Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Schock und Rätseln über Verdachtsfall in Wetter

Missbrauch Schock und Rätseln über Verdachtsfall in Wetter

Betroffenheit herrschte am Freitag in Wetter, nachdem bekannt wurde, dass es auch in der Stadt einen Missbrauchs-Verdachtsfall innerhalb der katholischen Kirche gegeben haben soll.

Wetter. Man bekommt ein mulmiges Gefühl, wenn man hört, das so etwas in der eigenen Stadt vorgekommen sein soll“, sagte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka am Freitag nachdenklich. „Wenn man durch so eine Meldung aufgeschreckt wird, ist das schon ein dickes Pfund. Man weiß eigentlich nicht, was man sagen soll.“

Ähnlich waren die Reaktionen innerhalb der katholischen Gemeinde St. Bonifatius. „Bei uns weiß keiner auch nur irgendetwas davon“, sagte eine Frau, die nicht genannt werden will, merklich aufgewühlt von der ungeheuerlichen Nachricht.

Man kenne die Priester, die in den vergangenen Jahrzehnten in Wetter gewirkt haben, keiner kann sich vorstellen, dass so etwas hier tatsächlich vorgefallen sein soll.

In der Tat ist es derzeit schwierig, abzuschätzen, was an dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs dran ist. Die Staatsanwaltschaft Hanau, die die anonyme Anzeige aufgenommen hatte und nun wegen des vermutlichen Tatorts an die Marburger Kollegen weitergegeben hat, teilte am Freitag nur wenige Zeilen mit. Die Marburger Staatsanwaltschaft hatte nach eigenen Angaben noch keine Kenntnis von dem Fall.

Und auch die offizielle Stellungnahme des Bistums Fulda lässt alle Fragen offen: „Ein Priester des Bistums wurde in einem anonymen Brief beschuldigt, wegen Taten, die schon einige Jahre zurückliegen. Dieser Verdachtsfall wurde an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet.“

„Eine Person habe gemeldet, von einem Priester aus Ha­nau vor einigen Jahren in Wetter bei Marburg missbraucht worden zu sein“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, Wolfgang Popp. „Der Priester ist, soweit ich weiß, nicht mehr im Dienst“, ergänzte Popp bei der Nachrichtenagentur dpa.

Wann genau der Missbrauch geschehen sein soll und in welcher Situation, ob ein Junge oder Mädchen betroffen waren oder ein Erwachsener, all das blieb vorerst unbeantwortet.

Der Priester, so Popp weiter, stand zum genannten Tatzeitpunkt in Diensten des Bistums Fulda. Ob er zu dieser Zeit in der katholischen Gemeinde in Wetter tätig gewesen ist oder Wetter nur der Tatort war, zum Beispiel während einer Freizeit, blieb am Freitag Spekulation.

In Wetter konnte sich am Freitag offenbar noch niemand einen Reim auf den Vorwurf machen. Auch Pater Christoph Kehr nicht, der die Priesterstelle seit 2007 innehat. „Ich habe heute auch erst davon erfahren“, sagte er der OP. „Wir sind natürlich offen, wenn jemand auf uns zu geht“ und diesem Zusammenhang Hilfe erbitte, so Kehr.

Auch er konnte sich aber nicht erklären, was genau hinter dem Vorwurf steckt. „Ich weiß nicht, ob das Opfer heute überhaupt noch in Wetter lebt“, sagte er und auch der Bezug zu Hanau gab ihm Rätsel auf.

Von seinen beiden unmittelbaren Vorgängern etwa, die er gut kenne, sei keiner in Ha­nau tätig gewesen. Auch ein Kirchenmitglied war gänzlich ratlos, was die Verbindung nach Hanau anging. Denn die Priester der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Wetter, die zum Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder gehört, werden seit vielen Jahrzehnten vom Deutschen Orden gestellt, der zu Hanau keine Verbindung hat.

Offen, ob der Verdacht im Gottesdienst Thema wird

Ob er den Verdacht in Wetter selbst in seiner Gemeinde zum Thema machen wird, zum Beispiel im Gottesdienst, konnte Kehr am Freitag noch nicht sagen. „Ich muss erst darüber nachdenken“, bat er um Verständnis.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stiftsschule Amöneburg

Auch an der katholischen Stiftsschule St. Johann in Amöneburg hat es offenbar in der Vergangenheit mindestens einen Missbrauchsfall gegeben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nordkreis