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Ortsbeirat moniert „eklatante Fehler“

Schönstadt Ortsbeirat moniert „eklatante Fehler“

Direkt an die Fraktionen richtet der Ortsbeirat Schönstadt die Bitte, die Abstimmung zum Abweichungsantrag für die Norma-Ansiedlung in Bürgeln zurückzustellen und fordert eine unabhängige Stellungnahme.

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Der Ortsbeirat Schönstadt tagte im Besprechungsraum des Bürgerhauses: Christian Schwarz (von links), Antje Burgard, Uwe Weimar, Barbara Fiebiger und Ortsvorsteher Hannes Weber. Michael Kiefer fehlte.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. Im Zentrum der Sitzung des Ortsbeirats von Schönstadt stand die geplante Ansiedlung eines Discounters sowie weiterer Geschäfte in Bürgeln. Elf Zuhörer, darunter Mitglieder der Initiativgruppe „Bürgelns Zukunft“ und des Ortsbeirats Bürgeln, verfolgten die Diskussion aufmerksam.

Der Gemeindevorstand hatte beschlossen, den „Antrag auf Zulassung einer Abweichung von den Darstellungen und Zielen des Regionalplanes Mittelhessen 2010 und dem Landesentwicklungsplan Hessen für ein Sondergebiet Nahversorgungszentrum“, kurz „Abweichungsantrag“ genannt, der Gemeindevertretung am 17. Dezember ohne vorherige Beteiligung des Ortsbeirats Schönstadt zur Abstimmung vorzulegen.

Der Ortsbeirat hat sich, wie in der Sitzung deutlich wurde, intensiv mit dem im Auftrag des Unternehmens Norma erstellten Abweichungsantrag beschäftigt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die Einzelhandelssituation in der Gemeinde gemäß den Interessen des Auftraggebers und Hauptnutznießers analysiert wurde und „viele eklatante Fehler“ enthalte.

Daher wendet sich der Ortsbeirat nun direkt mit einem Antrag an die Fraktionen der Gemeindevertretung. Mit vier Ja-Stimmen bei einer Enthaltung bittet er diese, die Abstimmung über den Abweichungsantrag zurückzustellen und eine unabhängige, gutachterliche und juristische Stellungnahme zu der Auswirkungsanalyse des Norma-Bauvorhabens in Auftrag zu geben.

Vorab hatte Ortsvorsteher Hannes Weber erklärt, dass Bürgeln unbedingt ein Lebensmittelgeschäft oder einen -discounter brauche, der auch größer sein dürfe als das Geschäft in Schönstadt. „Wir hätten auch lieber 360 statt 180 Quadratmeter“, sagte er und betonte, dass es nur um die Verkaufsfläche der insgesamt drei bis vier in Bürgeln geplanten Geschäfte gehe. Neben Norma sollen eventuell noch ein Getränkemarkt, ein Landhandel und eine Drogerie entstehen. Das bedroht nach Ansicht der Schönstädter und auch der Einzelhandelsberatung, die dazu konsultiert worden sei, den Fortbestand der Nahversorgung mit seinen nur geringen Gewinnmargen in ihrem Dorf.

Im vorliegenden Abweichungsantrag werde nur die Auswirkung auf die Nachbargemeinden, nicht auf Cölbe, geprüft. Überhaupt seien nur ­Rewe in Cölbe und Gutkauf in Schönstadt aufgeführt, letzterer zudem falsch mit nur 110 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Angst vor „gnadenlosem Verdrängungswettbewerb“

In Bürgeln sei keine Nahversorgung, sondern ein großflächiges Einzelhandelszentrum mit drei oder vier großen Märkten geplant, das einen „gnadenlosen Verdrängungswettbewerb“ auslösen werde und so die Existenz der Nahversorgung der anderen Ortsteile bedrohe, heißt es in der Begründung des Schönstädter Antrags. Kritisiert wird auch die Analyse der Nachfrage und der Kaufkraft in der Gemeinde sowie des Kaufangebots in den Nachbargemeinden. Die bei der Analyse der Einzelhandelsstruktur eingesetzte Methodik sei fehlerhaft und unausgewogen.

Bürgermeister Volker Carle meinte zwar, der Kundenkreis für Fleckenbühl oder Gutkauf in Schönstadt sei nicht der gleiche wie der für einen Discounter und er hoffe, dass der Discounter keine Kunden aus Schönstadt abziehe. Wer dorthin wolle, werde auch beim Discounter in Marburg einkaufen. Auch habe Bürgeln keinen Laden mehr, es gebe keine Standorte für einen kleineren Markt dort und man sollte die Gemeinde insgesamt und die Chancen für diese betrachten. In ganz Cölbe gebe es zum Beispiel keinen Drogeriemarkt mehr.

Das beruhigte die Ortsbeiratsmitglieder nicht, die befürchten, wenige Monate nach der Norma-Eröffnung werde ihr Laden schließen.

Antje Burgard betonte nochmals, der Ortsbeirat sei nicht gegen Nahversorgung in Bürgeln, aber wolle, dass alle wichtigen Dinge im Abweichungsantrag stehen und dann auch von der Behörde geprüft würden. Um die Verkehrssituation um den Gutkauf herum war es zuvor in der Sitzung gegangen. Wegen der engen Straßen und der parkenden Autos sei es für Grundschulkinder und ältere Menschen mit Rollator schwierig, über die Kreuzung zu kommen, Busse kommen manchmal nicht durch.

Vielleicht lasse sich verkehrsplanerisch, eventuell mit Überwegen und Schritttempo, die Situation verbessern. Der Bürgermeister meinte, man kenne die schwierige Situation und regte an, zu einer Ortsbegehung einen Vertreter der Verkehrsbehörde Hessen Mobil einzuladen.

Einstimmig fiel der Beschluss, am kommenden Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ nicht teilzunehmen. Die beim vorigen Mal Aktiven seien jetzt bei der Nahwärme, dem Carsharing oder anderswo eingebunden.

„Ich hätte gerne mitgemacht, aber wenn, dann wollen wir auch besser abschneiden als letztes Mal“, meinte Ortsvorsteher Weber.

von Manfred Schubert

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