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Nordkreis Das Schicksal der Familie Bachenheimer
Landkreis Nordkreis Das Schicksal der Familie Bachenheimer
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00:18 30.07.2018
Mutter Selma Blumenthal ist das weibliche Oberhaupt der Familie. Quelle: Michael Hoffsteter
Wetter

Eineinhalb Jahre probt das Ensemble unter der Leitung von Brunhilde Heß bereits, seit zehn Jahren arbeitet die Regisseurin und Dramatikerin bereits an diesem Stück, das ihr eine echte Herzensangelegenheit ist. Über 100 Mitwirkende, davon etwa 70 Darsteller – die Geschichte, die Hess erzählt, hat viele motiviert, Menschen aus Wetter, Amönau, Oberrosphe und vielen anderen Orten im Nordkreis. Das Großprojekt widmet sich einer wahren ­Geschichte: der Geschichte der Juden in Wetter zur Zeit des Nationalsozialismus, exemplarisch erzählt am Schicksal einer Familie.

Diese Familie, die im Stück Blumenthal heißt, hieß in ­Wirklichkeit Bachenheimer. Mit Ruth Bachenheimer, die im ­Alter von 13 Jahren in die USA floh, hielt sie jahrelang Kontakt und rekonstruierte mit ihrer Hilfe die Geschichte der Familie, an der sich ablesen lässt, was jüdischen Mitbürgern geschah: Von der Ausgrenzung und Beleidigungen bis zu Verfolgung und Ermordung. Alle Szenen sind fiktiv, beruhen aber auf genauer Recherche. Die Figuren sind alle an Menschen angelehnt, die in dieser Zeit in Wetter lebten.

Meine Stadt: Leben am AbgrundFotos: Michael Hoffsteter

Ein Stück Stadtgeschichte, das exemplarisch für das Geschehen in vielen Städten steht und das mancher gern vergessen will. Ein Stück Zeitgeschichte, das laut Heß gerade jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden sollte: „Rassismus und ­Nationalismus greifen wieder um sich“, sagt sie, „das ist immer latent da, und es gibt Zeiten, wo das stärker wird.“ Aufzuzeigen, welche Folgen das mit sich bringt, ist ihr ein großes Anliegen. „Ich möchte die Mechanismen aufzeigen, wie Gewalt und Ausgrenzung Einzug halten, wie der Sog von Hetzkampagnen funktioniert.“

Sie wolle aber auch Hoffnung machen. Nachdem das Stück die Entwicklung in der kleinen Stadt dokumentiert, die bis zur völligen Verrohung führt, zeigt das Schlussbild die Stadt im Heute, in der Kinder verschiedener Nationalitäten einträchtig zusammen spielen.

Beraten wurde Heß von Dr. Martina Kepper, der Vorsitzenden des Trägervereins ehemalige Synagoge Wetter, die Musik hat Eckhard Scherer komponiert. Die Stadt Wetter unterstützt die Produktion und hat 20 000 Euro beigesteuert. „Ein Stück mit einem Hintergrund, wie er kaum aktueller sein könnte“, schreibt Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, der auch eine Rolle übernommen hat, im Programmheft.

Eine ganz besondere Freude für Brunhilde Heß: Die Tochter der mittlerweile 93 Jahre ­alten Ruth Bachenheimer wird die Aufführung am Samstag ­besuchen.

Sechs Aufführungen wird es geben, dauern wird das Stück etwa zwei Stunden plus Pause. Die Karten gibt es bei der Stadtverwaltung Wetter, bei Optik Zietlow in Wetter und bei der Tourist-Info im Erwin-Piscator-Haus in Marburg.

Die Premiere beginnt am 27. Juli um 20.30 Uhr. Die weiteren Aufführungen sind am 28. und 29. Juli sowie am 3., 4. und 5. August. „Die Wettervorhersage für die Aufführungen ist großartig“, freut sich Spanka.

von Heike Döhn