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Teichfische gefährden die Amphibien

Nabu Wetter Teichfische gefährden die Amphibien

Oft werden die Bemühungen engagierter Naturschützer, teils mutwillig und absichtlich, teils aus Unwissenheit und falsch verstandener Tierliebe, torpediert.

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In Amphibienteiche eingesetzte Zierfische sorgen für unnötige Kosten und Verluste bei heimischen Tierarten. Diese Giebel wurden aus dem Ullners-Loch-Teich bei Wetter abgefischt.Foto: Nabu Wetter

Wetter. Diese Erfahrung machen heimische Naturschützer immer wieder. Wie Hermann Schmack, Vorsitzender der Ortsgruppe Wetter des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) während der Jahreshauptversammlung im Konferenzraum der Stadthalle berichtete, machten sich mehrmals Unbekannte am Krötenzaun an der Kreisstraße 1 zwischen Mellnau und Simtshausen zu schaffen. Fang­eimer wurden herausgerissen und die Eisenpfosten in angrenzende Hecken geworfen. Daher wurde Strafantrag gestellt.

Dennoch sei in der Zeit vom 7. März bis 11. April ein Rekordergebnis erzielt worden, berichtete Schmack vor 16 anwesenden der unverändert 98 Mitglieder des Vereins: 2225 Erdkröten, ein Grasfrosch, acht Bergmolche und 15 Teichmolche wurden eingesammelt. Zum Vergleich: 2010 wurden 816 Tiere, 2009 772 und 2008 insgesamt 1656 Amphibien eingesammelt und so vor dem Tod im Straßenverkehr gerettet.

Ein weiteres Problem stellt sich bei Amphibienteichen, deren Zahl um zwei auf 14 erhöht wurde. Bereits fünf Mal mussten Teiche abgefischt werden, was jedes Mal etwa 150 Euro kostete, weil Unbekannte Fische eingesetzt hatten. „Man muss die Leute aufklären, was sie damit anrichten“, wenn sie glauben, ihren Fischen etwas Gutes zu tun. „Amphibiengewässer dürfen auf keinen Fall mit Goldfischen und anderen Teichfischen besetzt werden, weil diese den Laich der Amphibien fressen und deren Population stark gefährden“, unterstrich Schmack. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, ortsfremde Arten auszusetzen.

Bisher habe man etwa 200 Giebel (siehe Foto), Karpfenfische, die oft als „Fehlfarben“ beim Goldfischkauf dabei seien und dann aussortiert werden, aus den Teichen geholt. Im Februar wurden aus einem Teich am Wollenberg 42 Goldfische herausgeholt. Auch in einem Teich bei Treisbach habe man 25 Goldfische von etwa 25 Zentimetern Größe gezählt, vermutlich werden es insgesamt 40 sein. Ursprünglich wollte der Nabu den Teich noch im Frühjahr abfischen. Nach einem Besuch des Gewässers entschied der Fischereibeauftragte Christoph Dümpelmann, erst im Herbst mit einem Schleppnetz zu fischen, weil sonst Molche und andere Tiere, die sich zur jetzigen Jahreszeit im Wasser aufhalten, zu Schaden kämen.

Zu den regelmäßigen Arbeiten gehörte die Kontrolle und Reinigung von 300 Nistkästen im Bereich von Wetter, Amönau, Mellnau und Unterrosphe. Von 20 Wasseramselkästen waren sieben belegt, die höchste Belegungsrate bisher.

Weitere Arbeitseinsätze galten dem Schutz wildwachsender Orchideen durch die Pflege von Trockenrasenflächen und Reparaturen an den Fledermauswinterquartieren in Wetter und Treisbach. Im Oktober pflanzten Mitglieder 15 hochstämmige Obstbäume am Galgenberg in Wetter. Jeden zweiten Donnerstag im Monat trifft man sich im Vereinsheim am Diebsturm.

Kassierer Otto Niedziella zeigte im Vortrag „Von den Anfängen bis heute“ Fotos aus dem abwechslungsreichen Vereinsleben der 1977 gegründeten Nabu-Gruppe.

von Manfred Schubert

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