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Parlament setzt Segel für vollen Wind

Entscheidungen in Münchhausen Parlament setzt Segel für vollen Wind

Das Gemeindeparlament Münchhausen setzt voll auf Windkraft. In einer Sondersitzung befürwortete es alle vom Regierungspräsidium vorgeschlagenen Flächen für Windkraftanlagen in der Gemeinde.

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Blick auf Niederasphe: Eine Idylle, die bald von Windrädern „umzingelt“ ist?

Quelle: Martina Koelschtzky

Münchhausen. Ein wenig war es verkehrte Welt im Münchhäuser Parlament: Die CDU setzte durch, dass jede für den neuen Regionalplan vorgeschlagene Windkraftfläche auch von der Gemeinde befürwortet werde, während die Grünen Bedenken anmeldeten.

„Ich brauche kaum zu sagen, dass wir Windkraft befürworten“, sagte Rainer Ulbrich (Unabhängige Grüne Liste) zu dem Änderungsantrag seiner Liste, die zentral in der Gemeinde gelegene Fläche beim Hochbehälter Niederasphe aus der Vorschlagsliste herauszunehmen. „Aber wir müssen nicht so viele Flächen ausweisen. Wir erfüllen unser Soll von zwei Prozent der Fläche schon mit der bereits beplanten und der ersten unstrittigen Fläche. Wieso sollten wir unbedingt noch mehr Flächen ausweisen, wenn einige der betroffenen Ortsteile dagegen sind?“

Gegen diese Fläche hatten sich die Ortsbeiräte von Nieder- und Oberasphe ausgesprochen, der Ortsbeirat Simtshausen wolle ebenfalls auf diese Fläche verzichten, berichtete Ortsvorsteher Michael Haubrok-Terörde (UGL). „Wir können an anderen Orten sehen, was man sich für Probleme einhandelt, wenn man die Bürger nicht mitnimmt“, sagte er. Mit der bereits beplanten Fläche bei Wollmar, einer weiteren nordöstlich des Ortes sowie einer Fläche zwischen Niederasphe und Oberasphe an der Grenze zu Wetter und Biedenkopf seien genug geeignete Flächen vorhanden. Zudem habe die Gemeinde beim vorherigen Regionalplan auch wegen naturschutzrechtlicher Bedenken diese Fläche aus dem Regionalplan herausnehmen lassen. Es sei nicht einzusehen, warum diese jetzt wieder ausgewiesen werden sollte.

„Die Zeiten haben sich geändert“, meinte Bürgermeister Peter Funk (parteilos). Und die Bürger würden ja noch beteiligt, wenn der neue Regionalplan in die Offenlegung gehe.

Der Wollmarer Ortsvorsteher Wolfgang Henseling (CDU) sowie seine Fraktionskollegen Karin Lölkes und Johannes Wagner vertraten die Ansicht, es dürfe keine Fläche ausgenommen werden. „Die jüngeren Bürger haben sich längst an den Anblick gewöhnt, denen ist es egal, wie viele Windräder gebaut werden“, sagte Henseling.

Die SPD-Fraktion hatte die Abstimmung in dieser Frage freigegeben. Hans-Martin Seipp hob hervor, jede Möglichkeit für die Gemeinde, Geld zu verdienen müsse genutzt werden. Und die umstrittene Fläche gehöre komplett der Gemeinde.

Sein Fraktionskollege Helmut Briel vom Ortsbeirat Niederasphe erinnerte dagegen daran, dass eine Umzingelung eines Ortes mit Windkraftanlagen zu vermeiden sei. Alle ausgewiesenen Flächen seien aber rund um Niederasphe gelegen, man wolle wenigstens eine Sichtachse offen halten.

Funk meinte jedoch, dass Sichtbeziehungen oder der Erhalt des Landschaftsbildes als Ablehnungsgründe nicht mehr anerkannt würden: „Selbst Vogelzug oder Waldbestand gelten heute nicht mehr als wichtig.“

Bei der Abstimmung des Änderungsantrages fanden sich neben den zwei UGL-Abgeordneten noch drei SPD-Mitglieder, die die strittige Fläche aus der Planung nehmen wollten. Zwei weitere enthielten sich, die übrigen und die CDU stimmten dafür, so dass eine Mehrheit gegen die Herausnahme war. Genau umgekehrt sah es bei der Abstimmung des Stellungnahme aus, die alle insgesamt vier Flächen befürwortet.

Nach der Stellungnahme gibt es jedoch eine Prioritätenliste: Zuerst soll das Gebiet bei Wollmar bebaut werden, dann der Standort, der die Gemarkungen Niederasphe und Oberasphe an der Grenze zu Dexbach und Engelbach (Stadt Biedenkopf) betrifft. Als dritter Standort ist eine Fläche zwischen Nieder- und Oberasphe an der Reihe, zuletzt die umstrittene Fläche beim Niederaspher Hochbehälter.

Wagner sprach sich dafür aus, dass kein auswärtiger Investor die Anlagen bauen solle, sondern die Gemeinde und die Bürger. „Die Wertschöpfung für die Gemeinde ist sechsmal so hoch, wenn kein auswärtiger Investor beteiligt ist“, sagte er.

In nächster Zeit wird die Gemeindevertretung zu einer Bürgerversammlung einladen, um die Windkraftplanung zu diskutieren, kündigte der Parlamentsvorsitzende Roland Wehner an.

von Martina Koelschtzky

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