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Wildschweine im Visier der Jäger

Schonzeit aufgehoben Wildschweine im Visier der Jäger

In Hessen herrscht deutschlandweit die höchste Wildschwein
dichte. Wie Jäger und Landwirte damit umgehen, darüber sprachen sie in einer gemeinsamen Podiumsdiskussion in Sarnau.

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In Hessen leben viele Wildschweine. Die Tiere sind so manchem Landwirt ein Dorn im Auge.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Sarnau. Seit geraumer Zeit haben die Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen zugenommen. Damit einher haben auch die Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Jagdpächtern im Hinblick auf Entschädigungsansprüche­ stark zugenommen. Zudem ist zwischenzeitlich durch die näherrückende Afrikanische Schweinepest ein Risiko entstanden, das den gesamten hessischen Hausschweine-Bestand gefährdet.

Grund genug für die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Karin Lölkes, Kreislandwirt des Landkreises Marburg-Biedenkopf Frank Staubitz sowie den Vorsitzenden des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Landkreis Helmut Kombächer eine Diskussionsrunde zu dieser Problematik zu organisieren.

Organisatoren überrascht von großem Andrang

Unter dem Motto „miteinander statt übereinander reden“ nahmen rund 140 Landwirte und Jagdgenossen an einer Podiumsdiskussion im Gasthaus zur Aue in Sarnau teil. Die Veranstalter waren sichtlich von dem großen Interesse und der Bereitschaft sowie den vielen guten Anregungen aus dem Publikum überrascht, einen gemeinsamen Weg finden zu wollen.

Dazu nahmen der Vorsitzende des Verbandes der Jagdgenossenschaft und Eigenjagdbesitzer in Hessen Armin Müller, Vizepräsident des Landesverbandes Hessen Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, der Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Dirk Behnke und Ernst Müller, als Vertreter des Jagdbeirates der Unteren Jagdbehörde des Landkreises, Stellung.

Scheu fordert höheren Fleischpreis

Ernst Müller und Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann sprachen sich für die Erhöhung des Jagddrucks aus, das heißt, wie intensiv und wie viel gejagt werden darf sowie für Einzelansitze seitens der Pächter. Die Wildschweinabschüsse hätten laut Armin Müller auch durch die Aufhebung der Schonzeit für Keiler und Bachen im Vergleich zum vergangenen Jahr um rund 25 Prozent zugenommen, sodass eine Stückzahl von 5000 erreicht werden könne. Dennoch seien weitere Bejagungsschneisen für die landwirtschaftlichen Flächen von Nöten, um dem Jäger größere Chancen zum Erlegen zu geben.

In diesem Zusammenhang stellte Karl-Heinz Scheu angesichts der vorhandenen Fleischmengen für eine bessere Rentabilität der Vermarktung einen Antrag: Er fordert die Beschau der Frischlinge bis 20 Kilo ohne Gebühr auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf einzuführen und den Kilopreis von 40 Cent zu erhöhen. Er merkte kritisch an, dass trotz des Überschusses nach wie vor Wildschweinfleisch aus Polen eingeführt werde.

Lölkes: Sicherheitsvorkehrungen einhalten

Jetzt soll ein Ausschuss gegründet werden, der dieses Thema künftig bearbeitet. Ziel sei es, dass Landwirte und Jagdpächter weiterhin im Dialog bleiben. Dazu soll künftig auch Hessen Forst miteinbezogen werden. Wer in dem Ausschuss noch mitarbeiten möchte, kann sich an die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes in Marburg wenden.

In der Schlussrunde richtete­ Karin Lölkes noch einen Aufruf an die 400 Halter der rund 23.500 Schweine im Landkreis. „Obwohl die Schweinepest derzeit im Osten des Landes noch 400 Kilometer von unserer Landesgrenze entfernt ist, sollten insbesondere kleine landwirtschaftliche Betriebe wichtige Sicherheitsvorkehrungen sofort einhalten“, sagte Lölkes. Dazu zählten beispielsweise eine Desinfektionswanne vor dem Stall zu platzieren und benutzte Geräte zu desinfizieren, führte Lölkes weiter aus. Von der Afrikanische Schweinepest, die Wild- und Hausschweine befallen kann, gehe jedoch ­keine Gefahr für Menschen aus.

von Elvira Rübeling

Rund 140 Landwirte und Jagdpächter kamen zur Podiumsdiskussion nach Sarnau. Foto: Elvira Rübeling
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