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Nordkreis Todenhäuser fordern von Spanka Unterstützung
Landkreis Nordkreis Todenhäuser fordern von Spanka Unterstützung
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19:06 04.04.2018
Die Gleise liegen, fehlt nur der Bahnsteig: Die Todenhäuser wünschen sich einen Bahnhaltepunkt. Quelle: Tobias Hirsch
Todenhausen

Dieser ehrenamtliche Einsatz des Ortsbeirats Todenhausen, der oft in schweißtreibende körperliche Arbeit mündet, wird von den Mitbürgern dadurch honoriert, dass sie in irgendeiner Weise bei der Umsetzung mithelfen. Die Stadt Wetter weiß auch um die Schaffenskraft der Todenhäuser und übernimmt gerne die anfallenden Materialkosten.

So läuft das in der Regel. Alle profitieren und der Säckel der Stadt wird so weit es geht geschont. Doch da gibt es ein Projekt in Todenhausen, das hätte der Ortsbeirat lieber schon gestern als heute umgesetzt. Und die Aussichten, dass es morgen so weit ist, stehen auch noch schlecht.

Das nervt und zermürbt. Die Todenhäuser wissen, dass sie kaum Einfluss nehmen können, außer stets zu betonen, dass es ihnen sehr, sehr wichtig ist, dass ihr Ort einen Haltepunkt auf der Burgwaldbahn erhält. „Die Bahn führt direkt an unserem Dorf vorbei. Warum sollen die Todenhäuser dann in ein Auto steigen und je nach gewünschter Richtung erst noch nach Wetter oder Simtshausen fahren, wo sie dann zusteigen können? Sie sollten direkt hier einsteigen“, sagt Todenhausens Ortsvorsteher Ralf Funk.

Ortsgremium fordert Haltepunkt für Todenhausen

Und es ist ja nicht so, als sei die Idee völlige Utopie. Von 1953 bis 1982 gab es in Todenhausen eine Bedarfshaltestelle. Ihr Wegfall gehörte zu den „Rationalisierungsmaßnahmen“ der Deutschen Bundesbahn.

Jetzt, wo das Bahnfahren mehr und mehr wiederentdeckt wird, stillgelegte Strecken reaktiviert werden, will auch Todenhausen wieder einen Haltepunkt vor der Haustür haben. Dafür würden sie sogar beim Ausbau des heute benötigten Bahnsteigs mit Muskelkraft helfen. Nun, das wird ihnen schon aus rechtlichen Gründen nicht gestattet werden, aber der Wille wäre da und das müsse auch zählen, so Funk.

Deshalb zeigt sich das Ortsgremium etwas enttäuscht, dass ihm vonseiten des Bürgermeisters, gerade in dessen zurückliegenden Wahlkampf als Alleinkandidat zu wenig Unterstützung versichert worden sei. „Wir brauchen diese Unterstützung, soll sich hier etwas bewegen“, sagt Funk und stellt heraus, dass der Ort alles dafür getan habe, den Haushalt der Stadt Wetter nicht mit anderen Projekten zu belasten, um dann mit gutem Recht diese eine Unterstützung einfordern zu können.

Ja, es fiel auf. Bei der Bürgermeisterdirektwahl im Februar war der Zuspruch aus Todenhausen für Kai-Uwe Spanka, na nennen wir es mal „eher bescheiden“. Von nur 78 Wählern (40 Prozent) kreuzten auch noch 35 bei „Nein“ an. Funk wertet dieses Ergebnis als ein Signal an den Bürgermeister, dass hier eine berechtigte Erwartungshaltung enttäuscht wurde. „Der Bürgermeister hätte eine Perspektive formulieren müssen. Todenhausen steht doch durch den Bau der B-252-­Ortsumgehung vor einer rosigen Zukunft als Wohnort. Mit einem Bahnanschluss könnten wir diesbezüglich noch einmal mehr punkten“, sagt Funk.

Entscheidung liegt 
letztendlich bei der Bahn

Dass die Burgwaldbahn in Todenhausen halten kann, beweisen die Sonderregelungen, die während des Hugenotten-Marktes gelten. Kai-Uwe Spanka hat die Botschaft aus Todenhausen verstanden. Er sagt aber auch, dass er sehr wohl mit den Todenhäusern über dieses Thema diskutiert habe. „Ich bin ein klarer Verfechter der Burgwaldbahn und da gehören für mich auch Bedarfshaltepunkte in Niederwetter und Todenhausen dazu.“

Spanka sieht wie Funk ein großes Entwicklungspotenzial in Todenhausen, wenn der Durchgangsverkehr erst einmal Geschichte ist. Doch bevor über eine Erweiterung der Wohnbebauung nachgedacht werden könne, müsse aber auch die Verdichtung in der vorhandenen Wohnbebauung stattfinden. „Die Grundstücke sind in Privathand. Ich habe schon mehrfach vorgefühlt, ob es eine Verkaufsbereitschaft gibt und bisher keinen Erfolg gehabt“, sagt Spanka.

Der Zuwachs in Todenhausen könne auch in Sachen Bahnhaltepunkt eine große Rolle spielen. Wenn vonseiten der Bahn das Potenzial an Nutzern als zu gering vermutet werde, sei das kein Argument für eine Investition. Und die Investition wäre erheblich, denn Bahnsteige sind zwar möglich, können aber aus rechtlichen Gründen nicht in Eigenleistung hergestellt werden.

Bürgermeister hinterfragt Finanzierung

Spanka ist es wichtig, herauszustellen, dass er sehr wohl weiß, was der Todenhäuser Ortsbeirat leistet, was die Todenhäuser Bürger leisten. Er werde deshalb auch an der ­Sache dranbleiben und mit den entsprechenden Stellen ­erörtern, wenn es denn auch von Bahnseite gewollt wird, welche konkreten Wege zur Umsetzung aufgezeigt werden können.

Er gibt aber auch zu bedenken: „Als Kämmerer der Stadt Wetter muss ich aber auch die Kosten im Einzelnen im Blick haben. Und selbst wenn ein Großteil über Fördermittel zu finanzieren ist, bleibt doch sicher ein erheblicher sechsstelliger Betrag bei der Stadt, den wir so nicht einfach mal abbilden können.“

Dennoch sagt Spanka: „Wenn es einen entsprechenden Antrag über die Fraktionen im Stadtparlament gibt und beschlossen wird, werde ich mich natürlich dafür einsetzen und versuchen ihn umzusetzen. Dann ist das Projekt schließlich auch der politische Wille der Mehrheit des Stadtparlaments.“

von Götz Schaub