Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Neue Einsicht über ein Dorf mit Aussicht

1200 Jahre Caldern Neue Einsicht über ein Dorf mit Aussicht

Caldern feiert in diesem Jahr sein 1200-jähriges Bestehen. Während eines Spaziergangs rund um den Lahntaler Ortsteil fällt der Blick auf historisch bedeutsame Orte des Dorfes.

Voriger Artikel
Sichere Wege und Bänke zum Ruhen
Nächster Artikel
Donnerstags fliegen die Brocken

Vom Feiselberg aus betrachtet, ergibt sich eine herrliche Aussicht auf die Felder vor Caldern und den Ort mit der Nikolaikirche.

Quelle: Christina Rausch

Caldern. Wer an einem schönen Tag einen Spaziergang rund um die Felder von Caldern unternimmt, dem bieten sich von verschiedenen Aussichtspunkten attraktive Ausblicke auf den unterhalb des Rimbergs gelegenen Ort. Vom Feiselberg aus etwa lässt sich nicht nur der „Hausberg“ Calderns – der Rimberg – betrachten, sondern der größte Teil des Dorfkerns mit der Nikolaikirche. Wer sich noch höher hinaus wagt und vom Aussichtsturm auf dem Rimberg die Fernsicht genießt, kann sogar das Lahntal weit überschauen.

Den Burgberg fest im Blick haben Spaziergänger auf der „Blenstadt“ in Richtung Dilschhausen. Dort wurde auch die Spitze des alten Rimbergturms aufgestellt und Bänke laden zu einer Rast ein. Von der gegenüberliegenden Seite der Lahn ist Caldern gut zu sehen – unterhalb des Wollenbergs kann man das gesamte Panorama des Dorfes inklusive Rimberg genießen.

 Arbeitskreis verspricht spannende Fakten

Rimberg, Burgberg, Klosterberg – welche historische Bedeutung haben jene Orte für Caldern? „Anhand dieser drei Berge lässt sich die Vor- und Frühgeschichte Calderns wunderbar darstellen“, erklärt Dr. Gerd Strickhausen. Der Kunst- und Bauhistoriker wohnt selbst in Caldern und gehört dem Arbeitskreis „Chronik“ im Förderverein Calderns an. Auf dem Rimberg gab es eine eisenzeitliche Siedlung, deren Überrest der Ringwall ist, der heute noch zu sehen ist.

Erstmals erwähnt wurde „Calantra“ im 9. Jahrhundert, wie aus Schenkungsurkunden hervorgeht. „Die Schriftquellen sind allerdings nur ein Schlaglicht, danach war es lange Zeit dunkel“, sagt Strickhausen. Erst im frühen 13. Jahrhundert sind die nächsten urkundlichen Erwähnungen Calderns zu finden. „Das Licht, das man versucht, in diese rund 400 Jahre zu bringen, wird immer eine eher indirekte Beleuchtung sein“, fasst der Historiker zusammen.

Ludowinger gründeten Markt auf dem Klosterberg

Sicher ist, dass es auf dem Burgberg eine Burg aus der Zeit der Gisonen im Hochmittelalter gab. „Kleine Turmburgen auf einem steilen Berg wie diese sind charakteristisch für Adelsburgen des 11. Jahrhunderts“, so Strickhausen. Nach dem Aussterben der Gisonen traten die Ludowinger und damit die Thüringischen Landgrafen das Erbe an: Im Gegensatz zu den Gisonen setzten diese nicht auf das Prinzip, viele kleine Burgen im Land zu verteilen, sondern vereinzelt große.

Damit war das Ende der Burg in Caldern besiegelt, sie wurde „aufgelassen“, wie in Fachkreisen die Aufgabe von Burgen genannt wird. Der Klosterberg, der dritte wichtige Berg Calderns, erlangte im späten 12. Jahrhundert Bedeutung: Die Ludowinger gründeten den „Markt Caldern“ auf dem Klosterberg in der Nähe der Nikolaikirche. Dieser konnte sich allerdings nicht weiterentwickeln, da die Konkurrenz durch Biedenkopf, Wetter und Marburg zu groß war.

Mit dem Aussterben der Ludowinger 1247 begann ein langer Erbfolgestreit, der die Trennung von Hessen und Thüringen und damit die Gründung einer eigenen Landgrafenschaft in Hessen zur Folge hatte. Um Caldern aufzuwerten, gründete Landgräfin Sophie von Brabant das Zisterzienserinnenkloster auf dem Klosterberg. Vom Kloster ist heute noch der Konventbau erhalten. In der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und der Universität Marburg zugesprochen.

500-Seiten-Werk über ein Dorf mit Geschichte

„Sowohl zum Klosterhof als auch zur baugeschichtlichen Untersuchung des Konventbaus werden Beiträge in der Chronik erscheinen“, kündigt Strickhausen an. Dazu gibt es einige neue Informationen zur Geschichte Calderns, die so zum ersten Mal aufbereitet wurden.

Der Arbeitskreis „Chronik“ hat während der Arbeit an dem mehr als 500 Seiten starken Werk tief in die Geschichte des Ortes geblickt und einige neue Erkenntnisse gewonnen. Heute Abend wird die Chronik offiziell vorgestellt. Ab 19.30 Uhr gibt der Arbeitskreis im Dorfgemeinschaftshaus Caldern einen Einblick in seine Arbeit und präsentiert spannende Caldern-Fakten.

von Christina Rausch

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr