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Tiefe Gräben, die ein Dorf vereinen

Nahwärme-Netz Schönstadt Tiefe Gräben, die ein Dorf vereinen

Baustellen, wohin man auch sieht. Selbst Schuld die Schönstädter, sie wollten es ja so. Aber nach dem Dreck, Lärm und vielleicht auch Ärger werden sie über beide Ohren strahlen und grinsen vor Stolz über ihre Leistung.

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Von wegen Idylle im alten Ortskern. Die Alte Poststraße ist derzeit Großbaustelle.

Quelle: Tobias Hirsch

Schönstadt. Die Oberrospher haben es ihnen vorgemacht. Mit Geduld und Spucke überlebt man auch ein Sommer mitten in einer großen Baustelle. Ja, mittendrin statt nur dabei, so müssen sich die Schönstädter wohl derzeit vorkommen. An fünf Stellen im Ort sind Gräben gezogen worden.Es kommt zu Straßenverengungen. Mancherorts ist überhaupt kein Durchkommen auf einem fahrbaren Untersatz.

Die Euphorie von vor wenigen Wochen als der erste Spaten feierlich in den Boden gerammt wurde und Offizielle zusammen mit der Hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) eines der zu verlegenden Rohre in die Hand nahmen , ist etwas verflogen. Jetzt steckt man rund um die Uhr im Großeinsatz und hofft, dass alles so glatt geht, wie geplant. „Nein, es läuft nicht alles so rund wie wir uns das dachten. Aber dafür haben wir ja unsere wöchentlichen Baustellenbesprechungen, wo dann auch alles angesprochen und geklärt werden kann“, sagt Rolf Beuermann vom Genossenschaftsvorstand ganz ehrlich.

Es wäre aber jetzt sehr ungerecht, mit den Machern der Energiewende in Schönstadt hart ins Gericht gehen zu wollen. Für sie ist die Bauphase auch Neuland, das erst einmal besiedelt werden will. „Wichtig ist, dass wir die Fehlerquellen erkennen und abstellen“, so Beuermann.

Bei einem Rundgang mit Ortsvorsteher Johannes Weber, der zugleich im Aufsichtsrat der Genossenschaft sitzt, sieht Beuermann sehr viel Positives. An der einen oder anderen Baustelle setzt er jetzt auf das Können und die Routine der Fachfirmen. Es ist zu kurz gedacht, wenn man erwartet, dass der Graben geöffnet die Leitung verlegt und der Graben wieder dicht gemacht wird. Zwischen Öffnen und Schließen liegen mehrere wichtige Arbeitsschritte, die nur in einer ganz bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden können. „Greift da nicht ein Rädchen in das andere, kommt es zu Verzögerungen und es geht nicht mehr weiter“, sagt Beuermann. Es gilt zu bedenken, dass viele Teile extra für die jeweiligen Verhältnisse in Schönstadt angefertigt werden müssen und das dies eben seinen Vorlauf benötigt.

Beuermann: „Wir haben die Probleme in der wöchentlichen Baubesprechung benannt und setzen jetzt darauf, dass es zügiger vorangeht.“ Vornehmlich geht es um die Teile im Graben, in dem die Hausanschlüsse andocken oder wo es um Kurven geht. Dort müssen die Übergänge sauber verschweißt werden und das braucht nun mal seine Zeit. „Wir sind jetzt jedenfalls sehr zuversichtlich, dass die Gräben, die derzeit offen sind bis Ostern wieder verfüllt sind“, sagt Johannes Weber. Insgesamt müssen 280 Anschlüsse bearbeitet werden. Das bedeutet rund 80 Prozent der Schönstädter Haushalte sind bei dem Projekt dabei.

Die Schönstädter nehmen es mit Geduld. Für die jungen Dorfbewohner ist es hingegen richtig spannend, mit Mama oder Papa durch den Ort zu laufen. Überall sieht man tolle Baumaschinen, Bagger oder Bauarbeiter, die total interessante Arbeiten ausführen. Beschwerlicher ist es derzeit wohl für den Postboten, der kaum seine gewohnte Tour fahren kann. Auch der Müllwagen kommt derzeit nicht überall hin. Dann sind die Anlieger gefordert, ihre Mülltonnen zu Sammelplätzen zu bringen. Unter anderem wird zurzeit im Dorfkern gebuddelt. Bei den Arbeiten stießen die Bauarbeiter auch auf alte nicht mehr in Funktion befindliche Wasserrohre. Vielleicht findet ja das ein oder andere Rohr eine neue Verwendung oder wird als historisches Zeugnis irgendwo einmal ausgestellt. Überrascht darf man vom derzeitigen Zustand der Sandwiese mitten im Ort sein. Die Sandwiese liegt unter einer festen Schicht Schotter vergraben. Und auf der Schotterschicht, die einen richtig großen Platz abdeckt haben die Baufirmen ihr Materiallager und Arbeitsstellen eingerichtet.

„Wir sind sehr froh, dass der Besitzer der Wiese dafür sein Einverständnis gegeben hat“, freut sich Beuermann. Nach Beendigung der Arbeiten in Schönstadt wird dort wieder Wiese sein. Und wer nicht glauben mag, dass es in Schönstadt wirklich zu einem guten Ende kommt, der sollte mal nach Oberrosphe rüberfahren und sich dort umgucken. Dort erinnert praktisch nichts mehr an die Mega-Baustelle als aus Oberrosphe ein Bioenergiedorf wurde. Die Genossenschaft hat auch noch viel zu tun. Da wäre beispielsweise der „Hühnerstall“. Das Stallgebäude gleich hinter der großen Scheune auf der rechten Seite, wenn man vom Dorf aus zum Flugplatz fährt, soll die große Schaltzentrale zwischen Sägewerk und Wärmenutzer werden.

„Wenn das mal fertig ist, wird man nicht mehr vermuten können, dass der Stall einst für Hühner genutzt wurde“, sagt Beuermann selbstbewusst. Im Oktober soll die Wärme „fließen“. An diesem Ziel hält man weiterhin fest. Für Mai ist eine kleine Zwischenfeier geplant. Das hält bei Laune, fördert den Gemeinsinn und soll auch mal alle zusammenbringen, die meistens weit verteilt im Ort für die Umwandlung zum Bioenergiedorf Schönstadt fleißig und gewissenhaft arbeiten.

von Götz Schaub

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