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Stadtwerke Wetter bieten neue Lösung

Energiegemeinschaft Unterrosphe Stadtwerke Wetter bieten neue Lösung

Die Genossen in Unterrosphe müssen umdisponieren. Die für den Erhalt der Fördermittel notwendige Zahl von mindestens 95 Anschlusswilligen wurde nicht erreicht.

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Das Votum ist eindeutig. Die Unterrospher wollen die Nahwärmeversorgung, gerne auch über die neuen Stadtwerke Wetter.

Quelle: Manfred Schubert

Unterrosphe. Die Nahwärmeversorgung des Dorfes bleibt realisierbar, wenn die Stadtwerke Wetter die Wärmeerzeugung übernehmen. Bei zwei Enthaltungen votierten die 60 stimmberechtigten Teilnehmer der Generalversammlung der Energiegemeinschaft Unterrosphe am Ende für das neue Konzept. Seit der Gründung der Genossenschaft im Mai hatten 68 der etwa 170 Hausbesitzer im Dorf verbindlich ihre Bereitschaft zum Anschluss an das künftige Nahwärmenetz erklärt. 95 Wärmekunden wären nötig, um auf eine Liefermenge von 500 Kilowattstunden pro Meter Leitungsnetz zu kommen. Das ist die Vorgabe, um die Fördergelder zu erhalten, ohne die das Projekt in Eigenregie nicht wirtschaftlich umzusetzen wäre.

Die Genossen bemühten sich, eine Alternative zu finden, um doch in die Förderung zu kommen und das Projekt bis zum Beginn der Heizperiode 2013/14 stemmen zu können. Letztlich gebe es nur eine Möglichkeit, erklärte Vorstandsvorsitzender Ralf Bamberger den etwa 70 Menschen, die ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen waren: die Trennung des Betriebs von Netz- und Wärmeerzeugung. Das neue Konzept sieht vor, dass die Stadtwerke Wetter Bau und Betrieb der Heizanlage übernehmen sollen. Die Genossenschaft soll das Nahwärmenetz und die zentrale Pumpstation bauen und betreiben.

Vorteile laut Bamberger: Damit habe man einen starken und verlässlichen Partner, der mit seinen Mitarbeitern die Betreuung und Verantwortung für die Wärmeerzeugung übernehme. Zudem entstehe in Wetter nahe der der Firma Schoeller ein weiteres neues, noch größeres Nahwärmenetz (Siehe OP-Bericht vom 26. September). Unterrosphe wäre sozusagen eine kleine Außenstelle davon. Damit könnten die Stadtwerke als weiteren Vorteil den kostengünstigeren Einkauf von Heizmaterial einbringen. Außerdem bleibe die Möglichkeit des Kaufs der Heizanlage durch die Genossenschaft bestehen.

Der bisher kalkulierte Preis von 11 Cent pro Kilowattstunde soll bestehen bleiben und damit auf jeden Fall günstiger als das Heizen mit fossilen Brennstoffen werden.

Grundlast wird überBiogas abgedeckt

Oliver Berghamer, Geschäftsführer der Moosburger Energie Agentur Berghamer und Penzkofer, machte den Genossen das neue Konzept bildlich schmackhaft: Bei uns in Bayern heißt das, die Brezn ist geschmiert. Jetzt müssen sie nur noch hineinbeißen. Er verwies auf die Einweihungsfeier des Nahwärmenetzes Schönstadt am heutigen Samstag sowie auf das in Erksdorf, mit dessen Bau außergewöhnlich kurzfristig, nämlich bereits am Montag, begonnen werde.

Weiter erläuterte Berghamer technische Einzelheiten. Die Sommerwärme könne, wie in Oberrosphe, durch ein weiteres Satelliten-Blockheizkraftwerk mit etwa 250 Kilowatt elektrischer Leistung abgedeckt werden, im Winter kämen Holzhackschnitzel zum Einsatz. Das genossenschaftliche Wärmenetz inklusive Hausanschlüsse soll eine Ausdehnung von 4010 Metern haben. Dafür und für die Pumpstation sind etwa 1,75 Millionen Euro zu investieren, bis zu 0,9 Millionen sind an Zuschüssen zu erwarten, etwa 0,75 Millionen müssen per Kredit finanziert werden. Pro Haus sind Kosteneinsparungen zwischen 500 bis 800 Euro jährlich zu erwarten. Bürgermeister und Aufsichtsratsmitglied Kai-Uwe Spanka sagte, der Landwirt Stefan Lölkes habe signalisiert, dass er das Biogas zur Abdeckung der Grundlast herstellen könne. Er betonte, dass die Stadtwerke Wetter als Eigenbetrieb nicht profitorientiert seien. Mit diesem ökologisch sinnvollen Projekt wolle man die Region voranbringen, zudem bringe es zwei volle Arbeitsplätze.

Nicht alle Genossen zeigten sich ganz glücklich mit dem neuen Konzept, einer merkte an, statt der angestrebten Unabhängigkeit unterwerfe man sich dem Preisdiktat der Stadtwerke. Spanka widersprach dieser etwas bösartigen Formulierung und betonte, dass die Stadtwerke, anders als in Marburg, keine GmbH, sondern ein Eigenbetrieb der Stadt seien und sie somit der Gemeinschaft der Bürger gehören. Jeder Bürger habe über die Wahlen, zumindest indirekt, Einfluss auf diese. Es werde eine Preisbindungsklausel geben, die sich nicht an Öl- und Gaspreisen, sondern an den allgemeinen Lebenshaltungskosten orientieren werde. Er versprach, sofort am nächsten Tag eine Sitzung der Betriebskommission der Stadtwerke Wetter, vermutlich bereits für kommende Woche, anzusetzen. Als nächster Schritt muss diese dem Vorhaben zustimmen.

Bamberger erklärte zum Schluss, dass nun die Genossenschaft auch eingetragen werden soll. Damit habe man warten wollen, bis ein tragfähiges Konzept beschlossen wurde.

von Manfred Schubert

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