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Neue Stadthalle wäre „einmalige Chance“

Wetter Neue Stadthalle wäre „einmalige Chance“

Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka stellt am Montag erste Pläne vor, nach der die Stadt künftig Mieter in einer nagelneuen Stadthalle sein könnte. Bauen will sie der Wetteraner Unternehmer Hans Gerhard Lenz.

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Die Grafik zeigt einen Entwurf für eine solche Halle aus Nordwesten. Grafik: Artec

Wetter. Sorgen haben die Stadt und ihre Vereine mit der bestehenden Stadthalle neben dem Hallenbad schon lange. Das Gebäude aus dem Jahr 1962 ist dringend sanierungsbedürftig. Bürgermeister Spanka rechnet vor: Das Dach müsse gemacht werden, die Glasfront der Halle ebenfalls – sie entspricht mit ihrer Einfachverglasung längst nicht mehr dem energetischen Standard. Die Lüftungsanlage müsse ebenso erneuert werden wie die Elektrik.

Eine Komplettsanierung der bestehenden Stadthalle werde auf 3,4 Millionen Euro geschätzt, so Spanka. Als Alternative könnte man auch vorerst nur „das Nötigste“ machen, mit dem Nachteil, dass in den folgenden Jahren immer weiterer Sanierungsbedarf auftreten könne. Diese „Sanierung-light“-Lösung würde laut Spanka 1,3 Millionen Euro kosten.

Doch möglicherweise kommt noch mehr auf die Stadt zu, so Spanka. Der Beton der Stadthalle sei noch nicht ausgiebig untersucht, es gebe aber Hinweise, dass auch dort die Bausubstanz angegriffen sein könnte.

Daher kommt Spanka ein Angebot des Wetteraners Hans-Gerhard Lenz gelegen, der eine weitere Alternative für die Stadthalle aufzeigt, nämlich einen Neubau in der Stadtmitte zwischen Wetschaft und Kandelsgasse. Dort hat Lenz bereits den Grund erworben, ein ehemaliges Mühlengebäude ist bereits abgerissen, vier weitere Gebäude sollen in den nächsten Tagen folgen.

Nach Angaben des Bürgermeisters habe Lenz der Stadt angeboten, den Neubau zu finanzieren. Dies bestätigte der Wetteraner Unternehmer der OP am Freitag. Die 5,5 Millionen Euro teure Halle würde der Stadt gegen eine geschätzte Miete von monatlich rund 28.000 Euro langfristig und komplett zur Nutzung überlassen.

In einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung von Bau- und Planungsausschuss sowie Haupt- und Finanzausschuss am Montag wird der Bürgermeister einen Sachstandsbericht zu diesem Thema geben.

Ausgegangen wird bei den ersten Entwürfen derzeit von einer zweistöckigen Mehrzweckhalle mit etwa 600 Plätzen. Erste Architektenvorschläge wurden den Fraktionen im Stadtparlament dieser Tage zugeleitet, am Montag soll der Sachstand zur Stadthalle im Hauptausschuss erläutert werden.

Das Echo in den Fraktionen ist gemischt. Karl Zissel von der FDP moniert, dass kein Gremium der Stadt eine solche Planung in Auftrag gegeben habe. Aus der Befragung der Vereine lasse sich zudem nicht unbedingt ableiten, dass ein Neubau an anderer Stelle unbedingt gebraucht werde, so Zissel weiter. Die Kostenfrage sei natürlich der entscheidende Punkt. Zissel: „Da fehlen mir genaue Angaben, wie die Halle dann genutzt werden soll.“

Die Planungen für eine neue Halle sähen schließlich mit etwa 2.000 Quadratmetern gegenüber den 1.100 der alten Halle deutlich größeren Raum vor, „der auch adäquat genutzt werden muss“. Die Mietkosten blieben schließlich gleich, egal wie intensiv die Halle dann belegt sei.

Volker Drothler, Fraktionsvorsitzender der CDU, findet den Vorschlag für einen Neubau „grundsätzlich nicht schlecht“, es sei auch „eine ziemlich einmalige Gelegenheit, die Neue Mitte Wetters zu gestalten“. Aber, stellt Drothler klar. Über allem stehe die Finanzierbarkeit: „Man muss es sich als Stadt auch leisten können.“ Eine Mietzahlung von jährlich etwa 340.000 Euro sei ein ziemlich großer Batzen Geld.

Wie Zissel spricht sich Drothler dafür aus, dass auch die Bürger ihre Meinung sagen können, zum Beispiel in einer Bürgerversammlung. Schließlich sei die Stadthallenfrage „für Wetter eine essentielle Entscheidung, die das Stadtbild für viele Jahre prägen wird“, so Drothler.

Eine möglichst breit getragene Entscheidung wünscht sich auch SPD-Fraktionsführer Harald Althaus. Die gezeigten Entwürfe finde er „attraktiv und interessant, ein solcher Neubau wäre sicher auch eine Bereicherung für Wetter“. Doch das ist für ihn jetzt noch nicht das Thema: „Wir haben derzeit eine funktionsfähige Stadthalle, die den Bedürfnissen der Vereine gerecht wird, die aber auch sanierungsbedürftig ist.“

Für seine Fraktion gehe es im ersten Schritt deshalb darum, belastbare Zahlen über die Kosten für eine Sanierung zu bekommen und die weiteren Risiken abzuschätzen, die mit diesem Gebäude noch auftreten könnten. Bislang seien ihm diese Angaben noch zu grob. Im weiteren Schritt müsse der genaue Bedarf der Nutzer ermittelt werden. Erst dann könne man abwägen, ob ein Neubau für die Stadt sowohl in Hinblick auf die Kosten als auch auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eine Alternative sein kann.

Der Grünen-Fraktionschef Klaus Gerber war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die vom möglichen Investor vorgelegten Entwürfe seien noch keine endgültige Planung, stellt Spanka klar. Wichtig ist ihm aber, dass die neue Halle mehrzweckfähig ist, also auch über einen Sportfußboden und eine Tribüne verfügt. So könnte auch der Volleyball-Bundesligist TV Wetter dort eine Heimat bekommen, ohne die Einschränkungen, die in der Wollenberghalle bestehen. Auch als Tagungsort sieht Spanka für eine gute Auslastung der Stadthalle Chancen.

Verkehrstechnisch böte der Standort aus seiner Sicht ebenfalls Vorteile, so der Bürgermeister. Zu- und Abfahrt aus der Halle seien in der Neuen Mitte in Wetter gut zu gewährleisten, neben den auf dem Gelände möglichen etwa 100 Parkplätzen sei über einen Wetschaftssteg auch die anderen Parkplätze in der Nähe gut einzubinden.

Auf dem alten Standort ist man dagegen deutlich eingeschränkt. Und wenn die Ortsumgehung der B 252 kommt, so Spanka, werde die Verbindungsstraße nach Niederwetter zum Feldweg zurückgebaut, ein möglicher Abfahrtsweg falle damit weg. Und: Ein Neubau löse das kurzfristige Problem, dass die Vereine die alte Halle während deren Sanierung für ein Jahr gar nicht benutzen könnten.

von Michael Agricola

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