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Saft, Kuchen, Gelee: Der Apfel macht alles mit

Vielseitiges Früchtchen Saft, Kuchen, Gelee: Der Apfel macht alles mit

Küchlein mit Äpfeln, Gelee und vor allem frisch gepresster Saft: In der Kinderküche Sterzhausen lernten Jungen und Mädchen den Apfel mit all seinen guten Eigenschaften kennen.

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Frank Schmidt führt den Kindern vor, wie in der Presse aus der Apfelmaische der Saft herausgedrückt wird.

Quelle: Nadine Weigel

Sterzhausen. Schon sammelt sich der Saft in der Auffangschale. Aus einem Zentner bekommt man etwa 23 Liter. Die Kinder schauen gebannt zu und helfen Frank Schmidt abwechselnd beim Drehen an der Kurbel der Saftpresse. Schon wenige Minuten später gibt‘s eine Kanne voll frisch gekeltertem Apfelsaft - und der schmeckt Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gut. „Kein Vergleich zu all dem, was man an Direktsäften aus dem Laden kennt“, schwärmt Andrea Schmidt. Und der achtjährige Niklas aus Unterrosphe nimmt gleich noch einen Schluck aus dem Micky-Maus-Becher: „Schmeckt gut“, sagt er und wischt sich mit den Handrücken über den Mund.

Foto: Nadine Weigel

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In der Kinderküche Sterzhausen dreht sich heute alles um Äpfel. „Eigentlich fast schon ein bisschen spät, normalerweise machen wir das im September oder Oktober“, erzählt Schmidt, die die Kinderküche einmal im Monat gemeinsam mit Anneliese Witzel für den Generationentreff Krafts Hof anbietet. Manchmal unterstütz Brigitte Beecken die beiden Frauen bei der Betreuung und dem Programm für die bis zu 20 Kinder aus der Gemeinde Lahntal, die regelmäßig zu dem offenen Angebot kommen.

Noch Monate nach der Ernte frisch

„Wir dachten, wir kriegen in diesem Jahr gar nicht ausreichend Äpfel“, berichtet die Sterzhäuserin, doch dann erhielt der Förderverein Krafts Hof unerwartet eine Apfel-Spende von Hans Gimbel aus Sterzhausen - und so stand am Donnerstag Keltern, Backen und Kochen mit Äpfeln auf dem Programm.

Mit der Verarbeitung von Äpfeln kann man sich Zeit lassen, und zwar Wochen oder gar Monate über die Erntezeit hinaus. Alfred Oehler aus Roth, Vorsitzender des Kreisverbands Marburg für Obstbau, weiß: „Manche Sorten entfalten ihr Aroma dann überhaupt erst.“ Auf die richtige Lagerung kommt‘s allerdings an. „Die Äpfel brauchen es kühl und feucht“, sagt Apfelkenner Oehler, „im Keller sind sie, mit einer Decke geschützt, gut aufgehoben“. Dort halten sie sich besonders gut, wenn es sich um einen Keller mit unbetoniertem Boden handelt. „Dann ist die Luft schön feucht - die Äpfel mögen eine Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent“, erläutert Oehler, der als Beispiel für einen besonders haltbaren Apfel den Boskop nennt. „Noch im kommenden Sommer kann man den genießen.“

Zurück in die Kinderküche nach Sterzhausen. Hier werden die Äpfel gar nicht erst alt. Die gemischten Sorten von den Obstwiesen ringsum ergeben einen süßen aromatischen Saft. Und nachdem die Kinder auf Krafts Hof gesehen haben, wie die Früchte erst in der Obstmühle zerkleinert werden und dann aus der Maische mithilfe der Presse der Saft herausgedrückt wird, geht‘s von der Scheune wieder rein ins Haus. Dort ist jetzt Backen angesagt. Konzentriert machen sich die Kinder mit ihren Betreuerinnen ans Werk. Anneliese Witzel stellt ein Tablett mit Margarine, Zucker, Eiern und Mehl auf den Tisch und gibt den Kindern, die schon lesen können, das Rezept. Jana und Christina messen 250 Gramm Margarine ab und schlagen sie mit dem Handrührgerät schaumig. Die anderen Kinder klopften die Eier auf und wiegen das Mehl ab.

Am anderen Tisch werden die Äpfel fürs Backwerk vorbereitet. Andrea Schmidt und Brigitte Beecken zeigen den Kindern, unterstützt von einigen Müttern, wie die Äpfel geschält, geschnitten und anschließend auf der Reibe kleingeraspelt werden für den Muffinteig. „Ganz schön schwer“, sagt der sechsjährige Jannis und übt sich an Apfel und Sparschäler.

Vom Saft zum Rauscher und zum Wein

Äpfel verbacken, einkochen, Saft daraus keltern und weiterverarbeiten zu Apfelwein- oder korn - es gibt so viele Möglichkeiten. Und eigentlich kann jeder all das selbst machen, sofern geeignete Lagerplätze vorhanden sind. Noch dürfen die Äpfel aus der diesjährigen Ernte draußen im Gartenhäuschen oder auch dem Balkon lagern. „Erst, wenn die Temperaturen dauerhaft unter den Gefrierpunkt sinken und unter zwei bis vier Grad minus gehen, müssen die Äpfel reingebracht werden“, sagt Oehler, der den selbstgepressten Apfelsaft besonders gern zu Apfelwein weiterverarbeitet. Dazu wird der Saft mit Gärhefe angesetzt. Und zwar in einem Gefäß mit Spund, einer Art Ventil, durch das die entstehenden Gase entweichen können. Gelagert werden soll der angehende Wein bei 22 Grad Raumtemperatur. „Nach sieben Tagen ist es ein Rauscher, nach drei Wochen wird der Wein ruhig“, erklärt Oehler und rät dazu, ihn dann mit einem Weinschlauch vorsichtig von der unten abgesetzten Hefe abzusaugen. „Es gibt aber auch Gefäße, bei denen sitzt der Zapfhahn so weit oben, dass die Hefe automatisch unten drin bleibt, wenn man den Wein vorsichtig ablässt“, gibt der Apfelfachmann einen Tipp.

Vom Apfelwein zurück in die Kinderküche. Der Raum in Krafts Hof hat sich inzwischen gefüllt, weitere Kinder sind zur Kinderküche eingetroffen. Die gemeinsam vorbereiteten Apfelküchlein müssen jetzt backen, in der Zwischenzeit stellen die Kinder mit ihren Betreuerinnen aus dem gekelterten Saft noch Apfelgelee her. Zum Abschluss gibt‘s Apfelmuffins mit Kakao - nach so viel harter Küchenarbeit soll schließlich keiner hungrig heim gehen.

nTipp: Sie wollen aus ihren eigenen Äpfeln Saft pressen lassen? Es gibt noch einige Keltereien in der Region, beispielsweise die Apfelkelterei „Matsch und Brei“ in Speckswinkel, „Die Erpresser“ in Niederweimar oder die Kelterei Elm in Burgwald-Ernsthausen. Möglichkeiten zum Keltern bieten auch manche Obst- und Gartenbauverein vor Ort, wie zum Beispiel in Daupthe, wo es ein Apfelsaft-Häuschen gibt.

von Carina Becker

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