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„Sind mit der Kirche auf gutem Weg“

Interview „Sind mit der Kirche auf gutem Weg“

Wenige Tage vor der Bürgermeister-Direktwahl spricht Peter Funk im OP-Interview über seine Ziele im Falle einer Wiederwahl.

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Münchhausens Bürgermeister Peter Funk stellt sich am Sonntag, 5. September, zur Wiederwahl.

Quelle: Privatfoto

OP: Herr Funk, nach 2004 sind Sie erneut einziger Kandidat für das Bürgermeisteramt der Gemeinde Münchhausen. Eine Auszeichnung für Sie?

Peter Funk: Ja, ich werte diesen Umstand schon als Bestätigung. Als parteiloser Bürgermeister suche ich mit allen Fraktionen das Gespräch und versorge sie auch alle mit den gleichen Informationen. Im Falle einer Wiederwahl dürfen sich alle sicher sein, dass ich auch weiterhin parteilos bleiben werde. Wir sind hier nicht im Bundestag oder Landtag, sondern in Münchhausen direkt vor Ort bei den Bürgern. Bei unserer Arbeit geht es nicht um Parteipolitik, sondern um Politik für die Bürger.

OP: Zunächst ein Blick zurück. Sind Sie mit den Ergebnissen aus den letzten Jahren zufrieden?

Funk: Ja. Um sie aber bewerten zu können, muss man sie auch immer im Zusammenhang mit unserer finanziellen Ausstattung sehen. Wir haben beispielsweise in Münchhausen das Feuerwehrgerätehaus gebaut, sind mit Niederasphe erfolgreich im Dorferneuerungsprogramm und haben in Simtshausen das Dorfgemeinschaftshaus saniert. Das sind Projekte, die viel Geld gebunden haben, aber sehr wichtig für uns waren.

OP: Es gab in den vergangenen Jahren aber auch ein handfestes Problem, das die Gemeinde sogar vor das Verwaltungsgericht ziehen ließ: die Auseinandersetzung mit der evangelischen Kirche bezüglich der Zukunft des Kindergartens in Niederasphe.

Funk: Das stimmt. Aber wir haben es auch geschafft, wieder eine Basis zu finden. Die Gespräche im letzten halben Jahr sind sehr vielversprechend und konstruktiv gewesen. So wie es aussieht, wird die Gemeinde mehr Mitspracherecht erhalten, etwa bei den Öffnungszeiten, Personaleinstellung etc. Die sonstigen Hausaufgaben sind von unserer Seite jedenfalls gemacht, so haben wir den Kindergarten jüngst grundlegend saniert.

OP: Wenn Sie jetzt wieder mit der Kirche verhandeln, bedeutet das aber auch, dass der Kindergarten Niederasphe nicht wie geplant in den interkommunal agierenden Verein „Kinder sind unsere Zukunft“ eingebracht werden kann.

Funk: Danach sieht es aus. Nichtsdestoweniger ist der Verein eine gute Idee und bringt uns auch spürbare Vorteile, wie etwa bei der Personalplanung. Mit dem Verein können wir weiterhin ein qualitatives und quantitatives gutes Betreuungsangebot für Kinder und Familien bieten. Durch die Übertragung der Kinderbetreuung an den Verein ergeben sich sowohl finanzielle Vorteile für die Kommunen, als auch für die Eltern. Wir sind jedoch weiterhin daran interessiert neue Mitglieder aufzunehmen.

OP: Interkommunale Zusammenarbeit ist ja im Nordkreis ein großes Thema. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit in den nächsten sechs Jahren vor?

Funk: In einigen Bereichen arbeiten wir bereits sehr gut zusammen. Dadurch können wir Angebote machen, die wir alleine hätten niemals unterbreiten können. Ich denke da beispielsweise an die Wohnberatung, an die Jugendarbeit inklusive Ferienspiele und an das Klima-Projekt Klimax. Auch bei der Einführung der Doppik haben wir uns gegenseitig geholfen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Verwaltungsmitarbeiter gezielt weitergebildet werden, und diese dann mit ihrem besonderen Wissen den anderen Kommunen helfen können. Wir bekommen immer mehr Vorgaben von Bund und Land, die wir als kleine Kommune kaum noch bewältigen können. Da wäre es sehr gut, für bestimmte Bereiche Ansprechpartner in den Nordkreiskommunen zu haben. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich verfüge ich über ein sehr gutes Team in Münchhausen. Das ist schon ein großes Glück. Aber die Personalressourcen sind begrenzt und ich kann nicht einfach mehr Leute einstellen.

