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Neue Mitte ist Investition in die Zukunft

Bürgermeister-Direktwahl Neue Mitte ist Investition in die Zukunft

Wenige Tage vor der Bürgermeister-Direktwahl spricht Manfred Apell im OP-Interview über seine Ziele im Falle einer Wiederwahl.

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Manfred Apell ist seit 1993 Bürgermeister der Gemeinde Lahntal. Am Sonntag stellt er sich zur Wiederwahl.

Quelle: Privatfoto

OP: Herr Apell, seit es in Hessen Bürgermeister-Direktwahlen gibt, sind Sie jeweils Alleinkandidat gewesen. Nach 1998 und 2004 nun auch wieder am Sonntag. Welchen Stellenwert hat diese Wahl für Sie?

Manfred Apell: Die Wahl ist die Möglichkeit für den Bürger zu sagen, ob er mit mir einverstanden ist oder nicht. Von daher hat sie für mich einen gleichbleibend hohen Stellenwert, weil es dabei direkt um die Bewertung meiner Arbeit für die Gemeinde geht. Natürlich ist es sehr schön, die offizielle Unterstützung von vier der fünf im Parlament vertretenen Fraktionen zu haben, aber darin steckt nun auch die Gefahr, dass die Bürger die Wahl als Selbstläufer ansehen und die Wahlbeteiligung niedrig ausfällt. Ich würde mir schon ein Votum von möglichst vielen Bürgern wünschen.

OP: Mit Verlaub, dürfen denn die Bürger damit rechnen, dass Sie die nächste Amtszeit voll ausschöpfen?

Apell: Sie spielen auf mein Alter an. Aber ja. Ich bin jetzt frisch 59 Jahre alt und habe fest vor, die nächsten sechs Jahre für die Gemeinde Lahntal zu arbeiten. Die Ideen und Visionen werden mir sicher nicht ausgehen.

OP: Welche Errungenschaften aus den vergangenen Jahren machen Sie besonders stolz?

Apell: Also besonders stolz machen mich eigentlich die Nebenbemerkungen anderenorts über unsere Kinderbetreuung in Lahntal. Das sind nette versteckte Anerkennungen. Und bei allen Schwierigkeiten, denen wir uns stellen müssen, werde ich nicht nur versuchen, den Standard bei der Kinderbetreuung zu halten, sondern noch auszubauen, schließlich ist das schon so etwas wie ein Markenzeichen für unsere Gemeinde.

OP: Was heißt ausbauen?

Apell: Nun, es wird immer mehr Menschen geben, die zu ungünstigen Zeiten arbeiten müssen. Auch denen muss man ein Angebot machen. Das wäre möglich über die interkommunale Zusammenarbeit. Eine Gemeinde allein kann es sich sicher nicht leisten, für drei, vier Kinder eine Betreuung sagen wir mal bis 19 Uhr anzubieten. Doch wenn mehrere Kommunen eine solche Betreuung organisieren, lohnt sich das.

OP: Derzeit können Sie als Mitinitiator des Vereins Kinder sind unsere Zukunft aber nur auf die Gemeinde Münchhausen zählen?

Apell: Das ist richtig. Die Zusammenarbeit mit Münchhausen läuft immer besser, ist aber nur ein Zwischenschritt. Intelligenter wäre es, wenn auch Wetter und Cölbe sich entschließen könnten, ihre Kindergärten in den Verein einzubringen. Ich bin allerdings nicht so euphorisch zu glauben, dass das schnell geht. Ich habe mittlerweile gelernt, mehr auf Zeit und Überzeugungsarbeit zu setzen, um auch die einzelnen Parlamente mitzunehmen. Andererseits muss man auch immer am Ball bleiben, weil der Druck auf finanzieller Seite immer größer wird.

OP: Sie werden also auch in den nächsten Jahren verstärkt die Zusammenarbeit mit den Nordkreis-Kommunen suchen?

Apell: Wir werden immer unser eigenes Profil haben, dafür haben wir unser Parlament. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, verschiedene Dinge mit den übrigen Nordkreis-Kommunen gemeinsam voranzubringen. Gute Beispiele sind ja schon vorhanden wie etwa die Jugendarbeit oder die Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Ich kann mir durchaus vorstellen auch im Bereich der reinen Verwaltungsarbeit, nennen wir es Finanzen und Kassengeschäfte, eine Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen anzustreben. Das schafft Freiraum für andere Dinge, schließlich können wir beim Personal nicht mehr weiter einsparen, obgleich uns auch da die Kosten zu schaffen machen. Wir haben jetzt schon mehr als eine Stelle nicht besetzt, doch damit haben wir gerade mal erreicht, die Höhe der Personalkosten konstant zu halten.

