feld oder unter Büschen versteckt, aber in Rosenthal seien sie dank der beiden neuen Wege gut abzugehen.

Grenzsteine nie verrücken

Oft würden Grenzsteine in seinem Amt abgegeben, sie seien zuweilen nicht mehr ihrem historischen Platz zuzuordnen, sagte Mause. Er mahnte deshalb, die Steine stets liegen zu lassen, sie zu fotografieren und den Standort dem Obmann zu melden. Denn diese „historischen Kleinode des Liegenschaftskatasters“ erfüllten noch immer ihre Funktion: Eigentumsverhältnisse anzuzeigen.

Am Vormittag waren 25 Interessenten bei noch trockenem Wetter zu Teilen des südlichen Grenzwegs um das ehemalige Gut Merzhausen des Deutschen Ordens gestartet. Helmuth Vaupel erläuterte ihnen die Formen und Symbole auf den Steinen und führt auch zu drei Steinen im Westen, die nicht direkt an der Strecke liegen.

Vortrag über den Orden

Nach der offiziellen Freigabe der Wege hielt Herbert Lay einen Vortrag über die Geschichte des Deutschen Ordens, dessen Ritter wesentlich zur mittelalterlichen Kolonisierung Osteuropas beigetragen haben. Marburg war ein wichtiger Stützpunkt, die Elisabethkirche steht auf einstigem Grund des Ordens, den Kaiser Napoleon im Reichsgebiet 1809 auflöste. Heute besteht nur noch ein geistlicher Orden, dessen Priester auch Katholiken im Frankenberger Land betreuen.

Am Sonntag, 28. Oktober, ist eine weitere Exkursion mit Helmuth Vaupel geplant, die Wanderer starten um 10 Uhr zum Grenzweg Nord-Ost zwischen Haina und Rosenthal. Alle Interessenten sind willkommen.

von Dr. Karl Schilling

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Von Redakteur Dr. Karl Schilling

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