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Schönstadt will das Wasser bändigen

Hochwasserschutz Schönstadt will das Wasser bändigen

Die Gemeinde Cölbe möchte in Schönstadt etwas gegen Hochwasser tun. Der Ortsteil liegt in einem Tal und leidet seit Jahrzehnten unter Überschwemmungen. Ein Ingenieurbüro hat die ­Situation dort analysiert.

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Bürgermeister Volker Carle (Zweiter von links) begutachtet gemeinsam mit Thomas Wagner (links), Barbara Fiebiger (Mitte), Verena Bockisch (Zweite von rechts) und Ernst Fehler das Rote Wasser in Schönstadt.

Quelle: Nadine Weigel

Schönstadt. Schönstadts Ortsvorsteherin Barbara Fiebiger kennt das schon: Wann immer es Hochwasser in der Region gibt, ist Schönstadt betroffen. Die Brücke über das Rote Wasser am Mühlenweg „ist oft überschwemmt“, sagt sie. Mal mehr, mal weniger. In diesem Winter­ war es mehr, viel mehr sogar. Der Mühlenweg war ­unpassierbar. Cölbes Bauamtsleiter Thomas Wagner verglich die Situation Anfang Januar mit dem Hochwasser von 1984, das damals die gesamte Gemeinde Cölbe heimsuchte. „In Schönstadt kam es mir jetzt dramatischer vor, als es damals war“, sagt Wagner.

Cölbe weitet derzeit den Hochwasserschutz in der Gemeinde­ aus. In Bürgeln halfen laut Bürgermeister Volker Carle die ­Renaturierungen beim jüngsten Hochwasser, Schlimmeres zu verhindern. Dort wurde das Rote Wasser in sein altes Bachbett zurückgeführt. In Cölbe soll der Damm entlang der Ohm erhöht werden. Aber auch in Schönstadt will der Bürgermeister etwas unternehmen.

Zu diesem Zweck wurde das Ingenieurbüro Hartung und Partner aus Hannover mit einer Analyse beauftragt. Im August des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen eine Bestandsaufnahme gemacht und topografische Daten gesammelt. Die Untersuchung sollte eine Antwort auf die Frage geben, wo sich das Wasser bei Überschwemmungen seinen Weg sucht. Schönstadt liegt im Tal zwischen Junkernwald, Betziesdorfer Höhe und Langem Grund. Das Wasser läuft von diesen Hängen in den Ort herab und sammelt sich dort.

Das Wasser am Mühlenweg steigt schnell

Bürgermeister Carle sagt, dass mittlerweile auch die Zubringer-Gewässer zu bestimmten Jahreszeiten sehr viel Wasser führten. An der Brücke über das Rote Wasser am Mühlenweg „erwartet man eigentlich nichts Großartiges“, sagt er. Regnet es aber stark, steige das Wasser dort schnell an.

Erste Ergebnisse der Untersuchung des Ingenieurbüros zeigen: In Schönstadt gibt es insgesamt 14 Bereiche, die im Falle steigender Wassermassen­ betroffen sind, sechs davon schwer. Computergestützte ­Risikoanalysen sollen weitere Erkenntnisse zu Tage fördern.

Das Hannoveraner Ingenieurbüro schlägt schon jetzt verschiedene Maßnahmen vor, um dem hochwassergeplagten Dorf Linderung zu verschaffen. So könne an der Brücke am Mühlenweg das Rote Wasser auf beiden Uferseiten mit einem Wall erhöht werden, schlägt Verena­ Bockisch von Hartung und Partner vor. Wichtig sei auch, die Ufer-Vegetation in der Nähe der Brücke regelmäßig zurückzuschneiden. Wuchert die Natur am Roten Wasser oberhalb der Brücke zu sehr, bestehe die Gefahr, dass Äste und Gestrüpp mitgerissen werden und den Durchfluss verstopfen.

Die Häuser am Mühlenweg könnten mit einem erhöhten­ Bürgersteig vor steigendem Wasser geschützt werden, so Bockisch. Außerdem könnten Überflutungsflächen oberhalb Schönstadts den Ort zukünftig vor dem Wasser schützen. Bürgermeister Carle gab allerdings zu bedenken, dass infrage kommende Gebiete nicht der ­Gemeinde gehören, sondern Privatpersonen. Deshalb müssten erhebliche Hindernisse überwunden werden, sollte sich die Gemeinde dazu entschließen, solche Überflutungsflächen in Schönstadt anzulegen.

Wie teuer die einzelnen Maßnahmen in Schönstadt werden könnten, habe er noch nicht kalkuliert, sagt Carle. Was wann gemacht wird, sei auch noch nicht klar. „Es gibt Abstimmungsbedarf“, sagt der Verwaltungschef. Weil das Ingenieurbüro aber auch verschiedene kleinere Maßnahmen vorschlägt, könne die Gemeinde auch schon etwas in Angriff nehmen. „Je nach Zeit und Geld“, sagt Volker Carle. „Irgendwann müssen wir ja anfangen.“

von Dominic Heitz

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