OP: Die Haushaltskonsolidierung fordert Einsparungen, aber Sie wollen auch gestalten. Wie passt das zusammen?

Apell: Allein mit Sparen wird man die Defizite nicht auffangen. Man kann Signale setzen, aber soziale Errungenschaften sollte man dabei nicht aufs Spiel setzen. Wenn wir beispielsweise die Kinderbetreuung wieder zurückfahren würden, hätten wir zwar kurzfristig mehr Geld in der Kasse, aber mittelfristig weitaus weniger, weil wir dann auch Bürger, konkret junge Familien, verlieren würden. Das hätte beispielsweise negative Auswirkungen auf die Einnahmen bei der Einkommensteuer und natürlich auch beim Kindergarten. Was die Einsparungen angeht, müssen wir zum Beispiel auch mal über die Bürgerhäuser reden und uns Gedanken machen, wie wir eine bessere Auslastung hinbekommen. Eine große Herausforderung ist auch der Klimaschutz. Ich möchte die kommenden sechs Jahre dazu nutzen, dass sich die Gemeinde diesbezüglich gut aufstellt. Wir als Gemeinde können viel dazu beitragen, dass die Bürger erkennen, dass dieses Thema immer wichtiger wird.

OP: Was die Infrastruktursicherung und Verbesserung angeht, ist ja in den vergangenen Jahren einiges bewegt worden.

Apell: Und wir müssen in Bewegung bleiben. Es nutzt nichts, am verkehrten Ende zu sparen. Die Neue Mitte in Goßfelden zum Beispiel ist eine Investition in die Zukunft. Sie sichert uns auf viele Jahre ärztliche Grundversorgung vor Ort. Sie sichert uns auch neues Leben in der Mitte des Ortes. Das steigert die Attraktivität und hilft uns dabei, dem demografischen Wandel weiterhin erfolgreich entgegenzutreten. Deshalb wollen wir auch Zuzugsgemeinde bleiben, auch wenn es sicher weniger Neubauten geben wird. Aber wir wollen möglichen Neubürgern nicht vorschreiben, ob sie lieber ein Haus im Dorfkern erwerben und umbauen oder in einem Neubaugebiet ein neues Haus bauen sollen.Ein weiteres Thema wird der Energiewandel sein. Auch da haben wir begonnen als Gemeinde positive Beispiele zu geben. Das neue Feuerwehrgerätehaus für die Wehren aus Göttingen, Sarnau und Goßfelden ist beispielsweise mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Das bedeutet, wir nutzen dort die Erdwärme. In Neubaugebieten versuchen wir Nahwärme über Blockheizwerke anzubieten, die über erneuerbare Energiequellen betrieben werden.

OP: Die Seniorenaktivwochen sind wohl auf dem besten Weg ein neues Markenzeichen für Lahntal zu werden. Für wie wichtig halten Sie Seniorenarbeit?

Apell: Ich möchte gerne, dass Menschen nach ihrem Berufsleben ausreichend Gründe vorfinden, die sie zum Verbleib in der Gemeinde Lahntal bewegen. Neben einer guten Infrastruktur müssen deshalb auch Angebote unterbreitet werden. Die Seniorenaktivwoche hat gezeigt, was alles in der Gemeinde möglich ist. Natürlich sind wir froh über das Engagement der Volkshochschule. Doch das allein kann es nicht sein. Wir wollen die Menschen dazu gewinnen, sich aktiv ins Gemeindeleben einzubringen. Das ist immens wichtig. Meiner Meinung nach hat die Seniorenarbeit spätestens in zehn Jahren einen so hohen Stellenwert wie die Kinderbetreuung. Wir wollen unsere älteren Mitbürger nicht nur bei Veranstaltungen unterhalten, sondern auch dazu bringen als wichtiger Teil unserer Gesellschaft, die Gemeinde mit uns zu gestalten.

OP: Sie definieren sich als Bürgermeister für alle. Sie gehören aber der SPD an und haben bei der letzten Kommunalwahl 2006 die SPD als Spitzenkandidat tatkräftig unterstützt. Werden Sie auch 2011 wieder für die SPD werben?

Apell: Ich denke schon, dass man mich immer als ein Bürgermeister für alle Bürger wahrgenommen hat. Ich will und muss in diesem Amt auch für alle anderen Ideen aufgeschlossen sein. Ich denke, dass ich das in der Vergangenheit ausreichend bewiesen habe. Was die Wahl 2011 angeht, habe ich mich noch nicht festgelegt, was ich tun werde.

Das Interview führte Götz Schaub.

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