OP: Was halten Sie vom Zweckverband interkommunaler Bauhof?

Funk: Für Lahntal und Wetter und sicher auch für das jüngst beigetretene Cölbe eine gute Sache. Doch dafür liegen wir dann doch etwas zu weit ab. Auch wenn wir nur wenige Leute haben, sind diese motiviert und wissen, worauf es bei uns ankommt. Unsere Männer vom Bauhof verfügen zum Glück über sehr viel Wissen und können viele Maschinen auch selbst reparieren.

OP: Spielt für Sie im Fall Ihrer Wiederwahl der Ausgang der Kommunalwahl im März 2011 eine besondere Rolle?

Funk: Was die Parteien angeht, sicher nicht. Wir sind es gewohnt zusammenzuarbeiten, um das Beste für die Gemeinde herauszuholen. In den nächsten Jahren wird es besonders darauf ankommen, die Infrastruktur zu erhalten und attraktiv zu gestalten, um den Folgen des demografischen Wandels gut aufgestellt zu begegnen. Dabei wird es auch ein Punkt sein, die Dorfkerne lebendig zu halten. Ein Vorschlag meinerseits wäre, die Familienförderung nicht nur auf Neubauten zu beschränken, sondern auch auf den Kauf und Umbau von vorhandenen Häusern im Ort auszuweiten. In Münchhausen wird es auf absehbare Zeit sicher kein Neubaugebiet mehr geben, aber wir wollen ja auch junge Familien mit Kindern hier haben. Darüber hinaus gibt es noch einige Themen, die wir anpacken sollten.

OP: An was denken Sie dabei in erster Linie?

Funk: Das Themenfeld erneuerbare Energien gehört auf jeden Fall dazu. Es wäre sehr schön, nach und nach die Heizungen der kommunalen Gebäude entsprechend umzurüsten. Dann geht es natürlich auch um die Konsolidierung des Haushalts. Wir müssen versuchen, diverse Defizite zu verringern. Dabei denke ich vor allem an die Dorfgemeinschaftshäuser. Da müssen Gespräche mit den Vereinen und der Dorfgemeinschaft geführt werden. Vielleicht gelingt uns ja noch einmal so etwas wie in Münchhausen mit der Burgwaldhalle, die von Vereinen übernommen wurde. In Simtshausen gibt es erste Erfolge. Der RSV Simtshausen will den unteren Bereich des Hauses übernehmen, inklusive Kegelbahn, die der Verein unterhält und vermietet. Schön wäre es auch in allen Ortsteilen kleine Wohneinheiten für betreutes Wohnen im Alter zuschaffen.

OP: Der demografische Wandel ist sicher eine große Herausforderung für eine Kommune wie Münchhausen?

Funk: Ganz sicher. Wir sind nun mal eine ländliche Wohngemeinde mit Landwirtschaft und Handwerk. Große Gewerbegebiete wird es hier niemals geben. Wir können aber die Wohnorte attraktiv machen. Dabei können wir uns zum einen auf das Engagement der Bürger selbst verlassen, die schon sehr viel in Eigenleistung geschaffen haben, zum anderen auch auf gemeinsam entwickelte Angebote.

Ich denke da beispielsweise an Heidemarie Schneider, die ehrenamtlich als Seniorenbeauftragte für uns tätig ist. So können wir über den Seniorentreffpunkt der Volkshochschule hinaus Angebote machen wie etwa gemeinsames Singen, Tanzen, Wandern oder Computerkurse. Darauf wollen wir aufbauen und die Angebote weiterentwickeln.

OP: Noch ein Wort zur Vergabe der Strom-Konzession. Welchen Weg wird Münchhausen gehen?

Funk: Es liegen verschiedene Angebote vor, die wir jetzt sondieren und über die wir beraten. Wir werden die Entscheidung auf jeden Fall noch in der Legislaturperiode des derzeitigen Parlaments treffen.

Das Interview führte Götz Schaub

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